Starke Hauptsaison in den Neusiedler Seebädern. Trotz Hygienevorschriften und Abstand halten: Die Strände des Neusiedler Sees waren im Corona-Sommer überdurchschnittlich gut besucht.

Von Birgit Böhm-Ritter, Paul Haider und Saskia Jahn. Erstellt am 12. September 2020 (06:08)
130.000 Besucher zählte man in Podersdorf seit Anfang Juni im Seebad. An Spitzentagen besuchten bis zu 7500 Gäste den größten Strand am Neusiedler See.
Steve Haider

Die Badesaison hat dieses Jahr unter ungünstigen Vorzeichen begonnen, ist aber überraschend gut gelaufen. In den Strandbädern rund um den Neusiedler See, aber auch im Aqua Splash Freibad der Gemeinde Gols haben die Besucherzahlen die Erwartungen übertroffen. Mancherorts gab es sogar Spitzentage , die an die Rekordjahre um 2000 erinnerten.

So etwa in Podersdorf, wo man am zweiten Augustsonntag insgesamt gleich 7500 Badegäste zählte. Das war der Spitzenwert in diesem Sommer. „Wobei sich maximal 4900 Leute gleichzeitig in der Anlage befanden“, beeilt sich Tourismus-Geschäftsführer Rene Lentsch im Interview, zu sagen.

In einem Corona-Jahr eine wichtige Information, denn es hieß und heißt nach wie vor „Abstand halten“. Im weitläufigen Podersdorfer Strandbad ist das allerdings kein Problem. 13.000 Personen dürften laut Corona-Bestimmungen in das 130.000 Quadratmeter große Areal. „Die Weitläufigkeit des Seebads und die vielen Eingänge, durch die Staus beim Eintritt vermieden werden, sind heuer unser größtes Plus“, sagt Lentsch.

Die Herausforderungen dieses Sommers seien jedenfalls anders gelagert gewesen als in den Saisonen davor. Galt es seit jeher gutes Marketing zu machen, damit viele Gäste kommen, so stellte man sich in Podersdorf heuer die Frage, wie man handeln muss, dass sich die Besucher sicher fühlen. Zahlreiche Hinweisschilder erinnern deshalb im Strandbereich an Hygienevorschriften und an das Abstand halten.

„Manche Badegäste haben sich sehr genau daran gehalten, andere wiederum gar nicht“, schildert Lentsch. Deshalb habe man sich auch entschieden, an den Wochenenden Mitarbeiter eines Security-Dienstes ins Strandbad zu holen, die die Gäste immer wieder auf die Abstandsregeln aufmerksam gemacht hatten.

Vor allem Tagesgäste aus der Umgebung und dem Großraum Wien nutzten die schönen Sommertage, um sich am Steppensee zu erholen. In Neusiedl am See hofft man – mit ein paar sommerlichen Herbsttagen –, das beste Ergebnis der vergangenen zehn Jahre einzufahren. Bis dato zählte die Freizeitbetriebe GmbH 84.000 Eintritte in das Strandbad seit der – verspäteten – Öffnung am 29. Mai. Nur im Jahr 2015 weist die Statistik momentan noch um eine Spur mehr Besucher auf. Vor allem im August sei das Strandbad dieses Jahr sehr gut frequentiert gewesen.

Wie in Podersdorf und Neusiedl verzeichnete man auch in Illmitz eine „überdurchschnittlich starke Hauptsaison“ im örtlichen Seebad: „Wir sind mit den Einnahmen sehr zufrieden, man kann von einem Rekordbesuchsjahr sprechen! Es gab Wochenenden, die wir in der Form seit 20 Jahren nicht erlebt haben“, berichtete der Illmitzer Bürgermeister Alois Wegleitner gegenüber der BVZ .

Der durch die Reisebeschränkungen gestärkte Inlandstourismus sei auch in Illmitz deutlich spürbar gewesen: „Wie in vielen Tourismusgemeinden hat sich auch bei uns bewahrheitet, dass die Situation neue Chancen gebracht hat. Wir hatten viele Gäste aus dem Westen, besonders Oberösterreich ist hervorzuheben“, erzählt Bürgermeister Wegleitner.

Das derzeit angenehm warme Spätsommer-Wetter dürfte noch für einige Wochen viele Gäste nach Illmitz locken, wie der Ortschef hofft: „Besonders für Pensionisten ist der September ein guter Monat zum Urlauben. Wenn der September so gut läuft wie die letzten Jahre, dann sind wir sehr zufrieden.“

Auch im Weidener Strandbad war vor allem an den Wochenenden viel los. Insgesamt verzeichnete man bis dato rund 55.000 Besucher, um über 13.000 mehr als im Vorjahr. Der Neusiedler See avancierte heuer wieder zum „Meer der Wiener“. Besonders viele Gäste seien aus der Bundeshauptstadt gekommen, glaubt Martina Schlegel vom Weidener Tourismusbüro.

In die gleiche Kerbe schlägt Hannes Steurer, Bürgermeister aus Jois, wo es das kleinste Seebad des Bezirks gibt: „Man konnte sehr wohl beobachten, dass heuer weit mehr Menschen das Seebad Jois besuchten als in den vergangenen Jahren, sowohl Einheimische also auch Touristen. Da dieses Jahr der Urlaub am Meer teilweise nicht möglich war, zog es viele an die heimischen Gewässer, und eben auch verstärkt an den Neusiedler See.“