Eszterle erzählt über ihr Schildkröten-Schutzzentrum. Sie sind unkompliziert zu halten, schlafen ein halbes Jahr und brauchen keine Beschäftigung – Schildkröten sind beliebte Haustiere, da sie vermeintlich nicht viele Ansprüche haben. Dieser Glaube kann aber oft zu schweren Haltungsfehlern führen. Braucht eine Schildkröte tatsächlich ein neues Zuhause, kann sie auch schon einmal hier landen: Bei Christine Eszterle und Kurt Hickel in Großwarasdorf. Die beiden haben ein offizielles Schutzzentrum für Schildkröten. Hier können verwaiste, gefundene oder beschlagnahmte Tiere unterkommen.

Von Sarah Tesch. Erstellt am 08. August 2020 (05:22)
Christine Eszterle betreibt in Großwarasdorf ein offizielles Schutzzentrum für Schildkröten.
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40 Tiere von Panther- bis Spornschildkröte

Begonnen hat alles vor etwa 15 Jahren mit dem Verein „Schildkrötenhilfe“. „Das Ziel war es, Informationen über die Haltung von Schildkröten zu verbreiten. Viele Menschen sind in Hinblick auf ihr Wissen über Schildkrötenhaltung leider auf dem Stand der 60er-Jahre“, so Christine Eszterle. Viele Menschen wüssten beispielsweise auch nicht, dass die Haltung einer Schildkröte bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft gemeldet werden müsse. „Die Meldung einer Schildkröte kostet zehn Euro“, so Eszterle.

Im Schutzzentrum in Großwarasdorf tummeln sich mittlerweile rund 40 Landschildkröten. Hier gibt es griechische, maurische, Spornschildkröten, Pantherschildkröten und noch einige Arten mehr. Die verschiedenen Tiere leben ihrer Art gerecht in unterschiedlichen Bereichen des großen Gartens.

So gibt es etwa einen eigenen Bereich für die Männchen der griechischen Landschildkröten. Diese würden sich sonst ihren weiblichen Artgenossen zu sehr „aufdrängen“. Aber auch hier geht es manchmal rund. „Schildkrötenmännchen stoßen sich auch schon einmal gegenseitig, da sie Rangkämpfe ausfechten“, erzählt Eszterle. „Aber ansonsten ist es hier sehr friedlich.“

Leitfaden zur Haltung von Landschildkröten

Zucht wird hier keine betrieben, das Zentrum darf allerdings Herkunftspapiere für die Schildkröten ausstellen. Diese sind notwendig, um Schildkröten zu erwerben, zu verkaufen oder weiterzugeben. Dazu findet sich auch einiges im Leitfaden zur Haltung europäischer Landschildkröten, den Christine Eszterle geschrieben hat. Dieser Leitfaden beschäftigt sich mit Themen wie Grundvoraussetzungen für die Haltung, dem Körper der Schildkröte, der Gesetzeslage, Krankheiten und mehr. „Wichtig ist zu verstehen, dass Schildkröten Wildtiere sind und das auch bleiben“, so Eszterle. Das beginne schon mit dem Futter: „Tomaten, Erdbeeren oder anderes zuckerhaltiges Obst und Gemüse sollte sehr selten bis gar nicht verabreicht werden. Schildkröten fressen, was auf der Wiese wächst, also Löwenzahn, Brennnesseln, Breitwegerich…“ Schlimmstenfalls könnten sie auch an Leberverfettung sterben.

Eine weitere Gefahr für Schildkröten ist Wurmbefall. Deswegen sollten Schildkröten im August auf Parasiten getestet werden, um sie für die Einwinterung vorzubereiten. Sollten sie an Würmern oder anderen Parasiten leiden, könnten die Tiere an einer Blutvergiftung sterben.

Die Haltung von Schildkröten ist also keinesfalls so unkompliziert wie möglicherweise gedacht. Über die Bedürfnisse und Vorlieben der Schildkröten sollten Halter und Halterinnen jedenfalls Bescheid wissen.