Anni Heinrich: Kirchenwirtin mit Herz. Kirchenwirtin Anni Heinrich ist ein herzlicher Mensch und will, dass sich ihre Gäste wie zu Hause fühlen.

Von Kim Roznyak. Erstellt am 01. Mai 2019 (04:02)
In der Promi-Galerie. Kirchenwirtin Anni Heinrich macht gerne Erinnerungsfotos mit ihren prominenten Gästen.
BVZ

Die Deutschkreutzerin Anni Heinrich ist über die Ortsgrenzen hinweg als Kirchenwirtin bekannt. Schon bevor sie das Gasthaus von ihren Eltern übernahm, half sie tatkräftig im Tagesgeschäft mit. Das Gasthaus gibt es bereits seit 60 Jahren, auch Gästezimmer werden seit Anfang an betrieben. „Die Arbeit mit den Leuten im Gasthaus sowie in unserer damaligen Diskothek hat mir sehr viel Spaß gemacht. Da kam mir die Idee, das Gasthaus eines Tages zu übernehmen“, schildert Heinrich.

Seit 41 Jahren arbeitet Heinrich nun beim Kirchenwirt und mit zarten 30 Jahren übernahm die gelernte Köchin/Kellnerin das Wirtshaus. Ihren Mann Harald lernte Heinrich in der hauseigenen Disco kennen, mit dem sie mittlerweile 30 Jahre verheiratet ist. Ihre Aufgaben als Kirchenwirtin reichten von der Organisation des Personals bis hin zu Events. Auch das Zepter in der Küche hat Heinrich über. Bodenständige und saisonale Küche kommt bei der Kirchenwirtin auf den Tisch. „Wir sind für unseren Tafelspitz mit Semmelkren sehr bekannt“, so Heinrich.

„Gäste sollen sich bei mir wohlfühlen“

Für die Kirchenwirtin ist es sehr wichtig, dass sich ihre Gäste in ihrem Gasthaus wohlfühlen bzw. sich wie zu Hause fühlen. „Ich bin ein sehr herzlicher Mensch und versuche niemanden zu beleidigen. Die Gäste kommen immer wieder gerne zurück. Und solange es die Gesundheit zulässt, wird der Kirchenwirt weiterhin bestehen“, schildert Heinrich.

Herz bewies Heinrich auch damals, als 1989 die DDR-Flüchtlinge nach Deutschkreutz kamen. „Wir versorgten über 1.000 Personen mit kostenlosem Frühstück über Wochen hinweg“, so Heinrich. Noch heute erinnert sich Wirtin Heinrich gerne an die Zeit vor 30 Jahren. Bereits damals kam sie auf den Gedanken, dass man diese historischen Ereignisse irgendwie festhalten sollte und bat die Flüchtlinge, sich in ein Gästebuch einzutragen.

„Das war am Anfang gar nicht so einfach. Viele Leute haben sich nicht getraut, etwas hineinzuschreiben. Da musste ich manchmal gut zureden, dass ihnen eh nichts passiert“, so Heinrich. Heute ist das Gästebuch des Gasthauses ein zeithistorisches Dokument und es wurde bereits im Haus der Geschichte in Leipzig und Berlin ausgestellt. Nicht nur die Politiker aller Fraktionen schätzen Heinrichs Gastfreundschaft, auch bekannte Sänger, Musiker oder Kabarettisten kommen immer wieder nach Deutschkreutz zur Kirchenwirtin.

„Einmal war Jörg Haider bei uns im Lokal, es standen insgesamt acht Securitys um unser Haus herum. Aber auch Altbundespräsident Heinz Fischer war schon bei uns im Gasthaus“, erinnert sich Heinrich. Einen bleibenden Eindruck hinterließ für die Kirchenwirtin auf jeden Fall der Überraschungsauftritt von Mandy von der Musikgruppe „Mandy und die Bambis“ — er sang ein Lied bei Heinrichs 40er- Feier. Aber auch Andi Borg, Marc Pircher, „Die Paldauer“, „Das Nockalm Quintett“ und viele weitere Stars kehrten bei der Kirchenwirtin in den vergangenen 40 Jahren bereits ein.

Heinrich war auch sieben Jahre lang Tourismusobfrau in Deutschkreutz. „Die Aufgabe hat mir sehr gut gefallen. Ich war viel auf Messen unterwegs und holte viele Gäste nach Deutschkreutz. Irgendwann wurde es mir jedoch zuviel mit dem Betrieb“, erklärt Heinrich.

„Meine Freizeit gehört jetzt meinem Enkerl“

Karriere und Familie waren für Heinrich oft schwierig unter einen Hut zu bekommen. „Als Wirtin hat man wenig Zeit für seine Kinder. Aber jetzt nehme ich mir mehr Zeit für mein Enkerl“, so Heinrich.

Im Oktober des Vorjahres übernahm Gatte Harald das Gasthaus und Heinrich konnte ihre wohlverdiente Pension antreten, jedoch hilft sie weiterhin aus. Mit der Übernahme wurde der Kirchenwirt auch komplett rauchfrei. „Sogar Raucher haben sich das Rauchen abgewöhnt“, so Kirchenwirtin Heinrich abschließend.