Aufregung um Rotwild

Die Auflage vor dem Erlegen eines Rotwildes ein Kahlwild zu schießen, sorgte für Diskussionen und für eine Beschwerde der Jäger beim Landesverwaltungsgerichtshof.

Erstellt am 28. Februar 2019 | 04:10
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Sabotage-Akt im Tierpark Buchenberg
Foto: Andreas Kössl

Beim vor Kurzem stattgefundenen Bezirksjagdtag wurde unter anderem über die Vorschussauflage diskutiert, gegen die beim Landesverwaltungsgerichtshof von den Jägern Beschwerde geführt wurde. Aufgrund des zu hohen Rotwildbestandes sollen Jäger durch diese Vorschussauflage vermehrt weibliche Stücke und Nachwuchs (also Kahlwild) schießen, um die Population in den Griff zu bekommen. Bezirksjägermeister Herbert Pfeiffer führt dazu aus: „Wir erledigen unsere Pflicht sowieso, da wird Zwang ausgeübt. Entscheidend ist, was wir am Ende des Jahres erreichen.“

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Statistik 2018. Auch die Strecke wurde beim Bezirksjagdtag präsentiert. Man habe bei Rotwild sowie bei Rehwild (91 Prozent) eine hohe Abschlussplanerfüllung, so Bezirksjägermeister Herbert Pfeiffer.
BVZ

Kahlwild sei sehr scheu, und problematisch werde diese Auflage vor allem dann, wenn die Hirsche auf den Feldern seien, denn das Kahlwild gehe nicht auf die Felder. Ein weiterer Punkt, gegen den die Jäger Beschwerde führten, war, dass erlegte Tiere innerhalb von vier Tagen kommissionell durch bewertet werden müssen – dies sei ein großer Aufwand, so Pfeiffer. Daher habe man dagegen Beschwerde beim Landesverwaltungsgerichtshof geführt. Dieser habe beim Punkt der Bewertung durch die Kommission festgestellt, dass der Bezirksjägermeister hier mehr Entscheidungsfreiheit bekommt. Das Vorschießen an sich sei laut Landesverwaltungsgericht aber in Ordnung. Allerdings gibt es noch die Möglichkeit der Revision beim Österreichischen Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshof. Diesen Weg wird man auch einschlagen, erklärt Bezirksjägermeister Herbert Pfeiffer.

„Dem Lebensumfeld angepasster Bestand“

Uschi Korner, Referatsleiterin des Referates Natur-, Tier- und Umweltschutz bei der Bezirkshauptmannschaft, meint dazu auf Anfrage der BVZ: „Die Behörde hat darauf zu achten, dass es einen dem Lebensumfeld angepassten Wildbestand gibt. Wir ziehen hier einen Sachverständigen bei, dieser hat diesen Vorschlag gemacht. Die Intention war, einen Ansporn zu geben, um auch weibliche Tiere und Nachwuchsstücke zu schießen.“

Hohe Erfüllung des Abschussplanes

Der Bezirksjägermeister berichtete beim Bezirksjagdtag außerdem, dass es im Jahr 2018 bei Rotwild (rund 93 Prozent) sowie bei Rehwild (91 Prozent) eine hohe Abschlussplanerfüllung gab. Große Probleme gäbe es bei der Weitergabe des Schwarzwildes an den Handel. „Die Preise sind nach wie vor katastrophal niedrig. Lobenswert ist aber, dass immer mehr das Wildbret direkt vermarkten“, so Pfeiffer. Der Landesjagverband habe hier eine Initiative gestartet, bei der die Marke „Wildes Burgenland“ für Wildbret aufgebaut werden soll.

Auch die Wildschäden-Problematik wurde beim Bezirksjagdtag thematisiert. „Insgesamt betrugen die Wildschäden im Bezirk 2018 mehr als 100.000 Euro. 2019 erwarten wir einen Anstieg aufgrund des starken Rotwildaufkommens in einigen Gemeinschaftsabschussrevieren. Wir werden weiterhin alles unternehmen, um auch die bestehende und im österreichischen Vergleich revolutionäre Wildschadenregelung weiter für Landwirte und Jäger zu verbessern“, betont der Bezirksjägermeister. Eine nächste Gesprächsrunde mit der Landwirtschaftskammer sei bereits vereinbart. Ziel sei die Schaffung eines landesweiten Wildschadenfonds.

„Insgesamt betrugen die Wildschäden im Bezirk 2018 mehr als 100.000 Euro"

Im Zuge des Bezirksjagdtages wurden auch Ehrungen überreicht. Johann Hofer aus Piringsdorf, Johann Kolarich aus Großmutschen, Franz Peter Malesits aus Ritzing, Gerhard Prior aus Nikitsch und Karl Tremmel aus Oberpetersdorf erhielten den Goldenen Bruch für 45 Jahre Mitgliedschaft beim Burgenländischen Jagdverband. Für 35 Jahre Mitgliedschaft wurde Johannes Ringauf auf Neckenmarkt geehrt.