Tourismus hinkt 40 Prozent nach. Bei der Vollversammlung wurde aktuelle Übernachtungsstatistik beleuchtet. Fazit: Coronabedingtes Minus im Bezirk Oberpullendorf nicht mehr aufholbar.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 15. Oktober 2020 (05:55)
Nach der Vollversammlung. Obmann Günter Kurz (hinten, 2.v.l.), Stellvertreter Christian Gradwohl (vorne Mitte) sowie die Vrostandsmitglieder Werner Cerutti (vorne links), Alfred Szczepanski (vorne rechts), Thomas Angerer (hinten rechts) und das neu gewählte Vorstandsmitglied Michael Van der Sanden (hinten, 2.v.r.) erörterten die aktuelle Situation des Tourismus im Bezirk. Als offizieller Vertreter des Landes war Landtagsabgeordneter Roman Kainrath (hinten links) dabei.
Grabner

Über aktuelle Nächtigungszahlen, die Aussichten für den Tourismus in den kommenden Monaten sowie die geplanten Marketingaktivitäten noch heuer und im kommenden Jahr wurde bei der Vollversammlung des Tourismusverbands Lutzmannsburg Mittelburgenland am Mittwoch vergangener Woche im Vinatrium Deutschkreutz informiert und diskutiert.

Mit Ende August verzeichnete der Tourismus im Mittelburgenland in der Übernachtungsstatistik im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 39,1 Prozent (siehe Grafik). „Auch für uns im Mittelburgenland war 2019 ein noch nie da gewesenes Ergebnis. Das Burgenland lag mit einem Nächtigungsplus von 3,1 Prozent deutlich über 3 Millionen Nächtigungen, das Mittelburgenland hatte 3,4 Prozent Steigerung. Wir haben 10 Prozent der Nächtigungen zum Landesgesamtergebnis beigetragen“, berichtete Obmann Günter Kurz.

Das Mittelburgenland ist bettentechnisch – wenn man die Camper am Neusiedlersee und die PVA-Nächte abzieht– übernachtungsstärkste Region im Burgenland. Hier gibt es nur Nächte, die von Unternehmen gebracht werden und nicht von der Sozialversicherung oder der Pensionsversicherungsanstalt.

Einem guten Jänner 2020 folgte ein sehr guter Feber mit einem Plus von 3,3 Prozent. „Wir waren im Februar gut unterwegs. Auch die Forecasts haben gut ausgeschaut. Wir waren sicher, dass wir das Ergebnis von 2019 noch toppen können“, führte Sonnentherme-Geschäftsführer Werner Cerutti aus, der die Zahlen fürs Mittelburgenland in Vertretung von Tourismusverband-Geschäftsführer Hans Peter Filz präsentierte.

Tourismusverband Lutzmannsburg Mittelburgenland, Bild: August_0802/shutterstock.com/Dürrmoser

Doch dann kam Corona und damit der Lockdown am 16. März, was sich allein im März mit einem Minus von 64,4 Prozent auswirkte. Mit 1. Juli eröffnete dann der Leitbetrieb Sonnentherme wieder. „Der Juli war ein guter Monat und auch der August war gut. Wir konnten die Ergebnisse steigern, allerdings nicht die Übernachtungen. Das hängt mit nicht verfügbaren Zimmern zusammen. Ein Betrieb mit 42 Zimmern hat nicht aufgesperrt. Das ist bei 260 Zimmern ein riesiger Brocken. Daher weisen Juli und August ein kleines Minus gegenüber 2019 auf, obwohl die Zimmer voll waren“, führte Cerutti aus. Über 35.000 Nächtigungen habe man realisieren können. Und er erklärte nochmals, warum die Sonnentherme nicht schon im Juni wieder eröffnet hatte, was im Sommer auch für einige Kritik in der Region gesorgt hatte. „Es war eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Wir hatten für Juni eine Forecast für die Auslastung von nur rund 20 Prozent“, so Cerutti, der ausführte, dass das Break Even beim Hotel Sonnenpark bei etwa 75 Prozent Auslastung liege.

Für das heurige Budget des Tourismusverbandes, das ebenso wie jenes für 2021 von der Vollversammlung abgesegnet wurde, rechnet man mit Mindereinnahmen bei den Ortstaxen von 30 Prozent. „Das hängt davon ab, wie sich Oktober, November und Dezember entwickeln. Die Forecasts für November und Dezember sehen nicht so aus, wie wir sie gerne hätten“, so Cerutti. Aber man habe gesehen, dass man im Juli und August reüssieren konnte und die Hotels letztendlich voll gewesen seien, obwohl man nicht viel in den Büchern hatte. Ein Faktor wird auch sein, wie sich coronabedingt die Grenzsituation mit Ungarn weiterentwickelt. „Wenn der ungarische Markt nicht mehr vorhanden wäre, würde das sechs bis sieben Prozent Nächtigungen weniger in Lutzmannsburg bedeuten“, so Cerutti. Gewiss scheint nur eines: „Das Minus von 40 Prozent ist nicht mehr aufholbar.“

Neue Homepage seit September

Im September ging man mit einer neuen Homepage online. Diese möchte die Angebote der Region für den Gast in wenigen Klicks erlebbar machen. Auch die Radkarte wurde erneuert. Insgesamt sind im Jahr 2020 280.000 Euro für Marketingaktivitäten budgetiert. Einige Aktionen sind noch geplant. Aktuell läuft etwa bis Mitte November eine Mobile Local Targeting Kampagne.