Anruf hätte Qual beenden können

Durch einen Anruf bei der Polizei hätten zwei Männer das Leid einer jungen Frau verhindern können.

Elisabeth Kirchmeir Erstellt am 18. April 2021 | 04:23
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Foto: Von Zolnierek, Shutterstock.com

 „Ich gebe zu, dass ich die Polizei hätte verständigen sollen“, sagte ein 27-jähriger IT-Techniker, der im Juni 2020 beobachtet hatte, wie eine 18-jährige Ungarin von einer 32-jährigen Frau und ihrem 41-jährigen Freund in einer Wohnung im Bezirk Oberpullendorf während einer Drogenparty zwei Tage lang misshandelt wurde.

Die Wohnungsmieterin und ihr Freund sind wegen schwerer Körperverletzung, Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, Nötigung und gefährlicher Drohung bereits rechtskräftig zu zweieinhalb beziehungsweise viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Vorige Woche fielen auch die Schuldsprüche gegen den IT-Techniker, der zufällig zu der Runde gestoßen war, weil ihn die Wohnungsmieterin gebeten hatte, ihr Auto zu reparieren, und gegen den 23-jährigen Freund des Opfers, der mit der Ungarin an der Drogenparty teilgenommen und von dem sich die 18-Jährige zwei Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus getrennt hatte. „Hätten die beiden Männer die Möglichkeit gehabt, das Ganze zu verhindern?“, fragte Richterin Doris Halper-Praunias die 18-Jährige. „Sie hätten körperlich eingreifen und die Polizei verständigen können“, sagte das Opfer vor Gericht.

„Ich traute mich nicht, hatte Angst vor ihnen“, erklärte der Ex-Freund der 18-Jährigen. „Ich hätte mich an ihrer Stelle sicher anders verhalten“, erklärte die 18-Jährige, die sich schließlich aus dem WC, wo sie eingesperrt worden war, befreien und durch einen Sprung aus dem Fenster im ersten Stock aus der Wohnung entkommen hatte können. Sie leide unter Albträumen und einem posttraumatischen Syndrom.

Die Opfervertreterin forderte für die junge Frau 20.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz. Allein die Behandlungskosten im Spital in Oberpullendorf beliefen sich für die nicht versicherte Frau auf 9.245 Euro.

„Es gab viele Möglichkeiten, wie Sie Hilfe hätten holen können. Sie haben es nicht getan“, hielt Staatsanwältin Petra Bauer den Angeklagten vor.

„Da sind zwei irrational handelnde Personen unterwegs, die schlugen alles kurz und klein, was sich bewegte“, verwies Verteidiger Florian Astl auf die Ausnahmesituation, die in der Wohnung im Bezirk Oberpullendorf geherrscht haben muss. Sein Mandant, der IT-Techniker, sei vom aggressiven Handeln der Haupttäter eingeschüchtert gewesen.

„Er war schwer verängstigt und in einem von Drogen beeinträchtigten Zustand“, brachte Verteidiger Dieter Gschiel für den Ex-Freund des Opfers vor.

Ein Schöffensenat verurteilte beide Männer zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. An das Opfer müssen sie jeweils 1.000 Euro bezahlen. Die Männer hätten durch einen Anruf bei der Polizei „gleich zu Beginn sämtliche Straftaten verhindern können“, stellte Richterin Doris Halper-Praunias fest. „Sie sind ja zwei gestandene Männer!“, fügte sie hinzu. Das Urteil ist rechtskräftig.