Bezirk Neusiedl: Wo es die meisten Auspendler gibt. 72 Prozent der Erwerbstätigen im Bezirk haben ihre Arbeitsstelle außerhalb ihres Wohnortes.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 20. Dezember 2019 (05:35)
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Werden Pendler entlang der Ostbahn-Strecke in Zukunft massive Nachteile in Kauf nehmen müssen?
ÖBB

Obwohl es immer mehr Arbeitsplätze im Neusiedler Bezirk gibt, steigt seit Jahren die Pendler-Quote in der stark wachsenden Region an. Zwischen 1991 und 2017 ist der Pendleranteil bei den Erwerbstätigen Einwohnern auf 72 Prozent explodiert (plus 12 Prozent). Damit liegt der Neusiedler Bezirk klar über dem Bundesschnitt: Laut Statistik Austria müssen nur die Hälfte aller Arbeitskräfte im Land ihre Heimatgemeinde verlassen, um ihre Arbeitsstätte zu erreichen.

Neusiedler Bevölkerung "explodierte" seit 2001

Im Gemeinderanking liegen Bruckneudorf und Potzneusiedl mit ihrer Pendlerquote an der Bezirksspitze. 89,2 Prozent aller Erwerbstätigen pendeln hier aus, Neudorf (84,3 Prozent), Winden am See und Gattendorf (83,5 Prozent) folgen in der Reihung dahinter (Hier gibt's die Grafik dazu).

Interessantes Detail: Gerade in der Bezirkshauptstadt ist der Pendleranteil seit 1991 am stärksten gestiegen. Waren es damals gerade einmal 44,5 Prozent der erwerbstätigen Neusiedler, die auspendelten, so sind es 2017 schon 67,7 Prozent. Zu erklären ist dieser kräftige Anstieg mit dem großen Zuzug in der Stadt. Die Bevölkerungszahl explodierte von 5584 Einwohner im Jahr 2001 auf derzeit 8409 Einwohner.

Die Arbeitsplätze stiegen aber nicht annähernd in diesem Verhältnis. Das zeigt auch der Pendlerindex, der sich aus dem Verhältnis der Erwerbstätigen am Arbeitsort und den Beschäftigten am Wohnort zusammensetzt. Er ist ein Indiz dafür, wie wirtschaftsstark eine Gemeinde ist.

Übersteigt der Pendlerindex den Wert 100, so gibt es in der Gemeinde mehr Beschäftigte, als es Erwerbstätige in der Ortsbevölkerung gibt. Im Neusiedler Bezirk trifft das nur auf zwei Gemeinden zu: Parndorf (123) und Edelstal (103). Neusiedl am See (94), Frauenkirchen (93) und Kittsee (81) komplettieren die Top 5.

Pendler fordern Ausbau der Infrastruktur

Und wohin geht es? Die Richtung ist klar: Die Zahlen der Statistik beweisen, was auf der Hand liegt. Der Großteil der Pendler hat seine Arbeitsstätte in der Bundeshauptstadt. Aus allen Gemeinden des Bezirks peilt der durchschnittliche Pendler täglich Wien an.

Der Ausbau der Verkehrswege, Verbesserungen im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel Richtung Wien und der Ausbau der Infrastruktur bei Bahnhöfen und Park&Drive Anlagen ist daher ein dominierendes Thema im Bezirk. Gerade jetzt gibt es allerdings gute Nachrichten für Pendler, jedenfalls für jene, die mit der Bahn nach Wien fahren. Der neue Fahrplan, der seit Montag gilt, bringt einige Verbesserungen (siehe Infobox).

Übrigens: Den längsten Weg zur Arbeit nehmen statistisch die Deutsch Jahrndorfer auf sich, durchschnittlich 60 Kilometer in eine Richtung.