Streit um Beweidung in Apetlon. 116.000 Euro fordern die Landwirte von der Urbarialgemeinde. Ein Vergleich scheiterte neuerlich, die Prozesskosten betragen bereits 40.000 Euro.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 23. Juni 2019 (06:40)
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Keine Einigung in Sicht. Um die Beweidung von Flächen der Urbarialgemeinde ist in Apetlon ein langwieriger Rechtsstreit entbrannt.
Symbolbild/Bilderbox

Tiefe Gräben haben sich in der Nationalparkgemeinde im Seewinkel aufgetan: Im Zivilprozess um das eingeklagte Entgelt für die Beweidung der im Besitz der Urbarialgemeinde stehenden und an den Nationalpark verpachteten Flächen liegen die Nerven blank. In der Vorwoche wurde am Landesgericht in Eisenstadt weiter diskutiert.

Richterin versuchte zu Vergleich zu motivieren

Worum geht es? 2008 war innerhalb der Urbarialgemeinde Apetlon, mit mehr als 500 Mitgliedern und 1.300 Hektar Grundfläche, eine der größten Agrargemeinschaften in Österreich, der Weideverein, gegründet worden. Zur Erhaltung der Steppenlandschaft treibt der Weideverein seither jährlich Fleckvieh auf die unter Schutz gestellten Weideflächen.

Bis 2015 wurden dafür von der Urbarialgemeinde Entgelte ausbezahlt. Danach versiegte der Geldfluss. Der Weideverein klagte und fordert von der Urbarialgemeinde für die Beweidung über einen Zeitraum von vier Jahren 116.000 Euro. Die Urbarialgemeinde unterbreitete dem Weideverein Ende Mai auf „neutralem Boden“, in Illmitz, ein Gegenangebot, das sich auf 28.000 Euro für vier Jahre beläuft. „Das wurde emotional und vehement abgelehnt“, berichtete Rudolf Tobler, der Anwalt der Urbarialgemeinde.

Richterin Birgit Toth versuchte, die Streitparteien vor Gericht zu einem Vergleich zu motivieren und erinnerte an die Verfahrenskosten, die zu Beginn des dritten Prozesstages bereits 40.000 Euro betrugen.

„Wir stehen zu dem Angebot“

Dem Weideverein liegt, so war aus den Wortmeldungen erkennbar, viel daran, einen angemessenen Betrag zu erhalten, man will aber auch die Beweidung für die Zukunft regeln.

„Wir stehen zu dem Angebot: 80.000 Euro plus anteilige Verfahrenskosten, und man kann die Vergangenheit bereinigen“, erklärte Günther Reiffenstuhl, Anwalt des Weidevereins. Das sei eine sinnvolle Lösung.

„Warum man sich so dagegen sträubt und in der ganzen Ortschaft ein Riesen-Aufruhr herrscht, verstehe ich nicht“, meinte der Wiener Anwalt.

„Die Vollversammlung stimmt nicht zu, wenn wir mit 80.000 Euro kommen“, befürchtete der Obmann der Urbarialgemeinde Johann Thell.

„Unser Spielraum ist größer, wenn wir wissen, dass in Zukunft eine gemeinsame Gestaltung möglich ist“, ließ Anwalt Reiffenstuhl wissen.

„Grundsätzlich ist es gescheiter, wenn Apetloner Vieh aufgetrieben wird und nicht fremdes“, versuchte die Richterin, eine Versöhnung zu bewirken. „Es wurde schon miteinander gewirtschaftet und das war gut“, erinnerte sie die Streitparteien an frühere Zeiten.

Einigung scheiterte abermals

Nach der Einvernahme von Zeugen wurde der Zivilprozess neuerlich vertagt. Betragsmäßig habe es, so Urbarial-Anwalt Rudolf Tobler, eine Annäherung gegeben. Gescheitert sei die Einigung an der vom Weideverein verlangten Verknüpfung mit einem in die Zukunft weisenden Pachtvertrag. Die hochemotionale Auseinandersetzung wird somit fortgesetzt, während zumindest für heuer die Beweidung gesichert ist: Die Bauern haben das Vieh trotz des anhängigen Streits auf die Nationalparkflächen aufgetrieben.