Hansagfood: Aus für 24-h-Einkauf. Schlag für Selbstbedienungsläden. Öffnungszeiten der Verkaufscontainer müssen reduziert werden.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 22. April 2021 (03:22)
Hans Goldenits Erfolgsprojekt wurde durch eine Anzeige ausgebremst. Er gilt nicht als bäuerlicher Direktvermarkter und muss sich damit dem Öffnungszeitengesetz für gewerbliche Betriebe fügen. Er befürchtet nun einen Verlust von 25 Prozent seines Umsatzes.
BVZ Archiv, BVZ Archiv

Ein viel gerühmtes Verkaufskonzept von regionalen Bioprodukten könnte bald Geschichte sein: die Bio-Hofläden von Hansag-Food. Von 0 bis 24 Uhr Einkaufen im Selbstbedienungsladen, Produkte in Bio-Qualität, von Produzenten der Region – also mit kurzen Anfahrtswegen und kleinem CO2-Fußabdruck; so die Idee des Tadtener Landwirts Hans Goldenits.

Seit 2018 geht das Konzept auf. Goldenits hat den Zeitgeist erkannt, seinen Kundenstamm gefunden und nun neun Hofläden in den Bezirken Neusiedl, Eisenstadt-Umgebung und Bruck aufgebaut. Zahlreiche Medien feierten seine Selbstbedienungsläden als Innovation, selbst Bundesministerin Elisabeth Köstinger kaufte bei einem Burgenland-Besuch begeistert im Neusiedler Hansagfood-Hofladen ein.

Nun scheint die heile Bio-Welt von Hansagfood aber Risse zu bekommen und Neider auf den Plan zu rufen. Aufgrund einer rechtlichen Intervention eines UWG-Schutzverbandes sei man gezwungen, die Öffnungszeiten zu ändern, informierte Hansagfood seine Kunden über soziale Medien. Im Gespräch mit der BVZ konkretisierte Hans Goldenits: „Wir dürfen nicht mehr rund um die Uhr geöffnet haben, obwohl wir die Läden ohne Verkaufspersonal betreiben. Der Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb hat uns angezeigt. Wer genau dahinter steckt, wissen wir aber nicht.“ Seine Anwälte würden die Wirtschaftskammer dahinter vermuten.

Nachts und sonntags bleibt geschlossen

Fakt ist, dass die Hofläden am Sonntag gar nicht mehr öffnen dürfen und abends ab 20 Uhr schließen müssen (Öffnungszeiten siehe Infobox). Der vormals landwirtschaftliche Betrieb gilt nun als Handelsunternehmen und unterliegt den Ladenöffnungsgesetzen (siehe auch Seite 6). „Wir wurden unter Androhung in den Handel gezwungen und mussten eine Unterlassungserklärung unterzeichnen“, berichtet Goldenits. Laut den Anwälten des Tadteners gäbe es zwar rechtliche Möglichkeiten, doch: „Sollten wir verlieren, sind wir ‚mausetot‘.“ Dieses finanzielle Risiko will Hansagfood nicht eingehen.

Dass die Läden unter Beobachtung der Konkurrenz stehen, hat Goldenits schon länger bemerkt. Er erzählt sogar von Spionage großer Supermarktketten, die sein Konzept ebenfalls umsetzen möchten. „Dabei sind wir nur ein kleiner Fisch. Wir wollen auch nicht mehr expandieren. Mit unseren neun Containerläden sind wir voll ausgelastet. Angebote von Gemeinden haben wir schon ausgeschlagen.“ Goldenits wähnt sich nun als „kleiner Fisch unter Raubfischen“. Die Verkürzung der Öffnungszeiten könnten sein Geschäftsmodell auch wirklich in die Bredouille bringen. Denn gerade in den späten Abendstunden, an Feiertagen und Sonntagen verzeichneten die Hofläden ihren Hauptumsatz. Goldenits rechnet mit einem Umsatzverlust von 25 Prozent.

Begraben hat Goldenits auch seine Hoffnungen auf eine Ausnahmegenehmigung für längere Öffnungszeiten durch die Burgenländische Landesregierung. Im BVZ-Interview erzählt der Landwirt zwar von zwei Terminen in der Landesregierung, sein Anliegen habe er dort allerdings nicht deponieren können. „Vielmehr hat man versucht, mich zu überreden, mich dem Bio-Wende-Modell des Landes anzuschließen. Aber warum soll ich meine Shops schließen und in zweiter Reihe stehen?“, fragt sich der Tadtener.

Tatsächlich plant das Land Burgenland selbst – ähnlich dem Modell Hansagfood – Hofläden im gesamten Landesgebiet.