Ritzinger in Corona-Quarantäne. Bis 19. März sind Daniel Gmeiner und seine Freundin in Heimquarantäne in ihrer Wohnung in Wien. Sie arbeiten von zu Hause aus und erledigen aufgeschobene Sachen.

Von Sarah Tesch. Erstellt am 19. März 2020 (03:09)
Wichtiger Schutz für alle. Daniel Gmeiner empfindet die Quarantäne angenehmer als gedacht. „Die Quarantäne nicht nur ein Selbstschutz, sondern auch ein dringend notwendiger Schutz vor der möglichen Weiterverbreitung“, betont der Ritzinger.
zVg

Wer mit einer mit Corona infizierten Person in Kontakt war, muss in Quarantäne. So erging es dem gebürtigen Ritzinger Daniel Gmeiner. Der 35-Jährige kam auf einem Event in Kontakt mit einer Person, die im Nachhinein positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Seit 4. März sind er und seine Freundin nun in ihrer Wohnung im fünften Wiener Gemeindebezirk in Heimquarantäne. Symptome zeigen sie keine. Wir haben mit ihm telefoniert.

BVZ: Wie haben Sie erfahren, dass Sie mit einer Person in Kontakt gekommen sind, die auf das Coronavirus positiv getestet worden ist?
Gmeiner: Mit meiner Freundin habe ich in Wien eine Vernissage einer befreundeten Agentur besucht und stand dort auf der Gästeliste. Als die Person, die ich dort getroffen habe, einige Tage später Symptome zeigte und das Coronavirus bei ihr nachgewiesen wurde, bekam ich umgehend einen Anruf. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich im Büro. Nach einem kurzen Austausch mit meinem Chef haben wir beschlossen, dass ich sofort nach Hause gehe und die Gesundheitsnummer 1450 anrufe. Dort wurde ich gut beraten und da ich keine Symptome habe und hatte, wurde ich auch nicht getestet. Mir wurde anschließend ein Bescheid ausgestellt mit der Anweisung, die Wohnung nicht zu verlassen. Bis inklusive 19. März sind meine Freundin und ich jetzt in Heimquarantäne und versuchen diese Zeit bewusst zu genießen. Der Verzicht auf für die Menschheit selbstverständlich gewordene Dinge kann durchaus bereichernd sein.

Wie sieht da die Regelung mit den Arbeitgebern aus?
Wir haben das Glück, dass wir beide Jobs haben, die auch im Home Office erledigt werden können – über Email, Telefonate oder Videokonferenzen. Wir arbeiten daher ganz normal daheim weiter. Etwaige Treffen finden dann, so auch privat, einfach online statt. Natürlich ist das nicht bei allen Branchen und Berufsgruppen umsetzbar.

Im normalen Alltag merkt man gar nicht, wie viele Nahrungsmittel man in der Tiefkühltruhe oder in Vorratskammern hortet

Wie ist das mit den Vorräten: Haben Sie alles daheim?
Im normalen Alltag merkt man gar nicht, wie viele Nahrungsmittel man in der Tiefkühltruhe oder in Vorratskammern hortet. Das verbrauchen wir nun alles - das tägliche Kochen macht Spaß. Alle zwei Wochen bekommen wir auch eine BIO-Kiste mit frischen Lebensmitteln nach Hause geliefert, damit kommen wir jetzt auch wieder eine Woche aus. In der Stadt kann man sich ja generell alles nach Hause liefern lassen. Auf dem Land ist das eine größere logistische Herausforderung. Uns fehlt bislang nichts. Über köstlichen Wein aus dem Mittelburgenland würden wir uns jedoch freuen! (lacht)

Sie sind also gut versorgt und zeigen keine Symptome. Wie verläuft so ein Tag in Quarantäne?
Wie gesagt, wir arbeiten beide ganz normal von zu Hause aus, sparen uns den Arbeitsweg und verbringen auch nicht so viel Zeit wie sonst im Bad bzw. in der Garderobe, da die Arbeitskleidung der Jogginganzug ist. Wir haben auch viel Zeit, andere Sachen zu erledigen, die man sonst vor sich herschiebt. Ich habe etwa meinen Kasten entrümpelt und schreibe an meiner Masterarbeit. Mir persönlich macht es nichts aus, daheim zu sein, ich sehe das nicht als Einschränkung. Ich finde es wichtig, dass man sich an die Vorgaben hält und so seinen Beitrag leistet. Sehr froh darüber bin ich, nicht alleine daheim sitzen zu müssen. Wir müssen zweimal täglich unsere Temperatur messen und die Ergebnisse bekanntgeben. Ansonsten gibt es keine weiteren Vorgaben, außer das Ausgangsverbot.

Ich finde die Maßnahmen absolut notwendig und es ist wichtig, sich daran zu halten

Wie bewerten Sie die Maßnahmen, die jetzt getroffen worden sind?
Ich finde die Maßnahmen absolut notwendig und es ist wichtig, sich daran zu halten. Auch wenn jetzt sehr viel auf einmal und meiner Meinung nach verspätet gekommen ist. Die Lage in Italien war uns bekannt, hier hatten wir zwei Wochen „Vorsprung“ und die Entwicklung war klar absehbar. Leider wurde das Thema in der Kommunikation nicht mit dem nötigen Nachdruck behandelt. Hier blieb zu viel Spielraum für Fake News und die Bevölkerung verharmloste dieses Thema oder machte sich sogar darüber lustig. Nun wurde aus Spaß sehr rasch Ernst.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass die Quarantäne nicht nur ein Selbstschutz, sondern auch ein dringend notwendiger Schutz vor der möglichen Weiterverbreitung ist.

Wie fühlt man sich, wenn man unter Quarantäne steht?
Mir ist es wichtig zu betonen, dass die Quarantäne nicht nur ein Selbstschutz, sondern auch ein dringend notwendiger Schutz vor der möglichen Weiterverbreitung ist. Es viel angenehmer als gedacht: Ich bin ein sehr aktiver Mensch und kann in meiner Freizeit kaum ruhig sitzen. Nun habe ich diese Situation akzeptiert, mich darauf eingestellt und habe überhaupt kein Bedürfnis nach draußen zu gehen. Viele Personen sind bettlägerig, haben einen Liegegips oder durch eine körperliche Behinderung ihr ganzes Leben lang Einschränkungen. Wir sind gesund und 14 Tage können wir dazu nützen, um uns vom Alltagsstress zu erholen oder kleine Wehwechen ausheilen zu lassen. Es gibt an allem auch positive Seiten. Der Virus wird sich noch weiter ausbreiten und wir werden alle davon mehr oder weniger betroffen sein. Achten wir auf die einfachen Regeln, schränken wir den Kontakt zu älteren Personen auf ein Minimum ein und sichern wir parallel ihre Versorgung. Halten wir in diesen Zeiten zusammen, die uns entgegengebrachte Unterstützung der Nachbarn und Familie war auch eine durchaus schöne Erfahrung in dieser Situation.