Parndorf: Bäume sollen für Ziesel weichen. Das Ziesel-Schutzgebiet in Parndorf wird erweitert, ein kleiner Robinienwald soll dafür gerodet werden.

Von Paul Haider. Erstellt am 05. September 2018 (06:21)
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Gefährdete Art. Die nach Schätzungen rund 200 Ziesel auf der Parndorfer Hutweide sollen einen größeren Lebensraum bekommen.
E. Schmelzer

Sie sind etwa 20 Zentimeter groß, pelzig, süß, und vom Aussterben bedroht: Die europäischen Ziesel.

Auf der Parndorfer Heide tummeln sich Schätzungen zufolge noch rund 200 der kleinen Nagetiere. Seit 2007 ist der Lebensraum der Parndorfer Zieselkolonie als Natura-2000 Schutzgebiet ausgewiesen.

Dieses soll nun erweitert werden. Aber nicht alle in Parndorf haben ihre Freude damit. Denn zugunsten der Ziesel soll ein Waldstück, das direkt an das Naturschutzgebiet angrenzt, gerodet werden.

Naturschutzabteilung: Rodung ist bereits fix

Auf Anfrage der BVZ bestätigt Andreas Ranner von der Naturschutzabteilung des Landes Burgenland die Pläne für das Zieselschutzgebiet: „Die BELIG (Beteiligungs- und Liegenschafts GmbH, Anm.) hat als Grundeigentümerin um Rodung der Waldfläche angesucht. Es ist vorgesehen, dass noch heuer der Robinien-Bestand entfernt wird. Der nächste Schritt wird ein Management der Fläche sein, um sie für die Ziesel attraktiv zu machen.“

Zum Lebensraum der Ziesel führt Andreas Ranner aus: „Das Ziesel lebt auf steppenartigen, offenen Räumen und meidet Baumbestände, die Unterschlupf für Fressfeinde bieten. Der Gehölzbestand stellt zudem eine Barriere dar und verhindert eine Ausbreitung und Vernetzung der Kolonien.“

Zur Erweiterung des Zieselschutzgebietes möchte die Gemeinde Parndorf allerdings auch noch ein Wort mitreden. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die sich mit dem Thema befassen soll.

Der Leiter dieser „Zieselgruppe“ ist Gemeindevorstand Wolfgang Daniel. Er sagt im BVZ-Gespräch: „Ich habe vorgeschlagen, im September einen Termin festzusetzen, bei dem Vertreter aller Fraktionen mit Experten vom Land und Naturschutz über das Thema sprechen. Unser Ziel in der Arbeitsgruppe wäre, dass es Ersatzpflanzungen gibt, wenn die Akazien geschlägert werden.“

„Wenn es jetzt heißt, die Akazie ist keine örtliche Pflanze und gehört nicht hierher, dann hat das für uns eine große Brisanz.“Bürgermeister Wolfgang Kovacs

Die Robinie, auch „falsche Akazie“ genannt, steht auf der EU-Liste der invasiven Arten. Ihre Bestände sollen in den kommenden Jahren erfasst und zurückgedrängt werden. Aus Naturschutzgründen scheint das Fällen des Waldstückes also sogar zu befürworten zu sein.

Das Verdrängen der als nicht heimisch geltenden Baumarten könnte für Parndorf noch problematisch werden, wie Bürgermeister Wolfgang Kovacs gegenüber der BVZ zu bedenken gibt: „Die Windschutzgürtel, die vor 30, 40 Jahren bei uns gepflanzt wurden, bestehen zu 90 Prozent aus Akazien. Das war früher einfach ein üblicher Baum für Windschutzgürtel. Wenn es jetzt heißt, die Akazie ist keine örtliche Pflanze und gehört nicht hierher, dann hat das für uns eine große Brisanz.“

Neben der Haupt-Zieselkolonie auf der Hutweide wurden zuletzt auch vermehrt am Gelände der Firma Pioneer Ziesel gesichtet. Es bleibt fraglich, ob es gelingen wird, nach der Erweiterung des Schutzgebietes die beiden Kolonien zusammenzuführen. „Wenn die Ziesel Richtung Osten wandern, wird der Lückenschluss mit der zweiten Kolonie noch problematischer“, mutmaßt Gemeindevorstand Wolfgang Daniel.