ÖVP durchstieß die 40 Prozent-Marke. ÖVP liegt im Mittelburgenland um 9,3 Prozent vor der SPÖ, auch Grüne und NEOS legen zu. FPÖ muss größtes Minus hinnehmen.

Von Elisabeth Tritremmel und Michaela Grabner. Erstellt am 01. Oktober 2019 (10:30)
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Am Wahltag in den Bezirksparteibüros. Bei der ÖVP wurde gejubelt und gefeiert.

„Dass ich so einen Tag wie heute erleben darf“, strahlt ein ÖVP-Grande des Bezirks im Bürgerbüro. Der Raum von Bezirksparteiobmann Niki Berlakovich platzt bei der ersten Hochrechnung aus allen Nähten, so viele Funktionäre haben sich vor dem Fernseher eingefunden. Als sich der türkise Balken über 35 Prozent hinaufschraubt, springen einige von ihren Stühlen auf. Es wird gejubelt, applaudiert und geballte Fäuste schießen in die Höhe.

„Wir freuen uns über dieses großartige Ergebnis“, strahlt Berlakovich, der selbst als einziger Mittelburgenländer wieder in den Nationalrat einziehen wird. Im Bezirk hatte die SPÖ bei Nationalratswahlen 40 Jahre die Mehrheit. „Letztes Mal konnten wir sie knapp überholen, jetzt haben wir einen Vorsprung über 9 Prozent das freut uns sehr“, bedankt sich Berlakovich bei Wählern und Funktionären für die 41,5 Prozent Stimmenanteil, womit man um 9,3 Prozent vor der SPÖ liegt. „An einen so großen Abstand bei einer Wahl im Bezirk kann sich keiner erinnern.“ Für Berlakovich ist das Ergebnis ein starkes Signal dafür, dass Kurz Bundeskanzler werden soll. Koalitionswünsche wollte er keine nennen. Für ihn ist entscheidend, dass es nur eine Regierung mit der ÖVP gibt, denn „wir wollen den Weg der Entlastung und für mehr Sicherheit weitergehen.“

Jubelstimmung herrscht auch bei den Grünen, die im Bezirk um 4,3 Prozent auf 6,1 Prozent zulegten. „Wie man sich wahrscheinlich denken kann, sind wir überglücklich und äußerst dankbar für das Vertrauen, das in uns gesetzt wird“, so Grünen-Bezirkssprecher Roland Lehner. „Dieses Wahlergebnis beweist auch, dass man mit den richtigen Themen und den richtigen Konzepten sehr wohl Wahlerfolge erzielen kann. Das Ergebnis im Bezirk spiegelt eigentlich exakt die Aufbruchstimmung wider, die es bei den Grünen seit vergangenem Jahr auch – und gerade – in unserem Bezirk gibt.“

Schwer enttäuscht über das bundesweite Ergebnis zeigt sich FPÖ-Bezirksobmann Herbert Adelmann, auch als Bezirksspitzenkandidat und Wahlkampfleiter. Im Bezirk verlor die FPÖ 7,1 Prozent an Stimmen. „Es ist niederschmetternd, wenn ich daran denke, wie viel Energie wir in den Wahlkampf im Bezirk reingesteckt haben. Mein Team und ich sind uns wundgelaufen. Aber man ist machtlos, wenn ein gutes Ergebnis durch die mediale Hetze zerstört wird“, so Adelmann.

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Das einzig Positive, das er am „Desaster“ sieht, ist dass man im Burgenland dank der guten Regierungsarbeit von Hans Tschürtz im Vergleich zu anderen Bundesländern ein gutes Ergebnis von 17,92 Prozent aufzuweisen habe. „Ebenso haben wir gemeinsam mit dem Bezirk Mattersburg hier im Bezirk den geringsten Minuswert von aller Bezirke, was zeigt, dass wir viel Energie in den Wahlkampf gesteckt haben und in der Bezirkspartei im Aufwind sind.“

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Am Wahltag in den Bezirksparteibüros. Die SPÖ mit Michael Kefeder und Heinrich Dorner hatte viel zu analysieren.

SPÖ-Bezirksvorsitzender Heinrich Dorner meint angesichts des Minus von 3 Prozent: „Der Ausgang der Nationalratswahl ist sehr unerfreulich und schmerzhaft, da gibt es nichts zu beschönigen. Festzuhalten ist allerdings, dass es sich bei dieser Wahl um eine Bundeswahl gehandelt hat, die noch dazu unter speziellen Vorzeichen stattgefunden hat – Stichwort Ibiza-Video und die damit verbundenen Skandale und Affären. Wir konnten im Burgenland die schwere Niederlage der SPÖ, die auf alle Bundesländer durchgeschlagen hat, ein wenig abfedern und haben noch das beste Ergebnis aller roten Landesorganisationen erzielt. Das kann allerdings nicht der Anspruch der Sozialdemokratie sein. Der muss immer sein, stärkste Kraft zu werden.“

Für die Landtagswahl sieht Dorner keine Folgen. Was den Bund betrifft ist für ihn der Wahlausgang „sicherlich kein Auftrag für die SPÖ, eine Koalition zu bilden. Die Partei muss sich die Zeit nehmen, das Ergebnis und die Ursachen für das Wahlergebnis im Detail zu analysieren und schonungslos aufzuarbeiten.“

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