Doch kein neues Hotel für Neusiedl. Keine Einigung zwischen Projektbetreiber Seeblick GmbH und Stadtgemeinde. Ein anderes Projekt am Standort ist nicht geplant.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 19. Februar 2020 (06:04)
„Auf Eis gelegt“. Der Plan der Seeblick GmbH ging nicht auf. Das viergeschossige Hotelgebäude ist sowohl Bürgermeisterin Böhm als auch dem Gestaltungsbeirat für das Welterbe Neusiedler See zu hoch.  Foto: plansprechend
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 Aus dem Hotel am Neusiedler Strand wird nichts. Das Hotelprojekt ist laut Investoren „auf Eis gelegt“. Geplant war am Standort des veralteten Seerestaurants „Da Marco“ ein Hotel mit 63 Zimmern.

Im Gespräch mit der BVZ bestätigte Gerhard Milletich, einer der Investoren, dass das Projekt nun bei der Förderstelle der WiBuG (Wirtschaft Burgenland Gmbh) zurückgezogen worden sei. Man sei mit der Stadtgemeinde nicht zusammengekommen: „Der Bürgermeisterin ist das geplante Hotel zu hoch gewesen. Wir sehen das, was wir geplant haben, als gescheitert an“, zeigt sich Milletich enttäuscht.

„Es gibt genug Projekte, in die wir investieren können. Wir hätten das Hotel in Neusiedl aber gerne gebaut.“Gerhard Milletich

Die Investorengruppe der Seeblick GmbH hätte bereits zwei interessierte Betreiber für das Hotelprojekt gehabt. Bei einer Verkleinerung des Hotels wären diese allerdings nicht an Bord geblieben. „Wir hätten 25 Zimmer verloren, wenn wir es niedriger gebaut hätten. So wäre es nicht möglich gewesen, das Haus wirtschaftlich zu führen“, gibt Milletich zu bedenken. Das habe man auch der Bürgermeisterin kommuniziert.

Bereits im September des Vorjahres präsentierte die Seeblick GmbH mit Gerhard Milletich, Stefan Graf und Gerald Pichler gemeinsam mit Planern und Tourismusberatern ihr Projekt vor dem Gemeinderat (die BVZ berichtete).

Das ehemalige Seerestaurant bleibt am Standort im Neusiedler Strandbereich nun auf unbestimmte Zeit ungenutzt bestehen.  Foto: Birgit Böhm-Ritter
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Ein 4-Sterne Lifestyle Hotel mit 63 Zimmern sowie Spa- und Tagungsinfrastruktur sollte auf dem Standort des derzeitigen Seerestaurants mit nahezu gleichem Grundriss und gleicher Höhe (12 bis 13 Meter) entstehen. Entscheidungen im Gemeinderat betreffend eines Dienstbarkeitsvertrages mit der Seeblick GmbH wurden wiederholt vertagt, wodurch die Projektbetreiber behördliche Fristen nicht einhalten konnten.

Wie geht es am Standort weiter?

Was wird nun aber aus dem Gebäude? „Das Gebäude sieht nichts gleich, aber es wird nun so bleiben, wie es ist, solange sich der Zugang der Gemeinde nicht ändert.“ Mit einem Schwenk der Stadtgemeinde rechnet Milletich allerdings nicht. Die Zustimmung des Gemeinderats ist aber Voraussetzung für das 13 Millionen-Projekt, brauchen die Projektbetreiber dafür doch die notwendige Umwidmung des Grundstücks.

Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) bestätigt auf Nachfrage der BVZ, dass es im Gemeinderat bis dato zu keinem positiven Beschluss mit den jetzigen Eigentümern gekommen sei: Die Forderungen der Projektbetreiber seien sehr hoch, das Entgegenkommen gegenüber der Stadtgemeinde jedoch sehr zurückhaltend.

„Der zuletzt vorgelegte Vertrag wurde mit allen Gemeinderatsparteien besprochen. Alle waren sich einig, dass dieser so nicht abgeschlossen werden kann, da sonst wieder die Gefahr bestünde, dass etwas ganz anderes als vereinbart entsteht.“

Welterbe-Beirat forderte Planänderungen

Darüber hinaus betont die Stadtchefin, dass das vorgestellte Projekt auch bei der Mehrheit der Bevölkerung keine Zustimmung fand. Es sei zu groß und zu gewaltig für diesen sensiblen Bereich direkt am See.

So sieht das auch der Welterbe-Beirat, dem das Projekt Ende Oktober vorgelegt wurde. In einigen Punkten seien Änderungswünsche geäußert worden, erklärte Geschäftsführer Hannes Klein gegenüber der BVZ. Die Architektursprache entspreche in keinster Weise der traditionellen Baukultur um den Neusiedler See. Außerdem sei das Gebäude um ein Geschoss zu hoch.

Bei einer Weiterverfolgung des Hotelprojekts müssten die Pläne überarbeitet und dem Gestaltungsbeirat zum Welterbe Neusiedler See erneut vorgelegt werden.

Gerhard Milletich vermisste unterdessen die Unterstützung seitens der Stadt. „Wäre die Stadtgemeinde hinter unserem Projekt gestanden, wäre einiges möglich gewesen.“ Als positives Beispiel führt Milletich das Hotelprojekt von Erich Scheiblhofer in Andau an. Mit Unterstützung der Gemeinde könne man alles erreichen.

Dass ein neues Seehotel ein enormer Mehrwert für die Stadt und die Region wäre, darüber ist sich Bürgermeisterin Elisabeth Böhm freilich bewusst. „Daher werde ich immer für Gespräche bereit sein. Jedoch muss es für die Stadtgemeinde sowohl wirtschaftlich als auch baulich passen.“