Steinberg-Dörfl: Blaudruckerei feiert 100. Geburtstag. Die Blaudruckerei Koó in Steinberg-Dörfl feiert genauso wie das Burgenland in diesem außergewöhnlichen Jahr ihren Geburtstag.

Von Dieter Dank. Erstellt am 31. Januar 2021 (03:34)
Grund zum Feiern. Miriam Schwack-Koó und Joseph Koó freuen sich über den 100. Geburtstag ihrer Blaudruckerei. Das Blaufärben lässt sich bis ins Altertum zurückverfolgen und den größten Aufschwung erlebte der Blaudruck im 17. und 18. Jahrhundert. Der Name Blaudruck ist nicht ganz korrekt, da nicht blau gedruckt, sondern blau gefärbt wird. Die Familie Koó durfte sich im Laufe der Jahre über Besuche von Indigo-Fans rund um den Globus, wie Japan und Amerika, freuen. Vor Kurzem sah man die Blaudruck-Produkte aus Steinberg-Dörfl auch im Pausenfilm des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker vor einem Millionenpublikum.
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Blaumachen, in die Mangel nehmen, sein blaues Wunder erleben: Der Blaudruck hat in unserer Umgangssprache seine Spuren hinterlassen. Die Blaudruckerei Koó, ein traditioneller Familienbetrieb in dritter Generation, blickt auf eine ereignisreiche 100-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 1921 gründete Josef Koó, der Großvater von Joseph Koó, den Betrieb. Damals gab es im Burgenland noch viele Blaudruckereien und die Herstellung von Fiatas stellte für einige Menschen ihren Lebensunterhalt dar. Mittlerweile gibt es in ganz Österreich neben der Blaudruckerei Koó nur noch eine in Oberösterreich. 2008 übernahm das Ehepaar Miriam Schwack-Koó und Joseph Koó die Geschicke einer der letzten Blaudruckereien Europas. „Wir möchten diese Tradition nicht vergessen und lebendig halten“, so Koó.

Ein Auf & Ab aber fast kein Tag Stillstand

Zum Ende der 90er-Jahre brach im Unternehmen ein Brand aus. Die Eltern von Joseph Koó ließen sich dadurch aber nicht unterkriegen und mit Hilfe der Bevölkerung und der Feuerwehr wurde das Firmengebäude wieder aufgebaut. Trotz einiger Auf & Abs gab es in den 100 Jahren kaum Tage, wo die Produktion stillgestanden ist.

Doppeldrucke sind die Spezialität des Hauses

Früher gab es noch keine Waschmaschine und so benutzten die Frauen eine Seite der Schürze für den Stall und die andere für die Küche. „Unsere Spezialität sind die Doppeldrucke, die auf beiden Seiten ein Muster haben. Wir sind eine von den letzten Druckereien, die so etwas produzieren“, so Miriam Schwack-Koó. Diese werden mit einer alten Walzendruckmaschine, von Hand betrieben hergestellt. Die Zusammensetzung des Papps, dessen Hauptbestandteile Gummiarabikum und Tonerde sind, ist das gut gehütetste Geheimnis des Blaudruckers. Jeder hat sein eigenes Rezept, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde.

Blaudruckerei Koó wurde ausgezeichnet

Im Jahr 2010 wurde die Manufaktur Koó unter der Bezeichnung „Burgenländischer Indigo-Handblaudruck“ vom Unesco-Fachbeirat in die Liste „immaterielles Kulturerbe in Österreich“ aufgenommen. 2018 wurde der Blaudruck auch in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Zu der Zeit, wo eigentlich die Saison beginnt, mussten die Koós aufgrund der Pandemie bald wieder schließen. Die vielen Besuche von Reisegruppen fielen aus, aber das Blaudruck-Schiff konnte nach anfänglichen Turbulenzen wieder in ruhigere Gewässer gesteuert werden. „Jede Zeit hat ihre Herausforderungen und es gilt darauf eine Antwort zu finden. Die Regionalität rückte wieder in den Vordergrund“, so Joseph Koó.

Sehr wichtig ist für das Ehepaar, den Betrieb gesund weitergeben zu können, vielleicht auch an seinen Sohn. „Ich bin meinen Großeltern und meinen Eltern sehr dankbar, die das Handwerk in den letzten 100 Jahren mit viel Herzblut gelebt haben“, so Koó.