Baustruktur am Neusiedler See: Initiative fordert Regelung. „Initiative Welterbe Neusiedler See“ sprach bei Informationsveranstaltung über die Zukunft des Seemanagements und der architektonischen Traditionen.

Von Daniel Gottfried. Erstellt am 12. Mai 2022 (04:35)
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Die jährliche Informationsveranstaltung des Vereins „Initiative Weltkulturerbe Fertö - Neusiedler See“ befasste sich mit dem Seemanagement und dem Verlust der traditionellen Orstkerne.
zVg/Thomas Knoll

Der Verein „Initiative Welterbe Fertö – Neusiedler See“ wird von Umweltschutzinitiativen immer wieder als „zu lasch“ kritisiert.

Vergangenen Donnerstag lud die Initative zu einer Informationsveranstaltung ins Weinwerk Neusiedl, wo sie die Besonderheit der Natur- und Kulturlandschaft des Neusiedler Sees hervorhob und gleichzeitig die Bedeutung des Schutzes der verschiedenen Säulen, die das Welterbe ausmachen betonte.

Eines der Themen war der Wasserstand aller Gewässer in der Region. Vorstandsmitglied des IWE Thomas Knoll machte in seinem Vortrag über den Neusiedler See noch einmal die dramatische Lage deutlich.

Der See führe aktuell seinen niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1965, obwohl dieser im Frühjahr normalerweise seinen jährlichen Höchststand erreiche.

Kontroverse Wasserzuführung

Das Thema der Dotation, also Wasserzuführung, steht deshalb schon lange im Raum. Die Speisung des Sees durch die ungarische Moson-Donau sowie andere Zuflüsse erntete bereits Kritik vom Verein „Alliance for Nature“ (die BVZ berichtete) und vor kurzem auch vom WWF.

Der IWE sieht die gesamte Landschaft aber als eine seit Jahrtausenden schon von Menschen bearbeitete und beeinflusste Kulturlandschaft und nicht als Wildniszone, die man sich selbst überlassen könne. Dadurch legitimiert der Verein die Notwendigkeit naturschutzfachlicher Pflege sowie des naturschutzfachlichen Managements. Weiters müsse die Option einer Dotation im Notfall zur Verfügung stehen.

Fachliche, zeitgemäße und geeignete Konzepte

Abseits der Wasserzufuhr steht der Verein ebenfalls auf Linie der Landesregierung. Schlammabsaugung müsse eine Standardpflegemaßnahme für Kanäle und Buchten werden. Diese ist zwar finanziell und organisatorisch komplex, aber technisch durchführbar.

Außerdem sieht man in der traditionellen Schilfbewirtschaftung eine Förderung der Biodiversität. Thomas Knoll spricht sich für „fachliche, zeitgemäße und geeignete Konzepte, die internationalen Verpflichtungen entsprechen“ aus und betont auch die Dringlichkeit, aquatischen Lebensraum zu retten.

Ebenso einen „Outstanding Universal Value“, also einen herausragenden, universellen Wert, haben die regional üblichen Ortskerne sowie die Architektur. Diese sind ebenfalls essenziell für das Prädikat „Welterbe“.

Sowohl die Siedlungsmuster als auch die Verwendung von traditionellem Baumaterial wie Kalkstein oder Schilf prägen die internationale Einzigartigkeit. Thomas Knoll fasst hier das Problem zusammen, indem er erklärt: „Zum Schutz der historischen Ortskerne und der Streckhöfe fehlt im Burgenland eine gesetzliche Regelung zum Ensembleschutz. Anders als in Wien oder Niederösterreich ist dieses historische Erbe zu weiten Teilen ungeschützt und geht laufend verloren.“