„Seit Faschingdienstag 2020 täglich im Corona-Einsatz“. Erster Corona-Fall im Bezirk Oberpullendorf wurde am 7. März 2020 bekannt. Bezirkshauptmann Trummer im Interview, was in der Behörde seither geschah.

Von Redaktion Oberpullendorf. Erstellt am 10. April 2021 (03:24)
Corona-Stab. Bezirkshauptmann Klaus Trummer (2.v.r.) mit seinen Mitarbeiterinnen (v.l.) Laura Reiner, Elisabeth Stranz, Bezirkshauptmannstellvertreterin Uschi Korner, Sandra Wimmer-Lieb und Claudia Priedl.
Grabner

BVZ: Wir befinden uns wieder in einem Lockdown. Hätten Sie sich im März 2020 vorstellen können, wie sehr Corona die Behörde beschäftigen wird?

Klaus Trummer: Schon als Corona noch ganz am Beginn war, haben wir entschieden, eine Stabsarbeit aufzubauen nicht nur in Hinblick auf Corona, sondern etwa auch wegen der Afrikanischen Schweinepest. Wir haben einen eigenen Corona-Stab eingerichtet, der am Faschingdienstag 2020 das erste Mal aktiv war. Fast alle Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft sind im Stab drinnen gewesen oder noch drinnen. Mittlerweile haben wir vier Teams aus allen Bereichen, die tageweise wechselnd tätig sind. Seit Faschingdienstag 2020 ist die Bezirkshauptmannschaft täglich im Corona-Einsatz – auch am Samstag und Sonntag, zu Weihnachten, Silvester und Ostern. Was die Mitarbeiter leisten und mit welchem Engagement sie nach wie vor dabei sind, ist etwas, das man hervorstreichen muss. Es hat schon Tage gegeben, wo wir physisch und psychisch ordentlich gefordert waren.

BVZ: Was waren die schwierigsten Herausforderungen?
Klaus Trummer:  Die reine Zahl der Erkrankungen und das technische System, das unzureichend war, um so eine Pandemie effektiv abzuarbeiten. Anfangs musste jeder Bescheid geschrieben, amtssigniert, versendet, ausgedruckt und abgelegt werden. Wir hatten damals einen Raum mit Unmengen an Papier. Daneben musste man Befunde abfragen, Personen verständigen, nachtelefonieren und allgemeine Fragen zu Corona beantworten. Es wurde dann aber ein neues EDV-System installiert, mit dem wir jetzt alles elektronisch abarbeiten können und das sehr effizient ist.

Als Gesundheitsbehörde sind wir massiv gefordert. Die Stimmung ist aber nach wie vor eine positive. Obwohl sich jeder am Rande der Leistungsbereitschaft befindet, ist die Motivation trotzdem groß.

BVZ: Gab es einen Moment, als Sie gedacht haben „Das schaffen wir nicht mehr?
Klaus Trummer:  Die schwierigste Zeit war der Herbst 2020 mit ungemein steigenden Fallzahlen und den Erkrankungen im Haus selbst. Das war die Phase, als die Bezirkshauptmannschaft in den Lockdown gehen musste. Wir haben getestet, getestet und getestet, dennoch haben die Erkrankungen überhand genommen. An die 20 Mitarbeiter waren betroffen, also fast die Hälfte. Daher sind wir bewusst eine Woche in den Lockdown gegangen.

BVZ: Wie wirkt sich Corona auf die „normale“ Arbeit der Behörde aus?
Klaus Trummer:
Aktuell sind es pro Tag um die zehn Personen, die mit Corona beschäftigt sind und das in vier sich abwechselnden Teams aus allen Bereichen, damit Linien- und Stabsdienst parallel funktionieren können. In etwa sind 15 Prozent der Mitarbeiter im Corona-Stab eingesetzt, die fehlen im Linien-Dienst. Bei bestimmten Dingen kommt es also vor, dass Rückstände aufgebaut werden. Die Frage ist, was ist prioritär und wo ist Handlungsbedarf. Wenn es beispielsweise um Kindesmisshandlung geht oder die Mindestsicherung, wo eine Familie auf Geld wartet, kann man nicht sagen, ich schaue mir das in ein paar Monaten an, wenn Corona vorbei ist.

BVZ: Wie ist die derzeitige Lage im Bezirk Oberpullendorf?
Klaus Trummer:
 Von den Inzidenzen liegen wir im Schnitt der Bezirke. Uns hilft stark das neue EDV-System. Früher haben wir den Befund organisiert und und die Testpersonen telefonisch informiert. Heute bekommt man nach einem PCR-Test einen negativen Befund per SMS. Das hat uns etwas Luft zum Arbeiten gegeben. Von den Inzidenzen hat es im Herbst Tage gegeben, wo wir deutlich höher waren, auch wenn diese Erkenntnis keine berunuhigende ist. Denn die Inzidenz ist sicher hoch. Deutschland redet von Inzidenzen unter 50, wir stehen im Bezirk beim Vierfachen und das wird sicher nicht von alleine weggehen.

Es ändern sich fast täglich irgendwelche Regelungen – wie lange dauert die Quarantäne, wann ist man K1-Person – , weil sich sowohl medizinisch-wissenschaftlich als auch juristisch ständig etwas ändert.

BVZ: Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen „lockdown-müde“ geworden sind?
Klaus Trummer:
Das geht von bis. Es gibt sicher Leute, die um ihre Existenz Sorge haben. Und wenn ich mich beispielsweise in einem Haus mit Garten bewegen kann, wird es anders sein, als wenn ich zwei Kinder versorgen muss und in einer Wohnung bin. Die ganzen Begleitumstände spielen hier eine wesentliche Rolle.

BVZ: Spielen „Corona-Partys“ im Bezirk eine Rolle im Infektionsgeschehen?
Klaus Trummer:
Es gibt immer wieder Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung. Meistens geht es um Abstandsvorschriften und Maskentragen. Ein weiteres Thema sind Personen aus mehreren Haushalten. Dass es irgendwelche Garagenpartys mit 40, 50 Leuten gegeben hätte, davon wäre mir nichts bekannt.

BVZ: Gab es im Bezirk größere Cluster in Bildungseinrichtungen?
Klaus Trummer:
Schulen und Kindergärten waren schon auch betroffen, aber nie ganze Einrichtungen, sondern nur einzelne Klassen.

BVZ: Wie denken Sie, dass sich die Lage in den kommenden Monaten entwickeln wird?
Klaus Trummer:
Es wird davon abhängen, wie schnell der Impffortschritt sein kann und welche Mutationen auftreten. Ich habe gehört, dass ein Tiroler Virologe eine größere Welle mit einer Mutationsvariante erwartet. Wir sind eingerichtet, dass wir den Stabsdienst so weiter führen, denn die Gesundheitsbehörde der Bezirkshauptmannschaft besteht eigentlich aus einer Amtsärztin und zwei Kanzleikräften.

BVZ: Wie stehen Sie persönlich zur Impfung?
Klaus Trummer:
 Ich glaube, die einzige Möglichkeit aus der Pandemie raus- und wieder in eine Normalität reinzukommen, wird nur durch eine entsprechende Durchimpfung gegeben sein. Ich lasse mich impfen.

BVZ: Was würden Sie gern wieder tun, was aktuell nicht möglich ist?
Klaus Trummer:
Reisen geht mir nicht wirklich ab. Ich würde den Kultur- und Festivalsommer genießen. Für das Lisztfestival im Oktober habe ich schon Karten. Und vor allem die familiären und gesellschaftlichen Treffen gehen mir ab.