Wald als Klassenraum: Naturpädagoge vermittelt Wissen. Andreas Thaller hat einen im Bezirk Neusiedl einzigartigen Beruf: Als Wald- und Jagdpädagoge vermittelt er spannendes Wissen über die heimische Flora und Fauna.

Von Norbert Aichhorn. Erstellt am 08. November 2020 (04:08)
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Schule einmal anders. In Andreas Thallers „Waldschule“ lernen die Kinder die pannonische Tier- und Pflanzenwelt kennen.
Aichhorn

„Der respektvolle Umgang mit der Natur und die schonungsvolle Nutzung der Waldressourcen stehen bei mir absolut im Vordergrund“, beschreibt Andreas Thaller sein Berufsbild. 20 Jahre lang war der gebürtige Deutsch-Haslauer im Finanzdienstleistungssektor tätig. Mittlerweile lebt er in Weiden am See. Eine Restrukturierung in seiner ehemaligen Firma ermöglichte ihm vor drei Jahren, einen völlig neuen, im Bezirk Neusiedl am See bisher nicht praktizierten Berufsweg einzuschlagen.

„Wald- und Jagdpädagoge ist die perfekte Ergänzung zu meiner Ausbildung zum Berufsjäger“, erklärt Andreas Thaller, „mein Arbeitsplatz ist in der freien Natur, etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.“

„Den Wald mit allen Sinnen zu erfassen, heißt auch einmal nasses Laub zu riechen oder vermoderte Baumstümpfe anzugreifen.“ Waldpädagoge Andreas Thaller

Allen Schulen im Bezirk Neusiedl am See und Bruck an der Leitha bietet der Waldpädagoge seine Vorträge und Demonstrationen an. Die Altersklassen bewegen sich von sechs bis etwa 19 Jahre.

Im Burgenland gibt es dazu in Marz im Bezirk Mattersburg die Naturwerkstätte des Burgenländischen Landesjagdverbandes. Diese hat eine spezielle mobile Waldschule unter dem Namen „Werkstoff Natur on Tour“ konstruiert. Ein speziell dafür umgebauter LKW-Anhänger ist als Präsentationsraum für den Wald umgebaut worden.

Von klein auf Respekt vor dem Wald lernen

Von einer aufklappbaren Bühne ausgehend kann der Wald in seiner Gesamtheit präsentiert werden. Bei dieser Präsentationsart hat jeder Lehrer garantiert sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Schüler. „Vor allem für die Kinder im Volksschulalter ist es wichtig, dass sie von klein auf Respekt vor dem Wald und seinen Bewohnern haben“, beschreibt Andreas Thaller seine bevorzugte Altersklasse. Wälder sind eben keine Abenteuerspielplätze und auch keine Müllkippen.

Anhand ausgestopfter Tiere erhalten seine Zuschauer ein anschauliches Bild von der Waldpopulation. Seine Ausbildung als Jagdpädagoge ist ihm hier eine große Hilfe. Altersgerecht wird erklärt, warum regelmäßig Tiere von dafür ausgebildeten Jägern erlegt werden müssen, um das Gleichgewicht in der Natur aufrechtzuerhalten. Denn Wildtiere werden seit Jahrtausenden vom Menschen bejagt.

„Den Wald mit allen Sinnen zu erfassen, heißt auch einmal nasses Laub zu riechen oder vermoderte Baumstümpfe anzugreifen, die wieder zu Erde werden“, erklärt Andreas Thaller den Ablauf eines Waldtages.

Wichtig ist ihm auch, dass Kinder von Anfang an verstehen, dass Futterstellen nicht betreten werden dürfen und Ameisenhaufen nicht zum Spielen da sind. Waldbewohner sollten möglichst nicht gestört werden.

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Schule einmal anders. In Andreas Thallers „Waldschule“ lernen die Kinder die pannonische Tier- und Pflanzenwelt kennen.
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Ein weiterer Unterrichtsgegenstand ist das Längenmessen. So wird mit einem genau einen Meter langen Stock eine bestimmte Strecke vermessen, die dann mit einem Entfernungsmesser kontrolliert wird. Dadurch wird das räumliche Vorstellungsvermögen geschärft und der Blickwinkel erweitert.

Den Weg des Holzes von der Anpflanzung bis zum verarbeiteten Endprodukt zu verfolgen, ist ebenso Teil der Schulung.

In der Volksschule Kittsee konnte ein Projekt realisiert werden, bei dem Schulkindern vier kleine Bäume pflanzten. Das kleine Grundstück dazu wurde von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Am täglichen Schulweg können die Kinder dabei das langsame Wachsen der Bäume beobachten.

Der Besuch einer Tischlerei und einer Zimmerei schlossen dieses Projekt ab. Hier konnten die Kinder anhand des Produktionsablaufes sehen, was letzten Endes aus den gefällten Bäumen entsteht.

So erleben sie den Verarbeitungskreislauf des Holzes mit eigenen Augen. „Auch das gehört zur Schulbildung“, erklärt Andreas Thaller seine Ausbildungsziele.

Seine eigenen Ziele hat er aber noch lange nicht erreicht. Derzeit ist er mit einem Stipendium Student der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien-Hietzing, parallel dazu belegt er an der Pädagogischen Hochschule in Eisenstadt einen Lehrgang als Freizeitpädagoge.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von Andreas Thaller befindet sich im Schulcluster in Illmitz im Seewinkel. Hier gibt es eine Kooperation mit der dortigen Nationalparkverwaltung. Ein Nationalparkranger ist fix als Ökopädagoge während des gesamten Schuljahres abgestellt. Auf den jeweiligen Lehrplan abgestimmt werden mit jeder Schulstufe Nationalparktage veranstaltet, wo den Schülern durch Andreas Thaller Flora und Fauna nahegebracht werden. Zusätzlich hat er sich in Kittsee eine eigene kleine Waldschule aufgebaut.

Wer jetzt von ihm professionell durch den Wald geführt werden will, findet auf www.waldpaedagogik.at alle Informationen dazu.