Prozess nach tödlichem Crash auf S31 vertagt. Ein tödlicher Verkehrsunfall im November 2017 hat am Dienstagvormittag in Eisenstadt ein gerichtliches Nachspiel für eine Autofahrerin.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 02. April 2019 (12:19)
APA (FF WEPPERSDORF)
Bei dem Unfall starben 2017 zwei Personen

Eine 58-jährige Niederösterreicherin musste sich am Dienstag, 2. April 2019, am Landesgericht Eisenstadt wegen eines Unfalls verantworten, der am 17. November 2017 ein Todesopfer gefordert hatte. Der ebenfalls schwerverletzte 84-jährige Vater der getöteten 57-jährigen Frau starb im Frühjahr 2018 im Spital an den Unfallfolgen.

Ereignet hatte sich der Unfall nahe Oberpullendorf in jenem Bereich der Schnellstraße S31, wo sich für jede Fahrtrichtung nur mehr ein Fahrstreifen befindet, ca. 1,5 Kilometer nach der Abfahrt Oberpullendorf Nord.

Die Niederösterreicherin war in einem VW Tuareg unterwegs gewesen. In ihrem Auto befanden sich ihr 63-jähriger Mann, ihre 37-jährige Tochter und die Enkelin.

Am Weg in den Urlaub

In einem zweiten Auto saßen weitere Familienmitglieder. Gemeinsam sei man zu einem Urlaub in der Therme Lutzmannsburg unterwegs gewesen, berichtete die Angeklagte vor Gericht.

„Wir waren guter Dinge, es hat alles gepasst“, erzählte die Frau. „Ich wollte niemanden gefährden“, beteuerte sie.

Sie habe geblinkt, sei hinausgefahren und im „selben Moment hat es schon gekracht“, erinnerte sie sich.

Offenbar ohne auf den Gegenverkehr zu achten, hatte sie in einer Rechtskurve zum Überholen eines PKW und eines LKW angesetzt.

„Mutig, da zu überholen“

„Ich weiß noch, dass ich dachte: Sehr mutig, da zu überholen“, sagte der 47-jährige Lenker jenes PKW, der von der Angeklagten überholt worden war.

Deren Auto kollidierte unmittelbar danach frontal mit dem Auto einer entgegenkommenden 57-jährigen Lenkerin. „Ihre Verletzungen waren so schwer, dass sie noch an der Unfallstelle starb“, sagte die medizinische Sachverständige Elisabeth Friedrich.

Der Vater des Todesopfers erlitt ein massives Brustkorbtrauma und eine massive Lungenverletzung, musste mehrfach operiert werden und verstarb nach monatelangem Krankenhausaufenthalt.

Die Hinterbliebenen der Frau machten im Rahmen der Gerichtsverhandlung einen Teilbetrag von 500 Euro geltend. Die Gattin des verstorbenen 84-jährigen Mannes, zugleich Mutter der verstorbenen 57-jährigen Frau, fordert insgesamt 47.000 Euro Schmerzensgeld.

„Dann war Stille“

„Wir drehten uns ein paar Mal, dann ein dumpfer Knall. Die Airbags gingen auf. Dann war Stille“, erinnerte sich die Angeklagte. Sie kam mit starken Prellungen und Abschürfungen davon. Ihr Mann wurde ebenfalls verletzt.

40 Jahre sei sie davor unfallfrei gefahren. Sie habe die Strecke nicht gekannt, sei „gemütlich gefahren“, weil sie ganz auf den Urlaub eingestellt gewesen sei.

Autobahnende übersehen?

Ihr Anwalt meinte, das Verhalten seiner Mandantin sei möglicherweise so zu erklären, dass sie glaubte, noch auf der Autobahn zu sein.

Der verkehrstechnische Sachverständige Michael Plank berechnete den Zeitaufwand für den Überholvorgang mit 15 Sekunden und sprach von einem „riskanten Manöver“.

Staatsanwältin Beatrix Resatz beantragte die Beischaffung von Fotos, um die örtliche Situation beurteilen zu können. Rechtlich muss geklärt werden, ob die Frau grob fahrlässig handelte oder nur, wie ihr Anwalt meinte, unaufmerksam war.

Die Frage sei, wie gut erkennbar war, dass die Straße nur mehr einspurig ist, so die Staatsanwältin: „Wenn es ausgeschildert war, muss man ihr schon vorhalten, dass sie völlig unbedarft fuhr“, bemerkte Beatrix Resatz.

Richterin Doris Halper-Praunias vertagte den Prozess auf 8. Mai 2019.