Bezirk Oberpullendorf: „Lokal-Augenschein“ zum Neustart. Zulauf von Lokal zu Lokal unterschiedlich, Abholservices werden noch gern genutzt.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 21. Mai 2020 (04:51)
Freude über Comeback. Karin Krejcirik vom Cafe Goldmark in Deutschkreutz – im Bild mit Gatten Roman – bilanziert: „Wir sind sehr froh wieder offen zu haben und unsere Gäste sind dankbar, wieder zu uns kommen zu können. Es war aufgrund des schlechten Wetters weniger los und die Menschen, vor die allem die ältere Generation, zeigten sich eher verhalten und auch ängstlich vor dem Distanz Halten. Ich möchte aber auch betonen, dass sich die Gäste sehr geduldig und von ihrer verständnisvollen Seite gezeigt haben.“
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Würden sich alle österreichischen Erwerbstätigen zweimal in der Woche im Gasthaus einen großen Apfelsaft gespritzt bestellen, bringt das der Gastronomie einen Umsatz von 144 Millionen Euro pro Monat und ganz Österreich durch direkte und indirekte Effekte über 2.000 Arbeitsplätze – so eine Berechnung der Wirtschaftskammer. Seit Freitag voriger Woche ist es nach der corona-bedingten Pause wieder möglich seinen großen Apfelsaft gespritzt und Co. wieder direkt im Gasthaus zu genießen.

„Man spürte doch noch die Scheu der Menschen“

Zufrieden mit dem ersten Wochenende nach dem Gastro-Comeback zeigt man sich in der Schmyede in Oberpullendorf. „Die Stimmung war sehr angenehm und sehr diszipliniert. Die Gäste waren dankbar und wir auch“, meint Chefin Petra Koth. Der Freitag sei ein guter Tag gewesen, der Samstag ein sehr guter. „Gar nicht weit weg von einem normalen Samstag“, so Koth. „Der Sonntag war etwas enttäuschend – aber es bleibt spannend, jeder Tag anders.“

Auch im Heurigen-Restaurant Habe D‘Ere in Oberpullendorf war man sehr froh über die Wiedereröffnung. „Man spürte aber doch noch die Scheu der Menschen vor einem Restaurantbesuch und daher wurde der Abholservice verstärkt genutzt. Hauptsächlich gab es Reservierungen und kein spontanes Erscheinen, die Gäste haben sich vorbildlich verhalten“, bilanziert Miriam Perkovits.

Mund-Nasen-Schutz für Personal belastend

Ähnliche Erfahrungen hat Anita Wenzl vom Dorfwirt in Kobersdorf gemacht. Die Leute sind sehr diszipliniert, kommen mit Masken und halten Abstand“, erzählt sie. „Für das Personal ist der Mund-Nasen-Schutz eine Katastrophe. Manchem wird schwindlig und ich merke es auch, wenn ich in der Küche bin. Aber je mehr Leute sich daran halten, desto schneller geht das auch vorbei.“

Auch Daniel Purt von der Lutschburger Stubn bestätigt, dass der Mundschutz für die Kellner sehr anstrengend und belastend ist. „Die Leute kommen schon wieder. Noch nicht so viele wie gewohnt, aber die Anfragen sind schon wieder mehr“, so Purt. „Momentan haben wir verkürzte Öffnungszeiten. Aber wir sind sonst positiv gestimmt.“

Stets positiv bleiben ist auch die Devise von Maja Pasalic vom Gasthaus Waya in Lackenbach. „Das Wochenende ist recht gut angekommen, am Montag hingegen hatten wir so gut wie keine Gäste. Insgesamt ist es keine leichte Situation und bei manchen Gästen gibt es auch Unmut wegen der Maskenpflicht. Wir selbst verwenden Gesichtsschilder, da ich unter der Maske nicht gut Luft bekomme“, schildert Pasalic. „Im Allgemeinen sind wir aber froh wieder offen haben zu dürfen. Aber natürlich fehlt uns auch die ältere Kundschaft, unsere Kartenrunde zum Beispiel. Die meisten Gäste sind jetzt zwischen 16 und 35 Jahren.“

Verstärkter Fokus auf Gastgärten

Grundsätzlich eine hohe Disziplin bei den Gästen ortet man im Landgasthof Faymann in Dörfl. „Die Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen wurden vom Personal, sowie von den Gästen gleichermaßen richtig eingehalten. Die Eigenverantwortung ist sehr wichtig“, erklärt Gastronom Toni Faymann. „Es war nicht viel los. Als Landgasthof setzen wir unseren Fokus jetzt nur auf den Außenbereich und den Gastgarten. Wir verlagern also unseren Betrieb nur mehr ins Freie, weil sich da die Gäste wohler und sicherer fühlen.“

Abhol- und Lieferservices sind nach wie vor gefragt

Auch im Gasthof Hafenscher in Oberpetersdorf hielt sich der Andrang in Grenzen, wie Hansjörg Hafenscher berichtet. „Leider war die Wiedereröffnung nicht so gut. Da wir essen zum Abholen anbieten, wurde das auch weiter in Anspruch genommen. Ich will mich noch bei den Gästen für die Unterstützung in den vergangenen zwei Monaten bedanken“, so Hafenscher.

Auch das Dorfgasthaus Berlakovich aus Weppersdorf hat den Gästen die Option gelassen, im Gasthof zu essen oder ihr Essen abzuholen. „Alle Gäste haben sich ihr Essen abgeholt und nicht bei uns im Haus gegessen“, berichtet Juliane Berlakovich. „Mit der Nachfrage beim Lieferservice sind wir sehr zufrieden und sehen uns nicht als Verlierer. Bei der Abholung waren die Gäste sehr verhalten, vorsichtig und diszipliniert und wollten von draußen die Lieferung abholen.“

Auch Laszlo Kovacs von „Liszt am Bach“ in Raiding berichtet, dass nach wie vor viele Leute ihr Essen mit nach Hause nehmen. „Der Start war nicht schlecht, die Gäste hatten viel Freude daran, dass sie wieder kommen durften. Es war aber nicht so viel los wie vor der Krise. Ich denke, viele Leute sind noch sehr vorsichtig, vor allem ältere Gäste bleiben aus. Mit jenen, die kommen, gibt es aber keine Schwierigkeiten aufgrund der Vorschriften. Wir selbst verwenden Mund-Nase-Schutzmasken und Gesichtsschilder abwechselnd, denn beides hat seine Vor- und Nachteile. Wirtschaftlich ist es ein großes Problem, da ich mein Lokal erst Ende 2019 eröffnet habe. Es haben mir bereits mehr als 3.000 Personen abgesagt. Ich finde, es müsste für die Gastronomie viel mehr Unterstützung geben.“