Steinwolle: Einackern im rechtlichen Graubereich. Der Gebrauch der Mineralfaser ist in Glashäusern üblich. Das Ausbringen nach Gebrauch auf die Felder ist umstritten.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 03. Februar 2017 (05:00)
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Paradeiser in Glashäusern werden ohne Erde gezogen. Die Wurzeln der Pflanzen verankern sich stattdessen in Steinwollmatten.
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Seit der Gemüse-Großhändler Werner Perlinger bekannt gegeben hat, dass er sein großes Glashaus in Frauenkirchen nicht verwirklichen wird, ist es in der Glashaus-Diskussion ruhiger geworden.

Immer noch für Debatten sorgt allerdings die Steinwolle, die in Glashäusern als Ersatz für Erde gebraucht wird. Nicht die Verwendung an sich regt die Gemüter in den Gemüsegemeinden auf, sondern deren Entsorgung. In den vergangenen Jahren war es oftmals üblich, dass zerkleinerte Steinwolle auf den Äckern ausgebracht und eingeackert wurde.

Die ersten Hinweise gingen bei der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Frauenkirchen“ ein, die von „illegalen Ablagerungen“ in Wallern sprach. Die BVZ-Redaktion wiederum wurde informiert, dass auch in Pamhagen Steinwolle eingeackert werden soll.

Hautzinger: „Kein allgemeines Verbot“

Das Einackern des gebrauchten Substrats dürfte in einem rechtlichen Graubereich liegen. Die BVZ hat nachgefragt. „Es gibt kein allgemeines Verbot“, ist sich der Präsident der Landwirtschaftskammer Franz Stefan Hautzinger sicher.

„Es steht in keinem Gesetz geschrieben, dass das Ausbringen von Kultursubstrat auf konventionell bearbeiteten Ackerflächen verboten ist. Nicht erlaubt ist es auf Bio-Flächen“, erklärt der Halbturner Landwirt.

Steinwolle sei ein natürliches Produkt, das aus Dolomit oder Basalt hergestellt werde. Mit den Pflanzenrückständen, die nach Gebrauch des Steinwollsubstrats zurückbleiben, werde dem Steinwollgebinde gar eine bodenverbessernde Wirkung zugesprochen.

Auf die Frage, ob nicht Restbestände von Düngemittel im Substrat zurückbleiben, verweist Hautzinger auf die hohe Präzision, mit der in Glashäusern gearbeitet wird. „Den Pflanzen wird genau die Menge an Nährstoffen zugefügt, die sie brauchen. Es bleibt kaum Düngemittel in den Steinwollmatten zurück.“

Reizungen von Augen und Atemwegen

Auch Bezirkshauptfrau Birgit Lentsch bestätigt, dass es „kein generelles Verbot in Form einer gesetzlichen Regelung gibt.“ Trotzdem wurde von der Bezirkshauptmannschaft ein Verfahren nach dem Abfallwirtschaftsgesetz 2002 eingeleitet. „Es wurden zum gegenständlichen Sachverhalt Untersuchungen und Gutachten in Auftrag gegeben, welche bis dato noch nicht abschließend vorliegen“, sagt Lentsch.

Das Aufbringen von Steinwolle auf landwirtschaftlichen Flächen ist umstritten. In Wien ist die Ablagerung laut Abfallwirtschaftsgesetz verboten. In einer Studie, die 2012 von der Stadt Wien in Auftrag gegeben wurde, ist von einer möglichen Reizung der Augen- und Atemwege die Rede, wenn es zu einer höheren Faserfreisetzung kommt.

Das ist auch der Grund, warum es in Wien zu einem Verbot gekommen ist. „Die Anrainer fühlten sich vom Staub belästigt“, weiß auch Franz Stefan Hautzinger und betont, dass es in der Herstellung von Steinwolle aber Fortschritte gäbe. „Das Material wurde weiterentwickelt, damit es beim Zerkleinern nicht mehr zu so feinem Staub kommt.“

Ziegeln statt Ausbringen auf die Felder

Es gibt allerdings auch andere Möglichkeiten, um Steinwolle zu entsorgen, wie internationale Beispiele zeigen. In den Niederlanden etwa, dem Land der größten Glashäuser, werden gebrauchte Steinwollmatten gesammelt, gereinigt und geschreddert und in der Ziegelherstellung weiterverarbeitet.