Synagoge Kobersdorf: Ort des Erinnerns

Erstellt am 27. April 2022 | 09:25
Lesezeit: 4 Min
Die ehemalige Synagoge Kobersdorf soll ein Ort für Kultur, Wissenschaft und Bildung sein.
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 Am Dienstag wurde die ehemalige Synagoge nach einer umfassenden Renovierung wieder eröffnet. 3,5 Millionen Euro wurden in das Gebäude, das 2019 vom Land gekauft wurde, investiert. Jaron Engelmayer, Oberrabiner der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, meinte: „Ein Stück der Heiligkeit ist noch da.“

Die Synagoge soll als Kultur-, Wissenschafts- und Bildungszentrum ein Raum für Vorträge, Konzerte und Symposien mit Schwerpunkt auf jüdischer Kultur sein. So sind noch heuer etwa 70 Veranstaltungstage geplant. „Möge dieser Ort zum besseren Verständnis des Judentums beitragen. Die Synagoge Kobersdorf hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, möge dieser Ort eine florierende Zukunft haben “, betonte Oskar Deutsch, Präsident der IKG Wien.

Und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil führte aus: „Diese Öffnung ist neben der baulichen Instandsetzung sehr wichtig. Die Synagoge von Kobersdorf ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir uns unserer jüdischen Wurzeln, der jüdischen Tradition und unserer Verantwortung für die Opfer aus der NS-Zeit bewusst sind.“

Zur Geschichte der Synagoge Kobersdorf

Nach dem Brand der alten Synagoge wurde 1860 die neue Synagoge von Kobersdorf errichtet. Mit rund 600 Juden verzeichnete die Gemeinde in dieser Zeit den Höhepunkt der jüdischen Bevölkerung. Ein schlimmes Hochwasser verursachte 1895 bleibende Schäden am Gebäude. Die Synagoge stand damals 1,5  Meter unter Wasser und wurde in der Folge nur notdürftig saniert. Im März 1938 kam es zur Schändung durch die Nazis und gleichsam zur Übernahme in den Besitz der Ortsgruppenleitung, die es in ein SA-Heim für die umliegenden Gemeinden umfunktionierte. Pläne zur Umgestaltung in eine Busgarage und zum Verkauf an die Wiener Neustädter Stadtwerke und an Mercedes Benz kamen zum Glück nicht zur Umsetzung.

Die Tragödie des Holocaust forderte von den rund 200 jüdischen Bewohnern ca. 160 Opfer. Nach dem Krieg kehrten nur drei Überlebende nach Kobersdorf zurück.

Nachdem die Synagoge 1948 an die IKG Wien restituiert worden war, erfolgte 1994 der Verkauf an den Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf. 2010 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. 2019 kaufte schließlich das Land das Objekt.

Da die in Funktion befindliche Synagoge 1938 geschändet, innen zerstört und zweckentfremdet wurde, spricht man heute von einer „ehemaligen“ Synagoge bzw. von einem Synagogengebäude.

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