48 tote Hühner: Besitzer beschuldigen Nachbarn. Eine 76-jährige Pensionistin, ihr Sohn und zwei Enkel saßen auf der Anklagebank –wegen Stalkings der Nachbarn!

Von Elisabeth Kirchmeir. Update am 17. November 2016 (09:21)
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Symbolbild

Der Nachbarschaftsstreit soll schon lange geschwelt und sich unter anderem an Grenzstreitigkeiten immer wieder entzündet haben. Ab 2007 eskalierte der Streit: 48 Hühner am Anwesen der 76-jährigen angeklagten Pensionistin waren verendet. Die Familie verdächtigte die Nachbarn, das Geflügel vergiftet zu haben.

Keine tierärztliche Untersuchung

Von 2011 bis zum August 2016 sollen die Pensionistin, ihr 52-jähriger Sohn und die Enkelsöhne im Alter von 21 und 26 Jahren das Ehepaar am Nachbargrundstück beharrlich verfolgt haben. Und zwar indem sie, sobald sich die Nachbarn im Garten zeigten, entlang einer erst 2013 errichteten Mauer auf und ab marschierten und dabei Beleidigungen und Beschimpfungen äußerten.

Meist soll es dabei um die seit 2007 toten Hühner gegangen sein. Auf das Ereignis des Hühnersterbens – das nie tierärztlich untersucht wurde – wies der 55-Jährige mit einer Tafel hin, die er, für die Nachbarn sichtbar, am ehemaligen Hühnerstall montierte: „Hier hat eine geisteskranke Person in drei Abschnitten 48 Hühner vergiftet“.

Tafel am Hühnerstall schürte den Zwist

„Ich habe den Nachbar nie beschimpft, weil das nicht meine Art ist“, erklärte der 55-Jährige vor Gericht. Auch die Mitangeklagten bekannten sich nicht schuldig. Sie selbst würden unter Beschimpfungen der Nachbarn leiden. „Im Sommer ist es eskaliert“, berichtete der 64-jährige Nachbar, der die Anzeige erstattet hatte: „Am Schluss ging ich nur mehr mit Ohrenstöpseln raus.“ Er und seine Frau seien ständig als „Hühnermörder“ beschimpft worden.

Richterin Gabriele Nemeskeri schlug einen außergerichtlichen Tatausgleich vor, um auf diesem Weg – mit Hilfe der Organisation Neustart – eine Lösung zu finden, wie man in Frieden zusammenleben könne. Den Angeklagten gab sie mit, sie sollten „endlich mit dem leidigen Hühnerthema abschließen“. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt, um das Ergebnis des Tatausgleiches abzuwarten.