Vereine und Schulen ohne Trainingsstätte. Hallenbäder sind in der Region rar. Lange Anfahrtszeiten erschweren das Training.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 11. März 2020 (10:08)
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Vereine und Schulen wegen Hallenbadschließung in Neusiedl am See ohne Trainingsstätte.
Birgit Böhm-Ritter

100.000 Gäste aus der gesamten Region besuchten jährlich das Neusiedler Hallenbad und die dazugehörige Saunalandschaft. Die plötzliche Sperre hat viele davon schwer getroffen. Vor allem Schulen und Vereine haben eine unverzichtbare Sportstätte verloren.

Etwa 30 Schulen hielten jedes Jahr ihren Schwimmunterricht in Neusiedl ab. Alleine das Neusiedler Gymnasium war wöchentlich mit zwölf Klassen im Hallenbad schwimmen. Die Sperre stellt Direktor Walter Roth nun vor eine massive organisatorische Herausforderung: 12 Doppelstunden Sport für jeweils eine Burschen- und eine Mädchengruppe müssen in den Turnsaalplan integriert werden. „Das heißt 48 Turnsaalstunden kommen hinzu. Und das bei einer bereits bestehenden Raumknappheit“, bringt es Roth auf den Punkt. „Wir können das Problem kurzfristig in den Griff bekommen, weil jetzt die Freiluftsaison beginnt und wir tolle Außenanlagen haben. Mittel- und langfristig müssen wir aber unseren Stundenplanraster erweitern, um die Turnsäle optimal auszunutzen. Das bedeutet mehr Nachmittagsstunden für alle.“ Schwimmunterricht werde mittelfristig – wenn überhaupt – nur in Form von Projekttagen (auswärts) möglich sein.

Auch die Schwimmunion Neusiedl am See ist nun auf der Suche nach Übergangslösungen. Rund 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreute der Verein in täglichen Einheiten jedes Jahr. „Durch die Unterstützung vieler Freunde gibt es schon einige aussichtsreiche Lösungsmöglichkeiten“, so Obmann Hans Christian Gettinger. Lange Anfahrtswege, teilweise bis nach Ungarn und in die Slowakei müssten allerdings in Kauf genommen werden. Im Sommer wolle man Möglichkeiten in Freibädern der Region finden. „Wir müssen ab jetzt nur mehr in die Zukunft blicken. Wir werden sehr bald merken, wie wichtig dieses Hallenbad in unserer Region in vielen Bereichen ist. Es müssen alle politischen Kräfte mobilisiert werden, dass das Hallenbad ehestens wieder zur Verfügung steht“, betont Gettinger.

In die gleiche Kerbe schlägt Robert Lang, Obmann des Triathlonvereins LTC Seewinkel. „Die Schließung des Hallenbades Neusiedl am See gefährdet nicht nur die Fortführung der jahrelangen Aufbauarbeit im Triathlonnachwuchs, sondern entzieht unseren vielen Breitensportlern die Trainingsbasis. Unsere Aushängeschilder David Vollmann und Erik Spindler haben sich bereits in der österreichischen Triathlonspitze etabliert und konnten auch bei Europacuprennen eine gute Figur machen. Ihre hoffnungsvolle Zukunft ist ab sofort mehr als ungewiss.“ Der LTC-Seewinkel hat mehr als 120 Mitglieder, die sich nach neuen Trainingsstätten umschauen müssen. „Ein deutlich höherer Zeitaufwand für Trainer, Eltern und Athleten wird die Folge sein. Für einige bedeutet das auch das Ende der sportlichen Karriere“, so Lang.