Jagd: Kritik an Gesetzesnovelle. Zurndorf: Im Rahmen einer Pressekonferenz erläutern die Vertreter der Grundeigentümer ihre Kritikpunkte an der Gesetzesnovelle.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 07. November 2020 (04:06)
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Kritik am neuen Jagdgesetz. Roman Thüringer (Gattendorf), Christian Schmidt (Nickelsdorf), Werner Falb-Meixner (Zurndorf), Reinhold Reif (Deutsch Jahrndorf) und Hannes Meixner (Zurndorf).
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Die gewählten Vertreter der Grundeigentümer, der Gemeinden Deutsch-Jahrndorf, Zurndorf, Gattendorf und Nickelsdorf, sind sich einig: „Die bevorstehende Jagdgesetznovelle der Burgenländischen Landesregierung hat gravierende negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Gemeinden.“

Die Jagdreviere der genannten Gemeinden seien durch die Arbeit der Landwirte und verschiedene Naturschutzprojekte „hervorragende Biotope“, betonen die Vertreter Werner Falb-Meixner, Reinhold Reif, Roman Thüringer, Christian Schmidt und Johannes Meixner im Rahmen der Pressekonferenz vergangene Woche.

Laut aktuellem Jagdgesetz seien 10 Prozent des Wildschadens Selbstbehalt, die der Bauer zu leisten habe. Für die restlichen 90 Prozent sei bislang die Jägerschaft aufgekommen. Das neue Jagdgesetz sehe nun vor, dass der Bauer bis zu 10 Prozent Wildschaden überhaupt keinen Schadensersatz erhalte. Ab 11 Prozent Wildschaden erhalte der Bauer nur ein Prozent des Schadens zurück. „Das bedeutet einen wesentlichen Einkommensverlust für den Bauer“, so Werner Falb-Meixner, Biobauer und Gemeindevorstand Jagd Zurndorf.

Laut Christian Schmidt, Obmann Jagdausschuss Nickelsdorf, könnte dies auch zur Folge haben, dass wesentlich mehr Flächen zum Schutz vor Wildverbiss eingezäunt werden. „Das bedeutet eine erhöhte Gefährdung der freistehenden Flächen und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.“

„Auswirkungen auf das Gemeindebudget“

Reinhold Reif, Obmann Jagdausschuss Deutsch-Jahrndorf, weist weiters darauf hin, dass die Gesetzesnovelle auch negative Auswirkungen auf die Gemeinden habe: In vielen Revieren würden derzeit vom Jagdausschuss bis zu 20 Prozent der Jagdpacht an die Gemeinden für den Bau und die Erhaltung von Güter- und Radwegen übermittelt werden. „Durch die Verminderung oder den Entfall dieser freiwilligen Mittel sind daher auch Auswirkungen auf die Budgets der Gemeinden zu befürchten.“

Auf Anfrage der BVZ heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrates Leonhard Schneemann: Die Verpachtung des Jagdrechts könne grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn es einen entsprechenden Wildstand gebe und sich das Wild frei bewegen und ernähren könne. Zur Verwaltungsvereinfachung entstehe künftig eine Entschädigungspflicht der Jägerinnen und Jäger in der Höhe von 90 Prozent erst ab einer tatsächlichen Schädigung von 10 Prozent der Fläche. „Es geht hier also um einen wechselseitigen Interessenausgleich. Zum einen liegt es im Interesse des Verpächters, dass es gesunde und adäquate Wildbestände in den Revieren gibt, auf der anderen Seite soll es aber auch zu einer praktikablen Abwicklung von Wildschäden zwischen Jagdausübungsberechtigtem und Bewirtschafter kommen.“ Die Begutachtung zur Novelle des Jagdgesetzes laufe noch bis 05.11.2020, und es sei der Landwirtschaftskammer als Interessensvertretung freigestanden, hier entsprechende Eingaben zu liefern.

„Wir sind stolz, die besten Niederwildreviere Österreichs, wie diese in Fachkreisen oft bezeichnet werden, zu verwalten. Durch viele Maßnahmen im Umweltbereich, beispielsweise zum Schutz der gefährdeten Großtrappen, ist es uns gelungen, in den Gebieten einen hervorragenden Lebensraum für Tier und Mensch zu schaffen. Durch das neue Jagdgesetz ist die bis dato hervorragende Zusammenarbeit von Grundeigentümern, Jagd und Gemeinden massiv gefährdet.“ Die gewählten Vertreter der Grundeigentümer der Gemeinden Deutsch-Jahrndorf, Gattendorf, Nickelsdorf und Zurndorf unisono