Firma zahlte Privatpool: 74-Jähriger vor Gericht. Prozess wegen Untreue – Geschäftsführer eines Tourismusbetriebes im Bezirk Oberpullendorf erhielt am Donnerstag in Eisenstadt Diversion.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 15. November 2018 (12:50)
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Das Justizzentrum Eisenstadt.
Werner Müllner

Mit seinen 74 Jahren hatte sich der Angeklagte noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Dass er nun am Donnerstag dieser Woche am Landesgericht Eisenstadt vor Richterin Gabriele Nemeskeri sitzen musste, wollte er nicht so recht einsehen.

Und doch war das, was er 2016 getan hatte, nicht rechtens: Der betagte Geschäftsmann hatte sich privat einen Pool bauen und die Rechnungen in Höhe von 34.000 Euro über jenen Tourismusbetrieb im Mittelburgenland bezahlen lassen, den er seit 2013 als Geschäftsführer leitete und an dem er Gesellschaftsanteile von 51 Prozent hielt. Im Nachhinein erstellte er Kontenblätter, auf denen fingierte Gehaltszahlungen von 2000 Euro monatlich ausgewiesen waren.

Im Oktober 2016 wurde der Konkurs über dem verschuldeten Unternehmen eröffnet, kürzlich endete die Insolvenz mit der Liquidation der Firma.

„Ich sagte mir, moralisch steht es mir zu“

Er habe sich, so rechtfertigte sich der Angeklagte, kein Geschäftsführergehalt ausbezahlt, sondern vier Jahre lang „gratis gearbeitet“. Jener Betrag, den er für den privaten Pool aus der Firma genommen hatte, sei unter jenem gelegen, der ihm als Geschäftsführer zugestanden wäre, argumentierte der Angeklagte.

„Ich sagte mir, moralisch steht es mir zu, weil ich viel gearbeitet hatte mit meinen 74 Jahren“, schwankte er vor Gericht zwischen Schuldeingeständnis und Rechtfertigung. Im Endeffekt habe er aber doch ein „schlechtes Gewissen“ gehabt, weil er „so etwas noch nie gemacht“ habe.

Außerdem sei er verärgert gewesen, weil er den Tourismusbetrieb gerne „herausgekauft“ hätte, sagte der Ex-Geschäftsführer.

Die Richterin bot dem Mann, der sich schlussendlich doch zu einer Verantwortungsübernahme durchringen konnte, eine Diversion an: Wenn er 2400 Euro Geldbuße bezahlt und den beiden Mitgesellschaftern 10.000 Euro für den erlittenen Schaden überweist, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.