Bezirk Neusiedl: Drei Mediziner traten Stelle nicht an. Nach erfolgreicher Bewerbung sprangen ein Allgemeinmediziner und zwei Fachärzte für Stellen in Gattendorf, Frauenkirchen und Neusiedl ab.

Von Birgit Böhm-Ritter und Paul Haider. Erstellt am 22. Januar 2020 (06:03)
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Das Nordburgenland scheint für Mediziner nicht attraktiv zu sein. Drei Ärzte zogen zuletzt nach Zusagen ihre Bewerbungen wieder zurück.

„Wir haben wirklich alles versucht, sogar Unis haben wir angeschrieben.“Gattendorfs Gemeindevorstand Thomas Ranits

In Gattendorf schien die Arztsuche im Dezember 2019 endlich beendet zu sein - und geht jetzt doch noch einmal von vorne los. Fünf Mal wurde die Allgemeinmediziner-Stelle im Laufe des Jahres ausgeschrieben, bis sich schlussendlich ein Arzt dafür beworben hat.

Der Mediziner, der die Praxis von Dr. Klaus Derks übernehmen hätte sollen, hat es sich aber kurzfristig anders überlegt. „Leider hat der einzige Bewerber um die Planstelle seine Bewerbung mit 15. Jänner zurückgezogen. Er hat uns mitgeteilt, dass das Nordburgenland, doch keine Option für ihn ist“, lässt Thomas Bauer, Direktor der Burgenländischen Ärztekammer, wissen.

Für die Gattendorfer Patienten von Dr. Derks - er praktiziert seit Jahresbeginn nur noch als Wahlarzt - ist das eine bittere Nachricht. Und auch Gemeindevorstand Thomas Ranits (ÖVP) zeigt sich enttäuscht: „Wir haben wirklich alles versucht, sogar Unis haben wir angeschrieben. Wir werden uns natürlich weiterhin um einen Arzt bemühen. In der Zwischenzeit führen wir schon Verhandlungen für ein Mobilitätskonzept, damit die ärztliche Versorgung für nicht mobile Personen in Gattendorf gewährleistet bleibt.“

Laut Ranits sei von mehreren Interessenten die Frage gestellt worden, ob die Ordination in der Dorfstraße über eine Hausapotheke verfüge. Da dies nicht der Fall sei und auch die gesetzlichen Voraussetzungen dafür derzeit nicht gegeben seien, sei die Ordination für die Bewerber automatisch weniger attraktiv, mutmaßt Ranits weiters.

Kinderarzt: Zu viel medialer Druck

Eine schlechte Nachricht gibt es auch für jene, die auf einen zweiten Kinderarzt im Bezirk gehofft haben. Mittlerweile wurde die Planstelle fünf Mal ausgeschrieben. Im Sommer des Vorjahres hieß es, ein Bewerber habe sich gemeldet und werde die Stelle im Herbst 2019 in Frauenkirchen antreten.

Eine Kinderarztpraxis sucht man in der Stadtgemeinde aber auch Ende Jänner 2020 noch vergeblich. Auf Anfrage bei der Ärztekammer wurde der BVZ mitgeteilt, dass der Facharzt seine Bewerbung wieder zurückgezogen habe. „Als Grund hat er den medialen Druck genannt, den es im Zusammenhang mit der Stelle gegeben hat“, erklärt Bauer.

Für die Ausschreibung dieser Kassenstelle machte sich, gegen Ende seiner Amtszeit als Landeshauptmann, Hans Niessl (SPÖ) gemeinsam mit Wirtschaftsbund-Bezirksobmann Hannes Mosonyi und FPÖ-Landtagsabgeordneter Karin Stampfel stark. Im Rahmen einer Bürgerpetition wurden im Jahr 2018 knapp 2.500 Unterschriften gesammelt.

Dass es schwierig sein werde, die Kassenstelle zu besetzen, ist von der Burgenländischen Ärztekammer immer wieder betont worden. Kinder- und Jugendheilkunde gelte österreichweit als Mangelfach. Bei der letzten Ausschreibung, die am 9. Jänner geendet hat, gab es keine Bewerbung. Nach Rücksprache mit der Burgenländischen Gebietskrankenkasse will die Ärztekammer die Stelle aber erneut ausschreiben. Das Gleiche gilt für die Kassenstelle für einen Allgemeinmediziner in Gattendorf.

Die Stelle für die Facharztpraxis im Bereich der Dermatologie in Neusiedl am See, für die noch im Sommer eine Nachfolgerin beziehungsweise ein Nachfolger gesucht wurde, wird indessen nicht mehr neu ausgeschrieben. Auch hier gab es einen Bewerber, der sich letztendlich entschied, die Stelle doch nicht anzutreten. „Die Vertragsärztin hat daraufhin angekündigt, ihren Vertrag weiter zu erfüllen, sodass es kein Versorgungsproblem gibt“, beruhigt Bauer.

Fliegender Wechsel in Pamhagen

In der Grenzgemeinde Pamhagen scheint der Generationenwechsel reibungslos über die Bühne zu gehen. Allgemeinmediziner Dr. Ernst Egermann wird seinen Kassenvertrag Ende März zurücklegen und seine Pension antreten. In der Burgenländischen Ärztekammer geht man derzeit davon aus, dass die medizinische Versorgung in Pamhagen nahtlos aufrecht erhalten werden kann. Für Egermanns Nachfolge gibt es eine aufrechte Bewerbung.

Gefragt nach den Gründen, warum Interessenten ihre Bewerbungen immer wieder zurückziehen, weist Thomas Bauer auf den für Ärzte momentan sehr guten Stellenmarkt hin: „Es werden ja nicht nur bei uns Stellen ausgeschrieben, sondern auch in den Nachbarbundesländern. Die Bewerber können sich die Stellen daher fast aussuchen, daraus erklären wir uns den Umstand, dass manche Bewerber ihre Bewerbung wieder zurückziehen, weil sie sich eben mehrfach beworben haben.“