Nachbar drohte: "Blut wird fließen"

„Blut wird fließen!“, soll ein gebürtiger Albaner seinem Nachbarn und Landsmann gedroht haben. Nun trafen sich die beiden vor Gericht.

Elisabeth Kirchmeir Erstellt am 19. März 2021 | 04:34
Gericht Symbolbild
Symbolbild
Foto: Von Zolnierek, Shutterstock.com

Zwei gebürtige Albaner leben im Bezirk Oberpullendorf auf benachbarten Grundstücken. Im September 2020 eskalierte ein Streit um eine Mauer, weshalb sich die Männer im Alter von 58 und 53 Jahren am Montag dieser Woche vor Richterin Daniela Berger trafen.

Der 53-Jährige soll seinem Landsmann und Nachbarn gedroht haben: „Blut wird fließen, wenn du die Torpfosten mit Schrauben an meiner Mauer befestigst“. Der 58-Jährige soll daraufhin mit einer Stange, die im Garten zum Hochbinden von Tomaten verwendet wird, auf den Kontrahenten eingeschlagen und diesem einen Kübel nachgeworfen haben. Die Staatsanwaltschaft hatte die beiden Streithähne zum Verein Neustart geschickt, der einen Außergerichtlichen Tatausgleich organisieren sollte. Dieser Versuch scheiterte allerdings.

„Warum ist daraus nichts geworden?“, fragte die Richterin. „Ich bin nicht schuld“, erklärte der 53-Jährige. Und auch der 58-Jährige war überzeugt davon, nichts Strafbares angestellt zu haben. Richterin Daniela Berger bot – bei beidseitiger Verantwortungsübernahme – eine Diversion ohne Vorstrafe an und redete beiden Männern ins Gewissen: „Sie wohnen nebeneinander und werden nicht aneinander vorbeikommen!“

„Ich übernehme gar nichts!“, blieb der 53-Jährige stur. Vor allem sei er nicht bereit, die vom Gericht festgelegten 100 Euro Pauschalkosten zu bezahlen. Auch als der 58-jährige von einem Anwalt vertretene Nachbar 200 Euro als Schadensgutmachung für die verursachten Schmerzen anbot, ließ sich der andere nicht erweichen: „Ich will nicht Probleme, aber er!“

„Er kommt vom Dorf, ich aus einer großen Stadt“, schüttelte der 58-Jährige den Kopf. Beide seien sie „mit einem Plastiksackerl nach Österreich gekommen“. „Jetzt habe ich ein Haus, er hat ein Haus“, so der 58-Jährige, der seit 15 Jahren in einem Freizeitbetrieb tätig ist. Erst als die Richterin dem Sohn des 53-Jährigen erklärte, warum eine Diversion sinnvoll wäre, und dieser mit dem Vater gesprochen hatte, kam Bewegung in die Angelegenheit.

„13 Jahre bin ich da. Ich will nicht morgen das Haus verkaufen. Ich will Ruhe haben“, murrte der 53-Jährige. „Wir hatten nicht 13 Jahre Probleme“, stellte sein Nachbar klar. „Wir Albaner sind nicht so…“

„Bitte geben Sie sich die Hand, auch für Ihre Kinder!“, appellierte die Richterin an die Angeklagten. Nun endlich erhoben sich die Männer von der Anklagebank, wandten sich einander zu und berührten sich gegenseitig mit den ausgestreckten Fäusten – einer pandemiegerechten Variante des versöhnlichen Shakehands. Damit kam die Diversion zustande.

Der 58-Jährige muss seinem Nachbarn 200 Euro Schadenersatz bezahlen, beide müssen je 100 Euro ans Gericht überweisen, dann wird das Verfahren eingestellt.

„Gehen Sie einmal auf ein Bier!“, empfahl Staatsanwalt Roland Koch. „Trinken Sie ein Zaun-Bier!“