Sonnentherme-Neustart am 1. Juli schlägt Wellen

Auch Kritik an spätem Termin wird laut: Betriebe, die sonst von Thermengästen profitieren, würden leiden.

BVZ Redaktion Erstellt am 12. Juni 2020 | 05:57
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Noch zu. Aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen öffnet die Sonnentherme erst am 1. Juli.
Foto: BVZ

„Alle sperren auf – nur Lutzmannsburg nicht“. Unter diesem Titel hat im Namen von vielen, „welche mit Kopfschütteln, Unverständnis und Ärger zu Pfingsten registriert haben, dass die Sonnentherme und der Großteil der Hotels in Lutzmannsburg geschlossen waren bzw. bis Juli bleiben“, Sonnenland-Seilgarten-Betreiber Peter Heisz einen Brief an politische Vertreter des Bezirks und der Gemeinde sowie den Obmann des Tourismusverbandes gerichtet.

Darin schreibt er, dass sich mit ihm viele Unternehmer, Touristiker, Gäste (welche dennoch da waren oder kommen wollten) und auch die Bevölkerung wundern und fragen, wieso gerade der Landes-Leitbetrieb geschlossen bleibt, zumal alle Betriebe in Relation zu Größe aber auch wirtschaftlicher Potenz den gleichen Hygiene-, Personal- und finanziellen Aufwand hätten.

„Hier geht es um die wirtschaftliche Existenz von vielen Betrieben im ganzen Bezirk, welche durch eine Sperre der Therme nun verschärft wird.“

„Genau von diesem hätten wir uns erwartet, dass hier Signale einer Aufbruchstimmung kommen“, so Heisz. „Hier geht es um die wirtschaftliche Existenz von vielen Betrieben im ganzen Bezirk, welche durch eine Sperre der Therme nun verschärft wird. Wo bleibt da die Verantwortung eines Leitbetrieb des Landes?“ Für eine umgehende Öffnung der Sonnentherme plädiert auch ÖVP-Abgeordneter Patrik Fazekas (siehe Zitate unten).

Laut Sonnentherme-Geschäftsführer Werner Cerutti können durch die spätere Öffnung hohe Verluste – auch bei Hotelpartnern – vermieden sowie die Liquidität des Unternehmens geschont und gesichert werden. Die Buchungslage für Juni sei am 15. Mai für das Hotel Sonnenpark bei einem Minus von 75 Prozent im Vergleich zu 2019 gelegen.

Auch andere Hotelpartner hätten mitgeteilt, kaum Vorreservierungen für Juni zu haben. „Das Break Even für die Therme liegt bei 30.000 bis 35.000 Zutritten pro Monat, für Juni lag die Forecast bei maximal rund 10.000, das Break Even für den Sonnenpark bei 70 bis 75 Prozent Auslastung, für Juni lag diese am 15. Mai bei 25 Prozent. 240 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen wäre fahrlässig gewesen“, so Cerutti.

Aus seiner Sicht wäre die Zielgruppe Familie und Kinder im Juni, der seit Jahren der umsatz- und besucherschwächste Monat der Therme ist, einfach nicht in der nötigen Menge zur Verfügung gestanden. „Familien mit Kindern planen ihren Urlaub generell zwei bis vier Monate im Voraus. Kurzfristig bewegen sich Buchungen nur im niedrigen Prozentbereich – hier braucht es einen extrem hohen Marketingaufwand und Dumpingpreise, um am Markt erfolgreich zu sein“, berichtet Cerutti. Außerdem kommen 10 Prozent der Thermengäste aus Ungarn, wo noch bis diese Woche eine Reisewarnung bestand.

Die Entscheidung für den 1. Juli als Eröffnungstermin hatte aber auch organisatorische Gründe. Sicherheits- und Hygienekonzepte seien für Familien mit Kindern schwieriger zu implementieren als für Pensionisten, weshalb auch andere Mitbewerber im Familien- und Kindersegment wie die H2O-Therme oder Stegersbach wie die Sonnentherme später öffnen als zum Beispiel Avita oder St. Martins Therme. Auch das von den Behörden geforderte „online“-Ticketsystem für Tagesgäste könne erst Ende Juni installiert werden.

Revision: Aufträge in Höhe von 1 Million Euro

Und schließlich wurde die für September geplante Revision auf Mai/Juni verschoben. „Diese Entscheidung musste schon im April getroffen werden, da die Verfügbarkeit von burgenländischen Handwerksbetrieben sichergestellt werden musste.

Als die Regierung am 15. Mai angekündigt hat, dass Hotels/ Schwimmbäder wieder öffnen dürfen, waren die Revisionsaufträge schon vergeben. Burgenländische Unternehmen erhielten in einer schwierigen Zeit Aufträge von rund einer Million Euro“, so Cerutti. „Im September gibt es somit keine Revisionszeit und die Gesamtlage wird übersichtlicher und viel besser für Buchungen.“