Tote Stare im Netz: Freispruch

Erstellt am 24. März 2022 | 05:17
Lesezeit: 3 Min
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Der Experte des Landes empfiehlt, die Rebreihen einzeln einzunetzen. Im Winter werden die Schutznetze hochgebunden. 
Foto: Foto: Kirchmeir
Richterin: „Von unnötigen Qualen kann nicht die Rede sein.“
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Viel hatte man bei dem Prozess gegen einen Winzer wegen angeblicher Tierquälerei über Weingärten, Stareabwehr und Schutznetze lernen können. Am Schluss stand die Erkenntnis: „Es ist schwierig, Weinbauer zu sein und seine Ernte zu schützen“, wie Richterin Birgit Falb es formulierte.

Im Oktober 2020 hatte eine Frau, die in ihrer Freizeit Vögel beobachtet, zwei tote Stare in einem Weingarten entdeckt, die sich in einem Schutznetz verfangen hatten. Die Vögel waren tot. Die Frau fertigte Fotos an und erstattete Anzeige. Im November 2021 wurde ein 50-jähriger Winzer als Angeklagter zu dem Vorfall vor Gericht befragt. Er betrachtete die vorgelegten Fotos und stellte fest, dass die Aufnahmen nicht von seinem Weingarten stammten.

„Die Stare setzen sich hin und picken die Trauben durch die Lücken des Netzes.“

Die Vogelschützerin wurde aufgefordert, ihre Vorwürfe zu präzisieren. Sie stellte fest, dass sie die Fotos verwechselt hatte und legte andere Fotos vor, die dem Weingarten des angeklagten Winzers zugeordnet werden konnten.
Vorige Woche wurde der Prozess fortgesetzt. Befragt wurde ein Zoologe und Vogelkundler, der für das Land Burgenland tätig ist. Früher habe es in den Weingärten Schussapparate und Flugzeuge zur Abwehr der Stare gegeben, jetzt werde „mehr und mehr genetzt“, sagte der Zoologe. Seine Empfehlung laute, die Rebreihen einzeln einzunetzen.
„Die Winzer sind keine Freunde des einzelnen Einnetzens“, informierte die Richterin. „Die Stare setzen sich hin und picken die Trauben durch die Lücken des Netzes.“

„Es wird laufend angezeigt, wir bekommen Schreiben von Touristen.“

Stattdessen werde das Netz über mehrere Rebreihen gezogen. „Da kommt es zu Fällen, wo Tiere hineinklettern“, erklärte der Zoologe. Zoologe: „Das ist qualvoll und wird laufend angezeigt“ Vögel würden in schlaffen Netzteilen hängen bleiben und schreien oder ersticken. „Das ist qualvoll“, sagte der Zoologe. „Es wird laufend angezeigt, wir bekommen Schreiben von Touristen.“ „Wenn wir das Netz auflegen, ist es gespannt“, gab der angeklagte Winzer an. Bei Stürmen könne es sich aber wieder lockern.

Der Winzer habe das Netz nicht fachgerecht und gemäß der Starenetzverordnung angebracht, hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. Verteidigerin Maria Münzenrieder beantragte einen Freispruch: „Zwei Stare auf 30 Hektar: Wenn das Netz da nicht in geeigneter Weise angebracht wurde, dann weiß ich nicht!“

Richterin Birgit Falb sprach den Winzer vom Vorwurf der Tierquälerei frei. „Von unnötigen Qualen kann nicht die Rede sein“, sagte sie. Der Winzer habe versucht, Ernte und Tiere zu schützen.

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