Stromleitung für das Mittelburgenland

Netz Burgenland baut 110kV-Leitung von Oberpullendorf nach Rotenturm.

Erstellt am 18. November 2021 | 03:23

Bei einem Informationsabend im Sporthotel Kurz konnten sich Bürger über den Bau der sogenannten Mittelburgenland-Leitung informieren. Wie die BVZ berichtete, möchte die Netz Burgenland, ein Tochterunternehmen der Energie Burgenland, eine neue 110kV-Stromleitung vom Umspannwerk Oberpullendorf bis zum Umspannwerk Rotenturm errichten. Experten informierten über rechtliche Aspekte, Auswirkungen auf die Umwelt, Trassenführung aber auch zum Thema Versorgungssicherheit. „Die dezentrale Produktion von Wind- und Sonnenergie und deren weitere Nutzung, vor allem aber deren Transport, verlangt nach einem Ausbau der Netzinfrastruktur, damit wir den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen können. Die geplante 110kV-Leitung ist ein wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Versorgungssicherheit im Burgenland“, erklärte Projektleiter Manfred Herowitsch.

Derzeit laufen Planungen zur Aufnahme von weiteren 600 Megawatt Wind- und Sonnenstrom in regionale und nationale Netze. Um geplante Wind- und Photovoltaikprojekte im Bezirk realisieren zu können, brauche es diese Verstärkung des Leitungsnetzes. Laut den beim Infoabend anwesenden Experten wird bei der Trassenführung darauf geachtet, dass diese möglichst landschaftsschonend und umweltfreundlich erfolgt. Die Leitung wird von Oberpullendorf aus auf den ersten Spannfeldern auf der bestehenden Leitungstrasse Richtung Markt St. Martin mitgeführt, um dann den direkten Weg Richtung bestehender 380kV-Leitung zu nehmen. Zu dieser wird sie bis Rotenturm in einem Abstand von zirka 35 Metern parallel geführt außer im Bereich Pilgersdorf, wo man den bestehenden Serpentinsteinbruch umgeht. Die Leitungslänge beträgt rund 43 Kilometer, 141 Masten werden gesetzt.

Rechtsanwalt Christian Onz, der das Projekt begleitet, erläuterte, dass eine solche Leitung dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz unterliegt, zumal diese bei Bernstein-Lockenhaus-Rechnitz durch Natura 2000-Gebiet führt und auch Rodungen erforderlich sind. Naturschutz-Sachverständiger Martin Kühnert ergänzte, dass es durch den weitestgehend parallelen Verlauf zur 380kV-Leitung zu keiner neuen Landschaftsbeeinträchtigung komme und dank der Freileitung allfällige sensible Lebensräume überspannt werden. Die Entfernung zu Wohnobjekten betrage meist mehrere hundert Meter, mindestens aber 150 Meter weshalb es keine Auswirkungen durch Lärm, Luftschadstoffe oder elektromagnetische Felder gäbe. „Bäume werden nur jene entfernt, die den Mindestabstand zum Leiterseil unterschreiten. Die für den Bau nötigen Rodungen werden nachher wieder aufgeforstet“, führte Kühnert aus.

„Wir sehen es als Klimaschutzprojekt, weil es den weiteren Ausbau nachhaltiger Energie ermöglicht.“

Im ersten Quartal 2022 soll das Projekt zur Genehmigung eingereicht werden. Nach erfolgter Bewilligung – wenn es zu einer Genehmigung in erster Instanz kommt, rechnet man frühestens mit einem Baustart Mitte 2023 – beträgt die Bauphase zirka zwei Jahre.