Konstruktiv sein ist das Entscheidende. Michaela Grabner über eine „Kultur“ des Kritisierens.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 24. Januar 2018 (09:51)

Anonyme Briefe polarisieren. Die einen halten sie für einen klaren Fall für den Papierkorb. Andere denken, dass man dem Inhalt zumindest auf den Grund gehen sollte. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es um heikle persönliche Angelegenheiten geht, etwa der Behörde Verdachtsmomente für Gewalttätigkeiten angezeigt werden. Bevor man schweigt, weil man fürchtet, sich irren zu können und dann als „Anpatzer“ dazustehen, ist es besser, diese anonym mitzuteilen. Dieser Tage hat ein anonymer Brief angeprangert, dass im Gymnasium Oberpullendorf ein „unbeschreiblicher Druck herrsche“. Diese Aussage wird negativen Schularbeitsergebnissen argumentiert.

Wird eine Kritik mit sachlichen Argumenten dargelegt, kann diese auch anonym vorgebracht konstruktiv sein. Moralisch bedenklich ist es aber, den Deckmantel der Anonymität zu persönlicher Kritik zu nutzen. Schließlich ermöglicht dies jedwede Behauptung, ohne die Motive des Kritikers hinterfragen zu können. Diese Form der Kritik ist fehl am Platz. Konstruktive kritisierende Aussagen können indes –  trotzdem sie auch nicht immer angenehm sind – helfen, eigene Meinungen und Vorgehensweisen zu reflektieren.