Wie ein Windrad aufgestellt wird

Zu den bestehenden drei Windkraftanlagen kommt eine weitere dazu. Die BVZ besuchte eine imposante Baustelle der Energie Burgenland.

Erstellt am 04. Mai 2020 | 06:30
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Seit Jahren prägen sie das Landschaftsbild unseres Bezirkes: Windräder sind so etwas wie das Wahrzeichen der Region geworden. Ein Wahrzeichen, das polarisiert. Sehen die einen eine Verschandelung der Natur, so sehen die anderen saubere Energieerzeuger.

Die Energie Burgenland Windkraft arbeitet momentan an großen Repowering-Projekten und erneuert ihre Windparks im Bezirk. Im Windpark Pama-Süd besuchte die BVZ eine dieser ungewöhnlichen Baustellen. Dort wird zu den drei bestehenden Windrädern ein weiteres errichtet – und zwar eine Windkraftanlage der Type Enercon E101 mit einer Leistung von 3,05 Megawatt und einer Nabenhöhe von 135 Metern.

Die Baustelle liegt zwischen Gattendorf und Pama rechts der Autobahn, inmitten von Wiesen und Feldern. Die Zufahrt erfolgt über eine Schotterstraße, die Teil eines eigens dafür errichteten Straßennetzes ist. „Helm, Warnweste und Sicherheitsschuhe sind hier Pflicht“, sagt Projektleiter Markus Rauchbauer.

Die Baustelle entspricht modernsten Sicherheitsstandards, jeder Container hat seinen Platz, jeder der zehn Arbeiter kennt den Arbeitsablauf. Niemand betritt ohne Schutzausrüstung den Bauplatz.

„Unordnung geht gar nicht“ erklärt der Enercon Bauleiter Jörg Ziegler, „wir haben hier Arbeitsmaschinen, deren Gewicht in die hunderten Tonnen geht“. Stolz zeigt er auf den 700 Tonnen schweren Kran, der 150 Meter hoch ist und den 40 Tonnen schweren Rotor am Haken hat. Sobald es windstill ist, wird der Rotor auf der 133 Meter hohen Turmspitze aufgesetzt. Millimeterarbeit ist hier gefragt. Sind der Rotor samt der 50 Tonnen schweren Gehäusenarbe montiert, werden die drei Rotorblätter befestigt. Jedes dieser Blätter wiegt 15 Tonnen, ist 45 Meter lang und von innen begehbar. Sensoren übertragen die Windgeschwindigkeit, Temperatur und den Materialzustand an die Leitstelle. Hightech garantiert hier höchste Sicherheit.

Bauzeit etwa sieben Wochen

„Zuerst muss man aber das Fundament bauen“, beschreibt Jörg Ziegler den Zeitablauf.

Das Fundament umfasst 650 Kubikmeter und ist so wie die gesamte Windkraftanlage auf eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. Es ist bei besten Witterungsverhältnissen in etwa 28 Tagen fertiggestellt.

„Sollte das Wetter passen, haben wir das Windrad dann in weiteren 21 Tagen fertig montiert“, sagt Jörg Ziegler, „Fundament und Windrad sollten sieben Wochen nach Baubeginn betriebsbereit sein.“ Nachsatz: „Da muss aber wirklich alles passen.“

Nach der technischen Abnahme beginnt die Stromerzeugung. Optimal sind Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 Kilometer pro Stunde. Die Drehzahl der Rotoren wird im Bereich von circa vier bis 14 Umdrehungen pro Minute durch eine aktive Rotorblattverstellung geregelt. Bei Sturm werden diese automatisch gestoppt. Die erzeugte Energie wird über Mittelspannungskabel bis zum Umspannwerk unterirdisch geführt. Von dort wird die erzeugte Energie dann ins Netz der Energie Burgenland eingespeist.

Auch die modernste Technologie kommt einmal ans Ende der betrieblichen Nutzungszeit. „Dann kommen neuere Technologien zum Einsatz“, erklärt Projektleiter Markus Rauchbauer, „so gelingt es uns, die Anlagenanzahl zu verringern und die Produktion der elektrischen Energie zu steigern.“ Dieser Prozess wird Repowering genannt.

„Aber bis dahin ist für diese Anlage noch Zeit“, sagt Jörg Ziegler, „bis dann haben wir vielleicht auch Frauen in unserer Mannschaft.“

Coronabedingte Pause auf der Baustelle

Wie viele Baustellen des Landes stand auch jene in Pama aufgrund der Corona-Maßnahmen vier Wochen still. Nach Ostern wurden die Baustellen der Energie Burgenland wieder schrittweise hochgefahren. Bei der Wiederaufnahme stand die penible Einhaltung der Gesundheitsschutzmaßnahmen im Zentrum. „Dabei geht es unter anderem um wichtige Themen wie Arbeitshygiene auf der Baustelle, Belange der Arbeitsausrüstung, die Art und Weise, wie Transporte organisiert werden, oder der Umgang mit Risikogruppen“, erklärt Unternehmenssprecherin Hannelore Halwax.