"Initiative Neusiedler See" sorgt für Aufruhr . Eine Gruppe aus 25 Personen will sich für offene Seezugänge stark machen. Die Bevölkerung steht dem skeptisch gegenüber.

Von Bettina Deutsch. Erstellt am 18. April 2018 (08:50)
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Teamarbeit. Gerold Stagl, Michaela Heeger-Gmeiner, Erwin Preiner, Christian Janisch, Moderatorin Barbara Karlich, Martin Pfundner, Alois Lang und Stefan Schindler baten in Winden am See zum Gespräch.
Initiative Neusiedler See

„Unsere Region. Unser See. Reden wir gemeinsam darüber!“ Unter diesem Aufruf lud die Initiative Neusiedler See zur offenen Dialogveranstaltung ein. Die Zukunft des Steppensees stand dabei im Fokus des Geschehens, das Interesse vonseiten der Bevölkerung war groß.

Die nachhaltige Entwicklung des Neusiedler Sees ist derzeit in aller Munde. Erst wenige Tage zuvor wurde der Fahrplan zum „Masterplan Neusiedler See“ präsentiert. Jetzt hat es sich eine Gruppe von 25 Vertretern aus Tourismus, Landwirtschaft (Weinbau), Umweltschutz, Interessensvertretungen sowie der Politik, zum Ziel gemacht, „den See vor dem Ausverkauf zu schützen. Dazu wollen wir eine breite und offene Diskussion anstoßen. Wir setzen uns für ein ausgewogenes Verhältnis von Natur-Schutz und Natur-Nutzung ein“, erläutert Christian Janisch von der Esterházy Betriebe GmbH.

Mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit will man punkten und damit einen „Startschuss in eine andere Zukunft“ geben. Die Steigerung von Wertschätzung, Wertschöpfung und Lebensqualität sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen dabei ganz oben auf der Agenda der Initiative. „Eine nachhaltige Entwicklung kann nur im Einklang mit den Menschen der Region erfolgen. Der Neusiedler See soll für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben und nicht à la Wörthersee verbaut werden“, so Janisch. Hauptgrundeigentümer am See sind die Esterházy Betriebe GmbH sowie die Gemeinden rund um den See.

Nachhaltiges Vorhaben wird heftig kritisiert

„Derzeit ist nur ein marginaler Teil verbaut und das soll auch so bleiben. Zudem sollen die Strandbäder als Zugänge erhalten bleiben und modernisiert werden“, berichtet Christian Janisch weiters. Die Bürger stehen dem Vorhaben der Initiatorengruppe noch kritisch gegenüber, bei der Dialogrunde wurde es emotional und laut. Skeptisch blickt man vor allem auf die Zusammensetzung der engagierten Truppe, da es sich zum Teil um Unternehmen handelt, die bereits große Projekte auf Seegebiet in petto haben. Viele befürchten, letztendlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Kritik hagelt es auch vonseiten der Grünen Burgenland: „Investoren und Unternehmer haben sich zu einer Lobby zusammengetan, um Seeprojekte aufzustellen und haben gleich selbst die Regeln dafür formuliert. Die wirtschaftlichen Interessen müssen sich dem Naturschutz unterordnen, sonst leidet der See und mit ihm der Tourismus“, stellt Podersdorfs Gemeinderat Kurt Ciboch klar.

Nun sollen die Inputs der Bevölkerung aufgearbeitet werden, zudem beabsichtigt die Initiative, in absehbarer Zeit einen Verein zu gründen, „der dann viele Menschen ansprechen und gewinnen soll“, heißt es vorerst abschließend.