Nächtliche Attacken gegen Häuser und Zäune der Nachbarn. Eine 55-jährige Frau wurde verurteilt, weil sie die Häuser und Zäune ihrer Nachbarn beschädigt haben soll.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 23. Oktober 2019 (03:59)
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Mehrere Nachbarn der 55-jährigen Pensionistin hatten wegen Sachbeschädigungen Anzeige erstattet. Die Frau soll nachts Eingangstüren, Zäune und Stufen mit Lackfarbe oder brauner Flüssigkeit übergossen haben. Insgesamt wurden vier Sachbeschädigungen bei Nachbarn angeklagt. Außerdem soll die Frau gegen das Fahrrad eines Zwölfjährigen getreten haben, sodass dieser zu Sturz kam und das Fahrrad beschädigt wurde.

Von Richterin Birgit Falb zu den Vorwürfen befragt, bekannte sich die Frau nicht schuldig. Zu der Farb-Attacke auf das Haus eines Vis-a-vis-Nachbarn befragt, gab sie an: „Das Verhältnis ist denkbar schlecht. Er versucht seit vielen Jahren, meine Mutter und mich zu ärgern.“ Bei der angezeigten Beschmierung soll es sich bereits um den siebenten Angriff auf Eigentum des Nachbarn handeln, hielt die Richterin der Frau vor.

Diese wollte offenbar den Spieß umdrehen: „Er hat eine Rechnung offen und wird keine Ruhe geben“, unterstellte sie dem Nachbarn. Die Angeklagte deutete auch eine Verschwörung der Nachbarschaft gegen ihre Person an. Auf Videoaufnahmen ist eine Person in Kapuzenjacke zu sehen, die sich spätnachts – etwa um 0.33 oder 2.12 Uhr – mit einem Sack zu Häusern in der Nachbarschaft begibt, herumhantiert und wieder ins Haus der Angeklagten zurückgeht. „Waren Sie das?“, wollte die Richterin wissen. „Ja, schaut so aus“, antwortete die Angeklagte. Sie behauptete, einmal den Hund des Nachbarn mit einem Hundeabwehrgerät zur Ruhe gebracht zu haben, ein andermal bei einer Nachbarin wegen eines Klopfgeräusches Ausschau gehalten zu haben. „Am nächsten Tag wurde eine Sachbeschädigung festgestellt“, hielt ihr die Richterin vor.

Sachbeschädigung „kein Zufall“?

„Ja, das ist kein Zufall“, antwortete diese. „Sie meinen, dass der Nachbar das selber gemacht hat?“, vergewisserte sich die Richterin. Ein von der Staatsanwaltschaft beigezogener psychiatrischer Sachverständiger stellte fest, dass die Angeklagte zurechnungsfähig ist, aber unter bestimmten psychischen Einschränkungen leidet. Der Gutachter fragte: „Sie erzählten mir, dass das Ziel wäre, dass Sie dort verschwinden?“ „Das könnte das ultimative Ziel sein“, bestätigte die Angeklagte und sprach von einer „engen Bindung“ eines Nachbarn zum Bürgermeister. Ein Zusammentreffen mit drei Burschen auf Fahrrädern hatte die Angeklagte selbst mit ihrem Handy gefilmt. „Ich wollte aufnehmen, was sie schimpfen“, erklärte die Frau. „Sie schimpften doch auch!“, hielt ihr die Richterin vor. Auf der Videoaufnahme sei zu hören, wie die Angeklagte zu den drei Kindern sagte: „Ist die Sonderschule schon aus?“ „Haben Sie gegen das Fahrrad getreten?“, wollte die Richterin wissen. „Nein!“, erwiderte die Angeklagte.

„Seit 2016 werden wir verspottet, wenn wir aus dem Haus gehen“, berichtete ein als Zeuge befragter Nachbar. „Wenn ich hinausgehe und die Zeitung hole, ist der Teufel los!“. Von einer Verschwörung der Nachbarschaft wisse er nichts.

Die Frau wurde wegen sämtlicher angeklagter Sachbeschädigungen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie zur Schadensgutmachung verurteilt. Sie kündigte noch im Gerichtssaal volle Berufung gegen das Urteil an. Dieses ist nicht rechtskräftig.