Großer Umbau für Neusiedler Tageswerkstätte

Um einer Schließung zu entgehen, wird das alte Gebäude von Grund auf renoviert.

Erstellt am 23. August 2020 | 05:03
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7911539_nsd34bir_umbau_behinderten_tageswerksta.jpg
Die Klienten des Behinderten-Förderungsvereines - hier mit Geschäftsführer Christian Lidy-Kreiler (l.) - werden bereits auf die künftigen Veränderungen vorbereitet.
Foto: Birgit Böhm-Ritter

Eigentlich sollte am 5. September ein großes Fest stattfinden. Bereits zum 40. Mal hat der Behinderten-Förderungsverein Neusiedl am See sein Sommerfest mit großem Basar geplant. Zum zweiten Mal mit neuem Eventkonzept im Weinwerk Burgenland. Corona hat den Veranstaltern nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Anfang August entschloss sich der Verein, kein Risiko einzugehen und das Fest heuer bleiben zu lassen. Zum ersten Mal seit 1981.

Den Verein trifft die Absage gerade dieses Jahr besonders hart. Die Veranstaltung ist eine der wenigen Plattformen für den Verkauf der eigenen Produkte, die in den Tageswerkstätten von den Klienten angefertigt werden. Das eingenommene Geld hätte man für die Adaptierung eines Ausweichquartiers im Topos-Haus in der Oberen Hauptstraße gut gebrauchen können. Dieses soll Ende September bezogen werden, denn ein groß angelegter Umbau der Tageswerkstätte in der Mexikosiedlung steht an. „Seit Jahren schwebt eine Schließung der Tageswerkstätte wie ein Damoklesschwert über dem Verein, weil das Gebäude nicht mehr den heutigen baulichen Anforderungen entspricht“, sagt Geschäftsführer Christian Lidy-Kreiler.

Verwinkelte Gänge und kleine Räume adé

Läuft alles wie geplant, soll im Oktober mit dem Umbau des alten Gebäudes begonnen werden. Das ehemalige Wohnhaus wurde in den 1980er Jahren angekauft und 1985 für die Zwecke einer Tageswerkstätte umgebaut. Seit damals wurden zwar immer wieder kleinere Adaptierungen und Sanierungen gemacht, größere Veränderungen und Renovierungen blieben allerdings aus.

Nun soll das Haus von Grund auf erneuert werden. „Das Gebäude wird komplett ausgehöhlt. Nur die Außenhülle bleibt bestehen“, erklärt Lidy-Kreiler. Verwinkelte Gänge, kleine Räume und ungenutzte Quadratmeter sollen der Vergangenheit angehören. Die Nutzfläche wird sich auf rund 1.230 Quadratmeter fast verdoppeln. Das ergibt sich unter anderem, weil aus dem bis dato ausgebauten Dachgeschoss ein vollwertiges Stockwerk entsteht und der Eingangsbereich zu einem großen Foyer umgestaltet wird, in dem die Möglichkeit für künftige Ausstellungen geschaffen wird. „Momentan haben wir gar keine Chance, unsere selbst gefertigten Produkte zu präsentieren, das wird dann möglich sein“, freut sich Lidy-Kreiler bereits auf die neuen Möglichkeiten, zu denen durch ein größeres Raumangebot auch ein vielfältigeres Therapieangebot zählen wird.

Die Planungsarbeiten von Architekt Andi Lang sind bereits abgeschlossen, Kostenvoranschläge eingeholt. „Wir sind startklar“, sagt der Geschäftsführer.

Nun ist allerdings noch die Politik gefordert. Einer im Dezember abgegebenen Bewerbung um die Fördermittel muss die Burgenländische Landesregierung noch zustimmen. Aus den Töpfen des Landes und der Europäischen Union soll das Projekt, dessen Kosten bei zwei Millionen liegen werden, zu hundert Prozent gefördert werden. Der Verein ist guter Dinge, dass die Zustimmung kommt. Nun heißt es aber abwarten und 36 Klienten auf den Umzug in das Ausweichquartier vorbereiten. „Für einige wird das bestimmt nicht einfach. Viele Klienten sind Gewohnheitsmenschen, Veränderungen sind da heikel. Bei einer Autistin machen wir uns große Sorgen. Der Umzug muss gut vorbereitet werden“, beschreibt Lidy-Kreiler die kommenden Herausforderungen für Klienten und Mitarbeiter des Behinderten-Förderungsvereines.

Unterdessen wird gerade auf der Facebook-Seite (www.facebook.com/pg/BFV.ND/shop/ ) des Vereins ein Online-Shop eingerichtet. Dort sollen die Produkte der Klienten nun zum Verkauf angeboten werden.