Lese im Bezirk Neusiedl: Was man vom 21er erwarten darf

Fruchtbetont mit schöner Säure und etwas weniger Ertrag: So lässt sich der heurige Traubenjahrgang zusammenfassen.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 16. September 2021 | 05:17

Die ersten Trauben im Bezirk sind bereits geerntet. Mit der Hauptlese wird in den meisten Weingütern in den kommenden Tagen begonnen. Die BVZ hat sich bei Winzern im Bezirk umgehört und nachgefragt, was vom heurigen Traubenmaterial erwartet werden darf.

Der Neusiedler Weinbauer Thomas Haider spricht von einer „sensationellen Traubenqualität“, die aber – betrachtet man den Witterungsverlauf – lange Zeit nicht absehbar war. „Im August war ich schon fast deprimiert“, erzählt er, „es war relativ nass, weniger Sonne und die Nächte waren ungewöhnlich kühl.“

„Die Sonnenstrahlen sind Gold wert. Wie bei einer Photovoltaikanlage dann der Strom rennt, so rennt bei den Trauben der Zuckergehalt.“ Thomas Haider

Was die Trauben im August an Sonnenstrahlen zu wenig abbekommen haben, dürfen sie sich allerdings nun im September abholen. Mit jedem sonnigen Septembertag wird auch der Neusiedler Winzer entspannter, denn: „Die Sonnenstrahlen sind Gold wert. Wie bei einer Photovoltaikanlage dann der Strom rennt, so rennt bei den Trauben der Zuckergehalt“, schmunzelt Haider. Noch sind die Säurewerte aber hoch und deshalb startet er mit der Lese erst kommenden Montag und gibt seinen Trauben damit Zeit, noch Sonne zu tanken. Insgesamt rund ein Monat braucht Haider, bis alle seine Sorten von Sauvignon Blanc, Traminer, Muskateller, Rosé bis Grüner Veltliner geerntet sind. Durch den etwas späteren Lesestart wird er heuer erst Mitte Oktober die Weinernte abschließen. Und was wird uns der 21er Jahrgang dann geschmacklich bringen? Haider ist bereits voller Vorfreude und spricht von einem fruchtbetonten Jahrgang mit mehr Säure, sowohl in Weiß als auch in Rot. Für die fruchtigen Weine sind wiederum die kühlen Augustnächte verantwortlich. Gepaart mit den herbstlichen Sonnenstrahlen werden sie für einen exzellenten Jahrgang mitverantwortlich sein.

Kleinere Trauben, geringerer Ertrag

Auch für den Golser Winzer Gerald Allacher startet die Weinlese mit dem dieswöchigen Dienstag vergleichsweise spät, dabei greift man in Gols traditionell ein wenig früher zur Weingartenschere. Grund dafür war sein Ausstellen auf der Dornbirner Herbstmesse, es bleibt also immerhin alles beim Wein. Der Golser Weinbauer sieht heuer ein besonders gutes Jahr für seinen Chardonnay und des Weiteren auch allgemein für seine roten Sorten wie St. Laurent, Zweigelt, Blaufränkisch, Blauburgunder, Merlot und Syrah kommen.

Interessant dürfte es auch für die spätreifen Sorten wie etwa Cabernet Sauvignon werden. Während die hierzulande vielen trockenen Tage im heurigen Sommer zwar Probleme mit dem Befall von Pflanzenkrankheiten wie etwa Mehltau beinahe irrelevant gemacht haben, leiden die Weingärten, die sich auf Schotterböden befinden, wiederum extrem. Hier sind die Trauben im Vergleich zu den Vorjahren durch die geringe Niederschlagsmenge vergleichsweise klein geblieben und das schlägt sich natürlich auch in der Ertragsmenge nieder. Allacher rechnet im heurigen Jahr mit etwa 70 bis 75 Prozent seines Jahresdurchschnitts - die Hoffnung bleibt, dass die Qualität die Defizite der Quantität wettmachen kann.

Einen Sonderweg unter den Weinbauern hat der Mönchhofer Michael Hötsch eingeschlagen. Er produziert unter dem Namen „tschuus“ veganen Traubensaft aus selektierten Rebsorten. „Wir achten darauf, nur gesunde und schön ausgereifte Trauben zu verarbeiten, das bedeutet, dass nur zirka zwei Drittel der Trauben in die Flasche kommen. Der Rest geht zurück in den Boden und kommt mit seinen Nährstoffen dem nächsten Jahrgang zu Gute“, erklärt Hötsch im Gespräch mit der BVZ.

Durch die späte Blüte dieses Jahr habe sich auch der Erntezeitpunkt nach hinten verschoben: Anfang September wurde mit der Traubensaft-Lese begonnen. „Der Ertrag war um 25 bis 30 Prozent geringer als normal, wobei das dem Geschmack zugutekommt“, resümiert der junge Produzent, welcher auch als Architekt in Wien tätig ist.

Das Jahr 2021 stand bei „tschuus“ wohl ganz im Zeichen der Säure. „Heuer war es uns wichtig, mehr Säure im Geschmack zu haben, hier hat uns auch das Wetter sehr geholfen. Ich wollte dieses Jahr außerdem etwas Neues ausprobieren, dabei ist unsere Sonderfüllung vom Chardonnay entstanden.“ Die Special Edition (limitiert auf 1000 Flaschen) heißt “Korea süß-sauer“ und der Geschmack wird bestimmt durch Säure und Fruchtigkeit, mit einer angenehmen und nicht aufdringlichen Süße.

Der größte Unterschied zwischen der Wein- und Traubensaftproduktion liege in der Verarbeitungszeit. „Für uns ist das Wichtigste, den frischgepressten Geschmack in die Flasche zu bringen. Hierbei ist die Zeit zwischen Lese und Füllen entscheidend. Wir haben heuer beispielsweise um 7 Uhr mit der Lese begonnen und um 22 Uhr alles fix fertig in den etikettierten Flaschen gehabt“, berichtet Hötsch aus der Praxis.