Mehr Therapien im Dialyse-Zentrum in Frauenkirchen. Die Nachfrage nach Behandlungsplätzen ist hoch. Die Suche nach medizinischem Personal gestaltete sich schwierig.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 01. Februar 2020 (03:45)
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Das Dialysezentrum Frauenkirchen bietet zwölf Behandlungsplätze. Durch eine zusätzliche dritte Behandlungsschicht sollen mehr Therapien durchgeführt werden können.
Birgit Böhm-Ritter

Die Diagnose Nierenversagen verändert den Alltag eines Menschen von Grund auf. Oftmals liegt dessen einzige Überlebenschance in vier- bis fünfstündigen Dialysebehandlungen, die drei Mal in der Woche wiederholt werden müssen. Berufsleben, Alltag und Privatleben werden dadurch immens beeinträchtigt. Je näher am Wohnort die Therapien durchgeführt werden können, desto einfacher ist es für Patienten, diesen Einschnitt in ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Seit knapp fünf Jahren profitieren Patienten aus der Region von einem Dialysezentrum in Frauenkirchen. Nun sollen die Behandlungsmöglichkeiten dort schrittweise erweitert werden. Die Anzahl der Patienten ist im Steigen. „Die Menschen werden älter und erleben somit auch mehr Krankheiten“, erklärt Gernot Paul, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie sowie ärztlicher Leiter im OptimaMed Dialysezentrum in Frauenkirchen.

Mangel an Fachpersonal

Wie hoch die Nachfrage nach Behandlungsplätzen hier ist, zeigt der Umstand, dass die Station unmittelbar nach ihrer Eröffnung 2015 bereits ausgebucht war. Schon zwei Jahre später wurden die Behandlungsplätze von zehn auf zwölf aufgestockt. Somit konnten in zwei Schichten wöchentlich 72 Behandlungen durchgeführt werden. Nicht genug. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Patienten, die unmittelbar in der Nähe des Dialysezentrums wohnen, müssen heute für ihre Behandlungen ins Krankenhaus Eisenstadt pendeln.

Erst kürzlich warnte die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) vor einem akuten Mangel an Dialyseplätzen im Burgenland. Auch im Spital in Eisenstadt gebe es mehr Patienten als Behandlungskapazitäten. Einige Betroffene müssten deshalb zu außerordentlichen Behandlungszeiten mitten in der Nacht zur ambulanten Dialyse kommen, hieß es in einer Aussendung.

Die angespannte Situation im Burgenland ist seit Längerem bekannt. Deshalb bemühte sich Frauenkirchens ärztlicher Leiter auch seit Jahren, die Behandlungsmöglichkeiten vor Ort zu erweitern. „Die maschinellen Ressourcen sind ja vorhanden“, betont Gernot Paul im BVZ-Gespräch. Gemangelt hatte es bis dato an fachärztlichem Personal. „Wir machen hier etwas sehr Spezielles. Die Durchführung einer Dialyse erfordert besonderes Wissen und Erfahrung, also ein speziell trainiertes und geschultes Personal in einem seltenen Fach“, betont Paul. In Österreich gebe es lediglich 338 (Stand 31.12.2018 ÖÄK) Nephrologen, verdeutlicht er die Schwierigkeiten bei der Facharzt-Suche mit dieser Zahl.

„Wir machen hier etwas sehr Spezielles. Die Durchführung einer Dialyse erfordert besonderes Wissen und Erfahrung.“ Dr. Gernot Paul

Eine Lösung ist nun aber in Sicht. Mit einem größeren Ärzteteam kann eine dritte Behandlungsschicht betreut werden. Auch weitere Pflegepersonen werden aufgenommen. Schritt für Schritt sollen die Behandlungskapazitäten ab 1. April um 36 Dialysen erhöht werden.

„Somit werden wir die vierte Schicht aus Eisenstadt übernehmen können“, glaubt Paul.