Janeschitz lässt seit 50 Jahren die Puppen tanzen. Lorenz Janeschitz hat am 20. Juni im Oberpullendorfer Haus St. Stephan gleich zwei Gründe zum Feiern: Seinen 70. Geburtstag und sein 50 Jahre als Puppenspieler.

Von Isabella Kuzmits. Erstellt am 19. Juni 2020 (05:34)
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Im heimischen Kleinkunsttheater. Lorenz Janeschitz hat die Liebe zum Puppentheater schon im Kindesalter entdeckt.
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Lorenz Janeschitz ist schon als Kind immer gerne ins Wiener Volksbildungshaus zum Puppentheater gegangen. Dort entdeckte er seine Liebe zum Puppenspiel. Mit 18 Jahren beschloss er seinen Traum zu verwirklichen und studierte in Prag an der Kunsthochschule Theaterwissenschaften. „Als Hauptfach wählte ich das Puppentheater.

In den Nebenfächern machte ich eine Ausbildung zum Bühnen- und Kostümbildner“, erklärt der gebürtige Niederösterreicher. Nach seiner Rückkehr 1972 durfte er den Magister-Titel in Österreich jedoch nicht führen und so bestand seine Mutter darauf, dass er etwas „Gescheites“ lernen sollte. „Ihr zuliebe machte ich im Hauben-Restaurant Pfefferschiff eine Ausbildung zum Koch und Konditor. Somit war ich im Sommer als Koch und in den Wintermonaten als Puppenspieler tätig“, erinnert sich Janeschitz.

Direktor des kleinsten Theaters der Welt

In den 80er-Jahren war Lorenz Janeschitz als Direktor des „Le Petite“ in der Schlösselgasse in Wien tätig. „Es gab nur 19 Sitzplätze. Aber alle Prominenten wollten unbedingt einmal im kleinsten Theater der Welt auftreten und das ohne Gage. Wenn Adi Hirschal, Trude Ackermann oder Günther Tolar auftraten, waren wir immer voll und mussten sogar zusätzliche Sessel aufstellen“, so Janeschitz.

Das größte Highlight seiner Karriere erfolgte 1988 mit der Aufführung der Oper „Das Nachtlager von Granada“. Dafür hat er 146 Puppen gefertigt. Gemeinsam mit zwölf Puppenspielern präsentierte er das Stück bei den Wiener Festwochen ehe es auf Tournee nach Australien, Japan, Korea und Taiwan ging. „Alle Puppenspieler haben fantastisch verdient und alle sind ohne einen Groschen nach Hause gekommen, weil wir uns einfach alles angeschaut haben. Wir haben uns gedacht, ‚wer weiß ob wir noch einmal herkommen‘. Und somit habe ich mir z.B. Neuseeland angeschaut oder bin von Queensland aus nach Mauritius geflogen. Diese Erinnerungen nimmt mir keiner mehr weg“, meint der Puppenspieler.

Im Jahr 2002 suchte er neue Herausforderungen und gründete das Schubert-Theater, ein Puppentheater für Erwachsene in Wien, welches er bis zu seiner Pensionierung geleitet hat.

Seit 12 Jahren in Kroatisch Geresdorf

„Als ich die Pension angetreten bin, habe ich gedacht, dass ich das Puppentheater jetzt aufgeben werde und bin nach Kroatisch Geresdorf gezogen. Dort habe ich zunächst ein Heurigenlokal betrieben und dann den Keller doch zu einem Puppentheater ausgebaut“, erinnert sich Janeschitz, dessen Puppentheater auch dort vom ersten Tag an voll war, so dass nach kurzer Zeit auch schon Hotels aus Lutzmannsburg um Aufführungen angefragt haben.

Vor 10 Jahren zog Lorenz Janeschitz in sein jetziges Wohnhaus in Kroatisch Geresdorf in der Hauptstraße 23, wo er sich pudelwohl fühlt und den ehemaligen Stall zu „Europas kleinstem Stehgreiftheater“, mit Platz für 32 Personen, umgebaut hat. „In den kommenden Wochen stehen wieder Umbauarbeiten an. Und zwar möchte ich die Bühnentiefe vergrößern und eine Garderobe für Künstler adaptieren“, berichtet Janeschitz.

Jubiläumsfeier im Haus. St. Stephan

Anlässlich seines 70. Geburtstags lädt Lorenz Janeschitz am 20. Juni (15 Uhr) zu einer Jubiläumsveranstaltung ins Oberpullendorfer Haus St. Stephan. Dort wird er das Stück „Kasperl und der Mühlengeist“ spielen und im Anschluss sowohl seinen runden Geburtstag als auch 50 Jahre als Puppenspieler feiern. Am 1. und 2. August lädt er außerdem zur Premiere der Kroatisch Geresdorfer Sommerfestspiele mit Beate Sunny, Inge Lewisch und der Tamburizzagruppe Zelenjaki. Die Veranstaltung findet auf der neuen Sommerbühne im Freien statt. Janeschitz größter Geburtstagswunsch ist es, noch viele Jahre als Puppenspieler aktiv sein zu können und viele Gäste in seinem Kleinkunsttheater begrüßen zu dürfen.