41-Jähriger mietete Haus und baute Drogen darin an

Polizei hob Plantage mit 1230 Cannabispflanzen aus. Mieter des Hauses und zwei „Gärtner“ vor Gericht.

Erstellt am 12. November 2021 | 06:53
Cannabis
Symbolbild
Foto: NOEN, Symbolbild

Alles wirkte seriös: Ein 41-jähriger Mann suchte für sich und seine Freundin ein Haus im Raum Oberpullendorf. Gleich nach der Schlüsselübergabe rückten die „Techniker“ an: Sie überbrückten den Stromzählerkasten und errichteten in den Innenräumen eine Indoor-Plantage mit Beleuchtung, Belüftung und Klimatisierung. Ab März 2021 wuchsen dort mehr als tausend Cannabispflanzen. Mindestens 33 Kilogramm hätte die Ernte ergeben. Vorige Woche mussten sich der 41-Jährige und zwei serbische Hilfskräfte vor einem Schöffensenat verantworten.

Tipp von FBI aus Amerika erhalten

Dass die Tätergruppe aufflog, ist einem Tipp des FBI, der zentralen Sicherheitsbehörde der USA, zu verdanken. Die serbische Drogenorganisation, die hinter der Plantage steckte, hatte sich wie andere Kriminelle der verschlüsselten Kommunikationsplattform „Anom“ bedient. Allerdings: Die App war eine Falle der Behörden. Drei Jahre lang hatten das FBI sowie die australische AFP „Anom“ selbst betrieben und die Kriminellen mit „abhörsicheren“ Telefongeräten versorgt.

Fortan hörte die Polizei bei der Kommunikation des organisierten Verbrechens mit. Anfang Juni 2021 erfolgte in einer weltweit konzertierten Aktion in 16 Ländern ein Schlag gegen die kriminelle Unterwelt. 800 Verdächtige wurden festgenommen, Drogen und Bargeld beschlagnahmt. Einige Tage zuvor hatte die Polizei auch die Drogenplantage im Raum Oberpullendorf gestürmt, nachdem man die Vorgänge dort eine Zeit lang observiert, die Telefone überwacht und den Stromverbrauch beobachtet hatte. 2,5 Kilogramm Cannabis von erheblicher Reinheit und 1230 Pflanzen wurden sichergestellt.

Ein „Anom“-Handy befand sich in dem Haus mit der Plantage, eines in der Wohnung des 41-jährigen Angeklagten im Bezirk Bruck/Leitha. Wie sich herausstellte, hatte der gebürtige Serbe ein weiteres Einfamilienhaus in Niederösterreich angemietet und ein weiteres anzumieten versucht. Dieser Mann habe, sagte Staatsanwalt Roland Koch, wie ein „Bereichsleiter“ agiert, als Bindeglied zwischen den auf der untersten Ebene der kriminellen Organisation angesiedelten Gärtnern und den Chefs in Serbien, die über Handys Aufträge erteilten. Vor Gericht bekannten sich die drei Angeklagten prinzipiell schuldig, es sei ihnen jedoch nicht bewusst gewesen, dass sie in einer kriminellen Organisation mit mehr als zehn Beteiligten arbeiteten.

„Ich schwöre bei Gott und meiner Enkelin, die ein Jahr alt ist, dass es nicht mehr als acht waren. Da bin ich schon dabei“, beteuerte der 41-Jährige. Der 41-Jährige, seit 1990 in Österreich, berichtete, dass er als „Tourist“ in Serbien einen Mann kennengelernt habe, der ihn dazu überredete, ein Einfamilienhaus in Österreich zu mieten. „Dann bekomme ich mein Zuckerl“, sagte der Angeklagte. 2000 Euro habe er bei der Schlüsselübergabe erhalten. Weitere 3000 Euro sollten beim Abernten der Plantage bezahlt werden. „Ich habe nichts bekommen, nur weiße Haare und einen Bauch und einen Bart“, jammerte ein angeklagter „Gärtner“. Als er mit seinem Komplizen ankam, seien die Pflanzen bereits vor Ort gewesen. Ein Mann habe ihnen gezeigt, wie sie sie betreuen sollten. Der Prozess wurde vertagt.