Im Spannungsfeld Naturschutz

Die Naturschutzorganisation WWF Österreich beging den Weltzugvogeltag mit einer Kritik an den Seewinkler Bauern.

Klaus Zwinger
Klaus Zwinger Erstellt am 14. Oktober 2021 | 03:58
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Vögel wie der Alpenstrandläufer legen tausende Kilometer zurück und sind auf die Seewinkellacken angewiesen, um auf ihrem weiten Weg Rast einzulegen.
Foto: Hui Sim/WWF

Der WWF sieht den Seewinkel, Österreichs wichtigstes Rastgebiet für weitstreckenziehende Wasser- und Watvögel wie etwa den Alpenstrandläufer, in Gefahr. Die anhaltende Trockenlegung der heimischen Feuchtgebiete gefährde wichtige Zugvögel-Raststätten, denn „neben der Erderhitzung ist auch der Anbau wasserbedürftiger Kulturpflanzen ein Grund für die zunehmende Trockenheit“, so WWF-Biologe Bernhard Kohler. Der WWF Österreich fordert deshalb, die Grundwasserbewirtschaftung im Seewinkel auf völlig neue Grundlagen zu stellen.

„Die Ableitung von Grundwasser muss so weit wie möglich reduziert werden. Außerdem müssen Grundwasserentnahmen durch die Landwirtschaft auf das absolut Notwendigste beschränkt und streng kontrolliert werden“, so Kohler weiter. Anstatt wasserbedürftiger Kulturpflanzen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben sollte die Landwirtschaft künftig auf trockenheitsangepasste Kulturen setzen. In der Burgenländischen Landwirtschaftskammer (LK) sieht man den Sachverhalt freilich anders. Werner Falb-Meixner, LK-Vizepräsident, sieht mit Eingriffen wie diesen die Einkommen der Landwirte bedroht. „Ohne Wasser kann nun einmal nichts wachsen.“ Eine Umstellung zu weniger wasserintensiven Kulturen sehe er skeptisch. Als Beispiel dazu meint er etwa: „Das ist so, wie einem normalen Staatsbürger zu sagen, dass er auf einen Teil seines Einkommens verzichten soll, weil das besser für die CO2-Bilanz ist.“

Nationalparkdirektor: sucht Konsens mit Landwirten

Johannes Ehrenfeldner, Direktor der Nationalparkgesellschaft Neusiedler See - Seewinkel, hingegen steht hinter dem WWF. Mit seinem Statement will er aber nicht „auf die Landwirtschaft hinhauen“, sondern viel eher die gemeinsame Zusammenarbeit suchen. Seiner Ansicht nach sollen die Grundwasserentnahmen rund um die zentralen Seewinkellacken auf das Allernotwendigste beschränkt werden. Außerdem sollten gemeinsam mit der Landwirtschaft Überlegungen angestellt werden, wie und mit welchen Kulturen man weniger Grundwasser verbrauchen und gleichzeitig ähnlich viel Einkommen generieren könnte.

Im Hinblick darauf glaubt er an einen Konsens mit der Landwirtschaftskammer: „Es gibt nämlich auch dort Leute, die weiter denken“. Positiv wird von beiden Seiten jedenfalls die Idee der Wasserzuleitung aus der Mosoni-Donau ins heimische Grundwasser (siehe Artikel Seite 4) gesehen, um sowohl dem Neusiedler See als auch den Salzlacken Erholung zu verschaffen.