Optimistisch in der Warteschleife

Wein- und Obstbauern im Neusiedler Bezirk atmen vorsichtig auf. Der Frost dürfte nur kleine Schäden angerichtet haben.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 26. April 2017 | 08:59
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Es scheint so, als hätten die Landwirte den frostigen Freitagmorgen in der vergangenen Woche glimpflich überstanden. Die groß angelegten Maßnahmen wie das Räuchern und Frostgefrieren dürften Wirkung gezeigt haben. Trotzdem: „Dass wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind, traue ich mir noch nicht zu sagen.“

Mit dieser Aussage bläst Landwirtschaftskammerpräsident Franz Stefan Hautzinger aus Halbturn ins gleiche Horn, wie der Golser Weinbauer Michael Allacher. Beide sagen, man müsse die nächste Woche abwarten, um Bilanz über Frostschäden ziehen zu können. Aber beide zeigen sich auch vorsichtig optimistisch.

„Die Triebe auf den Reben sind momentan grün, voriges Jahr sind sie sofort braun abgefallen. Die Blätter sind aber geschädigt“, erklärt Allacher seine zwiespältigen Gefühle.

Gols: 1.300 Strohballen ausgebracht


Dass es auch heuer Ausfälle geben wird, ist sicher. In welchem Ausmaß muss man abwarten. Die Katastrophe vom Vorjahr, wo Winzer in einigen Ortschaften einen Totalausfall beklagten, wird sich laut Hautzinger heuer aber nicht wiederholen. Dafür sind auch die präventiven Maßnahmen mitverantwortlich, die die Winzer in Weinbaugemeinden großflächig gesetzt haben.

In vielen Weingärten wurden Strohballen für das „Räuchern“ angezündet. Zweck des Anzündens war es, die im Boden gespeicherte Wärme durch den Rauch, der wie eine Dämmung wirkt, länger im Boden zu halten. Noch mehr aber sollte eine zu schnelle Erwärmung durch die starke Sonneneinstrahlung nach dem Frost verhindert werden. Denn tauen Triebe zu schnell wieder auf, platzen sie.

Alleine auf Golser Hotter wurden etwa 1300 Strohballen in den Weingärten verteilt. „Etwa die Hälfte davon haben wir schließlich angezündet“, sagt Michael Allacher.

Noch nie derart flächendeckendes „Räuchern“ angewendet

Eine neue Erfahrung für die Winzer. Noch nie wurde in derart flächendeckender Art und Weise das „Räuchern“ angewendet. Bekannt sei die Methode aus früheren Zeiten. Damals wurde allerdings punktuell geräuchert, weiß Franz Stefan Hautzinger. Der fehlenden Erfahrung wegen, war die Nervosität in den einzelnen Weinbauvereinen auch groß.

In Gols entschied sich der gesamte Vorstand zum Rücktritt. „Keiner konnte uns genau sagen, wer die Verantwortung trägt, wenn durch das Feuer oder die Rauchentwicklung etwas passiert“, betont Michael Allacher, der sein Amt als Obmann im Golser Weinbauverein zurückgelegt hat.

In Neusiedl am See war laut Winzer Stefan Kast ganz genau geregelt, wer wo Räuchermaßnahmen setzt: „Wir Weinbauern haben uns das selber ausgemacht, besonders positiv war die flächendeckende Solidarität“, betont er.

"Zwei Jahre Ausfall hintereinander verkraftet niemand“Stefan Kast

Denn eine Situation wie im vergangenen Jahr musste unbedingt vermieden werden: „Heuer ging es für viele Winzer um die nackte Existenz, zwei Jahre Ausfall hintereinander verkraftet niemand“, sagt Kast, der den von den Räuchermaßnahmen betroffenen Anrainern dankt: „Sie haben einen Tag Rauch in Kauf genommen.“

In Halbturn setzte das Weingut Unger auf eine alternative Methode, um Frostschäden zu verhindern. Hier wurden die Triebe der Reben durch Frostberegnung geschützt. „Rund um die Triebe bildet sich eine Eisschicht, die Pflanze selbst gefriert aber nicht“, erklärt Andreas Unger.

Für Landwirtschaftskammerpräsident Hautzinger ist diese Methode wahrscheinlich noch wirksamer als das Räuchern. Allerdings hätten die wenigsten Winzer die Möglichkeit dazu, weil dafür Sprinkleranlagen benötigt würden, in den Weingärten aber hauptsächlich mit Tröpfchenbewässerung gegossen werde.