Rübenernte: Bauern unter Druck. Die Zuckermarktordnung in Europa ist zu Ende. Landwirte sind nervös, weil Nachbarländer Anbauflächen vergrößern.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 01. Oktober 2017 (13:59)
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Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Seit etwas mehr als zwei Wochen ist die Zuckerrübenernte im Gange. Durch den fehlenden Niederschlag verzögerte sich der Erntestart gegenüber durchschnittlicher Jahre um eine Woche. Die Ernteprognose lässt nichts Gutes erhoffen.

„Die burgenländischen Rübenbauern rechnen heuer mit einem unterdurchschnittlichen Rüben- und Zuckerertrag“ sagt der Präsident des Burgenländischen Rübenbauernbundes, Markus Fröch.

„Überproduktion von Zucker führt zu Preisverfall bei Rüben“

Im Seewinkel sieht die Lage etwas besser aus. „Allerdings nur, weil fast alle Bauern im Sommer bewässern“, erklärt der Tadtener Rübenbauer Helmut Meszaros. Dadurch sei ein nahezu durchschnittlicher Ertrag möglich. „Das Bewässern kostet aber 300 bis 400 Euro pro Hektar. Unterm Strich bleibt bei Bauern, die nicht bewässern und einen geringeren Ertrag haben vielleicht am Ende gar nicht weniger in der Kassa“, gibt Meszaros zu bedenken.

Nervös zeigen sich die Rübenbauern auch aufgrund einer Neuregelung: „Ab 1. Oktober ist die Zuckermarktordnung in Europa Geschichte, jedes Mitgliedsland kann unbegrenzt viel Zucker produzieren“, erklärt Fröch. Obwohl die Preise nicht kostendeckend seien, sei die Zuckerrübenfläche in der EU unverständlicherweise 2017 um 16 Prozent ausgeweitet worden. Österreich habe als einziges Land den Anbau um etwa zwei Prozent reduziert.

„Einerseits glauben manche große Zuckerrübenanbaugebiete „koste es, was es wolle“ Marktanteile gewinnen zu müssen, andererseits gibt es in vielen europäischen Ländern gekoppelte Ausgleichszahlungen für Zuckerrüben, die zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit verzerren. Diese Überproduktion von Zucker führt zu einem Preisverfall bei Rüben“, zeigt sich Fröch besorgt. Mit diesen Preisen würden burgenländische Betriebe ihre Produktionskosten im Rübenbau nicht mehr decken können. Sie seien gezwungen andere Kulturen anzubauen oder ihre Bewirtschaftung auf BIO umzustellen.