Künstler Kadassy: Auf der Suche nach Ruhe

Der slowakische Künstler Juraj Kadassy lebt seit sechs Jahren mit seiner Familie im Burgenland. Die BVZ sprach mit ihm über seine Arbeit und seine Familie.

Erstellt am 09. Mai 2021 | 03:23
Kadassy
Ruhe in Zurndorf. Kadassy lebt seit sechs Jahren mit seiner Familie im Burgenland.
Foto: zVg.

Juraj Kadassy ist Künstler und Grafikdesigner. Die Liste an Projekten, an denen der gebürtige Slowake in der Vergangenheit mitwirken durfte, wirkt endlos – darunter unzählige Kampagnen für die bekanntesten Konzerne und TV-Sender seiner Heimat. Heute lebt Kadassy mit seiner Frau und seinem Sohn in Zurndorf und genießt die Ruhe der Region.

Vor fast 50 Jahren kam Juraj in einer kleinen Stadt im Norden der Slowakei zur Welt. In Österreich lebt der Künstler seit mittlerweile acht Jahren. Zuvor war er als Grafikdesigner auf internationaler Ebene tätig und spezialisierte sich in seiner Arbeit auf Werbung und Fernsehen. Auf seiner Website findet man eine beeindruckend lange Aufzählung seiner Arbeitgeber und Projekte. „Ich habe für die größten TV-Sender meiner Heimat gearbeitet“, erklärt uns der 49-jährige Zurndorfer.

Heute sieht sich der Künstler jedoch nicht mehr in der Lage, ein derartig hohes Arbeitspensum zu erfüllen. Juraj Kadassy sehnt sich mittlerweile nach Ruhe. Diese fand er in der Gemeinde Zurndorf, die er nun seit sechs Jahren sein Zuhause nennt. „An diesem großartigen Ort fand ich die Ruhe, die ich gesucht habe“, meint Kadassy. Den Begriff „Psychohygiene“ fügt er mit einem Lachen hinzu.

Das aktive Künstlerleben im Rollstuhl

Ein weiterer Grund für seine Migration ins Burgenland ist die bemerkenswerte Barrierefreiheit vor Ort. Juraj Kadassy sitzt nämlich im Rollstuhl. „Anders als in der Slowakei ist Österreich optimal für meine Situation ausgelegt. Hier habe ich mit meinem Rollstuhl keine Probleme und kann reibungslos arbeiten.“ Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen bezeichnet sich der Künstler als sehr aktiver Mensch. Im Rollstuhl holt er sogar regelmäßig seinen Sohn vom Kindergarten ab.

Ganz zur Ruhe setzt sich der gebürtige Slowake dennoch nicht. Zurzeit arbeitet er an einem Buch über das Burgenland. Juraj und ein Freund aus Gattendorf werden dabei jeder burgenländischen Gemeinde eine Seite widmen und diese Seiten möchte er mit eigenen Illustrationen füllen.

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Freizeit. Neben seiner Arbeit malt der Slowake unheimlich gerne für seinen Sohn Markus.
BVZ

Abseits von seiner Arbeit malt Juraj Kadassy zumeist für seinen vierjährigen Sohn Markus. Für diesen schreibt er auch seit Jahren Tagebücher: „Als meine Frau und ich 2016 unseren Sohn erwarteten, begann ich, Tagebücher für ihn zu füllen.“ Grund dafür ist die eigene Neugier des Künstlers: „Als ich noch ein Kind war, habe ich meine Eltern ständig nach meiner Geburt und der Zeit unmittelbar danach gefragt. Sie konnten mir allerdings bloß die Sachen erzählen, an die sie sich erinnern konnten.“ Seinem Sohn möchte er jedoch ausnahmslos alles erzählen können und ihm somit die richtigen Werte vermitteln. „In meinen Einträgen schreibe ich die alltäglichen Ereignisse, unsere Gedanken und die Geschichte unserer Familie in ihrer Gesamtheit und vollkommen ehrlich nieder“, erklärt Kadassy in einem kanadischen Internet-Blog. Markus beteiligt sich mittlerweile aktiv an der Gestaltung der Tagebücher.

Außerhalb der Kunst beschäftigt sich der 49-Jährige intensiv mit Psychologie und Philosophie. Um sein Wissen in diesem Bereich zu vertiefen, startete Juraj Kadassy in jüngster Vergangenheit ein Psychologiestudium an einer Hochschule in der Slowakei. „Für mich ist dies allerdings bloß ein Hobby. Ich verfolge dabei keine höheren Ziele wie ein Marcus Aurelius“, erzählt der slowakische Künstler lachend. Seine eigene Lebensphilosophie: „Der schwierigere Weg ist meist der bessere!“ Diesen Gedanken teilte er mit seinem bereits verstorbenen Vater.