Süße Nager bleiben eine Plage. Das im Jahr 2015 vom Land Burgenland gegründete Bibermanagement steht in der Kritik.

Von Saskia Jahn und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 28. Oktober 2018 (05:00)
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Für die einen sind es faszinierende Tiere, für die anderen sind es Plagegeister. Die Rede ist von den Bibern. Die größten Vorkommen der Nagetiere in unserer Region gibt es an der Leitha. Dort bauen sie nicht nur Dämme und Biberbauten, sondern richten auch den einen oder anderen Schaden an.

Der Verein burgenländischer Naturschutzorgane (VBNO) organisierte kürzlich eine Begehung an der Leitha mit dem „Biberombudsmann“ des Burgenlandes Clemens Trixner.

Dabei wurde vor Ort ausführlich erklärt, wie man Biberspuren findet und wie Biberbauten aussehen. Ein anschließender Vortrag informierte über die derzeitige Situation im Gebiet des Wasserleitungsverbandes Leitha 1 (Gattendorf bis Nickelsdorf).

Der Zurndorfer Gemeinderat Werner Falb-Meixner (ÖVP) war bei der Begehung an der Leitha dabei: „Wir erfuhren unter anderem, dass circa 25 bis 30 Biber in unserem Gebiet leben. Meiner Meinung nach stellen die Nagetiere eine Bereicherung unserer wunderschönen Naturlandschaft dar. Um eine Beeinträchtigung des Hochwasserschutzes zu verhindern, wurden schon in meiner Zeit als Landesrat Dämme mit Eisenmatten und Beton gesichert.“

Seit Kurzem besteht in Deutsch Jahrndorf die Gefahr, mit dem Auto oder dem Fahrrad in ein großes Schlagloch zu krachen. Der Krater auf dem Güterweg entstand durch einen Biberbau.
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Nicht ganz so begeistert zeigen sich die Ortschefs von Deutsch Jahrndorf und Zurndorf von der Biberpopulation an der Leitha.

Der Bürgermeister von Deutsch Jahrndorf Gerhard Bachmann (SPÖ) berichtete im BVZ-Gespräch von einem großen Krater, der seit Kurzem auf der Fahrbahn eines Güterweges durch einen Biberbau entstanden sei: „Der Biber buddelt sich unterirdisch zu den Kukuruzfeldern und frisst den Bauern die Ackerfrüchte weg. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass der Güterweg weiter einbricht, wenn die Biber unter der Erde Tunnel graben.“ Er befürchtet, dass sich dort jemand verletzen könnte und hat die Situation bereits dem Land Burgenland gemeldet.

„Ich wurde lediglich auf das Bibermanagement verwiesen. Die Zuständigen meinten, dass wir das Loch zu machen und die Aktion dokumentieren sollen. Außerdem wurde mir erklärt, dass, falls ein Unfall an dieser Stelle passieren sollte, der Grundbesitzer hafte. Dieser wäre dafür verantwortlich, dass das Problem behoben werde. Die Biber verursachen in unserer Gemeinde sehr viele Schäden und vermehren sich zudem auch noch unkontrolliert, da sie keine natürlichen Fressfeinde hier haben.“

Biber: Große Belastung für Gemeinde

Die Biber seien auch eine große Belastung für die Gemeinde Zurndorf, meint Bürgermeister und Obmann des Leithaverbandes Werner Friedl (SPÖ).

500.000 Euro Schulden habe der Verband bereits durch die Biber, da immer wieder Dämme saniert werden müssten. Vonseiten des Landes werde man nur vertröstet, so Friedl: „Wir werden mit dem Problem alleine gelassen. Das Hab und Gut der Menschen ist in Gefahr. Wenn Dämme brechen, schwimmt ganz Zurndorf. Und da hört für mich der Spaß auf. Meine Meinung ist: Wer die Biber haben will, der muss erstens sich darum kümmern, dass diese unter Kontrolle sind und zweitens die Verantwortung übernehmen, wenn die Nagetiere etwas beschädigen. Ich übernehm‘ sie nicht!“

Aufgrund von zahlreichen Schäden bis hin zu Ernteausfällen startete bereits 2015 das Projekt „Bibermanagement Burgenland“ im Auftrag des Landes Burgenland. Schwerpunkt ist die Bearbeitung von Mensch-Biber-Konflikten und die Beratung von Betroffenen vor Ort.

Ziel: Lösung für alle Beteiligten

Die Thematik in den beiden Gemeinden seien dem zuständigen Ressort des Landes „Natur- und Umweltschutz“ bekannt. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine Entfernung des Dammes zum Schutz von angrenzendem Wohngebiet möglich ist, jedoch nur dann, wenn eine Absenkung oder Dränage des Dammes nicht möglich ist. Für die Entfernung eines Dammes braucht es eine naturschutzbehördliche Bewilligung. Hochwasserschutz geht vor! Seitens des Landes haben wir großes Interesse hier zielführende Lösungen für alle Beteiligten zu finden“, heißt es aus dem Büro der Landesrätin Astrid Eisenkopf.