50. Rabnitztaler Malerwochen. Nahezu 100 Künstler aus Europa, Amerika und Asien waren schon in Unterrabnitz bei Initiator Harro Pirch zu Gast.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 30. Juli 2020 (05:10)
Teilnehmende Künstler 2020. Daniel Bucur, Bernd Romankiewitz, Harro Pirch, Gerhard Altmann, Gustav Just, Manfred Leirer, Florian Lang und Constanze Pirch (nicht am Bild).
BVZ

„Ein befruchtendes und konspiratives Treffen, bei dem jeder seine Sicht einbringen kann nach eigenem Gefühl und eigenen Vorstellungen, im Bewusstsein, dass er, was er einbringt, auch wieder herausbekommt“, so sieht Begründer Harro Pirch selbst die Rabnitztaler Malerwochen.

Seit 1971 treffen sich Maler, Grafiker, Keramiker, Fotografen und Dichter in Unterrabnitz, um im Garten der Galerie Turmhaus in entspannter Atmosphäre gemeinsam zu arbeiten. Die Idee dahinter ist einerseits, schöpferische Persönlichkeiten aufs Land zu bringen und so Menschen im Dorf die Schwellenangst vor der Kunst zu nehmen. Andererseits will Pirch professionellen Künstlern die Chance bieten, gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Nahezu 100 Künstler aus Europa, Asien und Amerika waren bereits zu Gast, darunter etwa Rudolf Klaudus, Franz Erntl, Oskar Matulla oder Franz Kaindl.

Im Jubiläumsjahr wollte Pirch Künstler aus Estland, den Niederlanden, Amerika, Ungarn und Südkorea einladen, doch der Coronavirus machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. So arbeiten heuer ausschließlich österreichische Künstler zusammen, wie bei den allerersten Malerwochen. Pirch, der als Lehrer an der Keramikschule Stoob ins Burgenland gekommen war, lud damals Kollegen nach Unterrabnitz ein – mit dabei ein später jahrzehntelanger „Stammgast“, Franz Vass. Die erste Ausstellung fand in zwei gemieteten Räumen im Kastell statt. Später stellte man dann auch in Oberpullendorf und Lutzmannsburg aus, wobei die Ausstellungen an allen drei Orten am gleichen Tag hintereinander eröffnet wurden. Ende der 70er-Jahre kamen mit den Ungarn Sandor Gaspardi und Gabor Kovacs erstmals ausländische Künstler hinzu.

„Die Rabnitztaler Malerwochen sind eine bemerkenswerte Kunstinitiative, die mittlerweile weit über die Grenzen des Burgenlands und Österreichs hinaus ausstrahlt. Dahinter steht mit Harro Pirch ein Mann mit starker Gestaltungs- und Antriebskraft.“ Landeshauptmann Hans Peter Doskozil

1983 ging Pirch für fünf Jahre als Auslandslehrer an eine von Lazaristen geführte Privatschule in Istanbul. „Die Malerwochen habe ich trotz Aufenthalts in Istanbul weiter betrieben“, so Pirch. Und es ergaben sich sogar nicht nur Ausstellungen in Istanbul, sondern die Lazaristen stellten auch ihr Sommerhaus auf der Insel Burgas kostenlos zur Verfügung. 26 Jahre lang haben Teilnehmer der Malerwochen dort kreativ gearbeitet. „Wir sind mit dem Transit von Unterrabnitz nach Istanbul gefahren – das letzte Mal vor zwei Jahren“, so Pirch. Später kam als weiterer künstlerischer Schaffensort für zehn Jahre Borgo im Trentin dazu. Aber nicht nur im Trentin und in Istanbul wurden tolle Ausstellungen gemacht, sondern auch in Estland und 2016 sogar in Korea. „Das war eines der schönsten Erlebnisse“, erinnert sich Pirch. Ergeben hat sich dies durch die Teilnahme von Lee Myoung-bok, der heuer zum fünften Mal gekommen wäre.

Der Kontakt zu ihm ist wie der zu vielen anderen Teilnehmern durch verschiedene Kontakte und Zufälle zustande gekommen, wie Anfang der 90er-Jahre, als Pirch einen Sponsor für Flüge von Estland nach Österreich gewinnen konnte. Die Kosten für den Aufenthalt der estnischen Künstler trug er selbst. „Die Künstler brauchen nur zu arbeiten. Es wird alles bezahlt“, erzählt Pirch. Sind die Subventionen aufgebraucht, dann muss er selbst als „Financier einspringen“.

„Meistens ist der Betrag genauso hoch wie die Subvention“, verrät Pirch, dass die Durchführung einer solchen kulturellen Institution nicht immer einfach ist. Schließlich kümmert er sich mit seiner Frau Eva um Unterkunft und Verpflegung der Künstler sowie sämtliche organisatorische Belange. „Für einen chinesischen Künstler mussten wir eine Versicherung bezahlen, sonst hätte er nicht einreisen dürfen und ich bin auch für die Ungarn gut gestanden in der Zeit, als die Grenze noch geschlossen war“, schildert Pirch. „Die ersten 35 Jahre Malerwochen habe ich keinen Urlaub gehabt. Ich bin nahtlos von Schule nach Unterrabnitz gefahren. Es ist im Grunde eine fürchterliche Arbeit und drei fürchterlich schwere, aber wunderschöne Wochen. Man hat immer das Gefühl, dass man an seine Grenzen geht und wenn es vorbei ist, kommt die Leere, aber auch eine gewisse Freude, dass es wieder passiert.“

Nächstes Jahr möchte man die Jubiläumsfeier nachholen – anlässlich 50 Jahre Malerwochen sind auch ein Film und ein Buch von Günter Unger in Arbeit –, „weil es gehört einfach gefeiert. Heuer feiern wir 49 ½ nächstes Jahr 50 ½ Jahre Rabnitztaler Malerwochen“, schmunzelt Pirch.