Gedenken – nachdenken. Über die neue Gedenktafel für die Opfer des NS-Regimes in Oberpullendorf.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 24. September 2020 (03:45)

Nur wenige Tage nachdem die Stadtgemeinde Oberpullendorf ihr neues Denkmal für die zivilen Opfer der NS-Diktatur vor der Bezirkshauptmannschaft enthüllt hat, wurde ein Ehepaar aus dem Mittelburgenland am Landesgericht Eisenstadt wegen Wiederbetätigung zu bedingten Haftstrafen verurteilt.

Eine Tatsache, die zeigt, dass das Erinnern auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wichtig ist. Dieser Ansicht sind offenbar auch die Gemeindevertreter von Oberpullendorf, haben sie doch den Beschluss zur Errichtung dieses Denkmals einstimmig gefasst. Unter dem Regime der Nationalsozialisten haben normale Menschen den industriellen Massenmord perfektioniert, stellte der Gestalter des Denkmals, Andreas Lehner, bei dessen Enthüllung fest. Und er meinte weiters, dass Gewalt aber viel früher beginne, dort, wo Menschen systematisch in ihren Entwicklungsmöglichkeiten behindert und in ihren Talenten nicht gefördert werden, was aber nicht mit einem Aufschrei der Empörung, sondern eher mit einem Achselzucken quittiert werde.

Das Gedenken an die Vergangenheit erinnert uns in diesem Sinn daran, dass es für die Gegenwart und Zukunft notwendig ist, immer wieder (selbst-)kritisch über gesellschaftliche Entwicklungen nachzudenken.