265 neue Betriebe im Bezirk Neusiedl. 2020 wurden zwar weniger neue Unternehmen gegründet als 2019, im Bezirksvergleich schneidet der Landesnorden aber am besten ab.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:55)
Wirtschaftskammer Burgenland Eisenstadt Symbolbild
Wirtschaftskammer Burgenland/Werner Müllner

Wer sich entschließt, ein neues Unternehmen zu gründen, wünscht sich den perfekten Zeitpunkt dafür. Nun, 2020 entwickelte sich so gar nicht perfekt. Sowie die Zahlen der Corona-Infizierten stiegen, so verschlechterte sich die Lage der österreichischen Wirtschaft. Trotzdem zählte man im Vorjahr im Neusiedler Bezirk 265 Unternehmensgründungen (ohne selbstständige Personenbetreuer). Zwar deutlich weniger als 2019 (312), im Bezirksranking findet man aber im Landesnorden im Corona-Jahr die meisten neuen Betriebe.

„Die Corona-Krise hat auch das Gründungsgeschehen und damit die Neugründungsstatistik im Jahr 2020 geprägt. Im Frühjahr kam es zu einem deutlichen Einbruch bei den Neugründungen. Im weiteren Verlauf des Jahres 2020 ist das Niveau der Neugründungen wieder angestiegen“, erklärt Harald Pokorny, Regionalstellenleiter der Wirtschaftskammer in Neusiedl am See. Mit Stichtag 31. Dezember 2020 gab es im Bezirk Neusiedl am See 5.565 Kammermitglieder, davon waren 4.332 aktiv und 1.233 ruhend.

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Wirtschaftskammer Burgenland; Foto: elenabsl/shutterstock; NÖN-Grafik: Hammerl

Gefragt nach den Motiven für Neugründungen in Österreich, weiß Pokorny mit interessanten Fakten aus der Statistik zu antworten: „70 Prozent hegten lange den Wunsch, ihr eigener Chef zu sein, 69,2 Prozent wollen in der Zeit- und Lebensgestaltung flexibel sein, 63,8 Prozent wollen die Verantwortung, die sie als Angestellter zu tragen haben, in das eigene Unternehmen einbringen.“ Laut Pokorny stürzen sich die Gründer nicht unvorbereitet in die Selbständigkeit, sie sammeln zuvor Praxiserfahrung im Beruf, wie das Durchschnittsalter von 36,6 Jahren 2020 deutlich macht.

Der Weg in die Selbstständigkeit kann aber auch ein Weg aus der Arbeitslosigkeit sein. So wie etwa bei Patrick Hruschka. Der gebürtige Tiroler verlor aufgrund der Corona-Krise seinen Job als Betriebsleiter in einem Gastronomiebetrieb und eröffnete kurzerhand selbst ein Lokal in Neusiedl am See. Einfach hat er es mit seiner „Fresh Kitchen“ nicht, darf die Gastro doch seit dreieinhalb Monaten nur Liefer- und Abholservice anbieten. Damit hält Hruschka seinen Betrieb nun aber zumindest am Leben. „Es geht sich gerade aus, dass ich damit die Fixkosten abdecken kann“, erklärt er im BVZ-Interview. Warum er das Risiko auf sich nehme? „Ich bin niemand, der arbeitslos sein will. Das wäre ich aber jetzt, wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte“, sagt er.

Gut läuft es für den neuen Installateur-Betrieb Hiermann Lambert in Zurndorf. Mit etwas Verzögerung eröffneten Christian Hiermann und Martin Lambert ihre Firma nach dem ersten Lockdown am 11. Mai 2020. Man müsse sich zwar immer wieder auf neue geltende Rahmenbedingungen einstellen, aber das Geschäft laufe gut, das Team sei sogar auf vier Angestellte aufgestockt worden, so Christian Hiermann: „Unsere Branche profitiert sogar von der Situation. Viele Leute, die nicht in den Urlaub fahren durften, haben zum Beispiel in eine Klimaanlage oder ein Bad investiert.“

Wie wird sich das Unternehmertum aber 2021 entwickeln? Harald Pokorny wagt eine Prognose: „Auch in den ersten Wochen des Jahres 2021 wurden im Bezirk Neusiedl am See zahlreiche Gründerberatungen und Gewerbeanmeldungen abgewickelt. Aus meiner Erfahrung denke ich, dass sich die Unternehmensneugründungen ähnlich wie 2020 entwickeln werden.“