Am Eisernen Vorhang: Gedenktafel für letzten Toten. Thermengemeinde Lutzmannsburg, die für hunderte Menschen zum Ort der Freiheit wurde, gestaltet Gedenkfeier anlässlich 30 Jahre DDR-Fluchtbewegung 1989.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 02. August 2019 (03:31)
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Tragischer Vorfall. In der Pfirsichplantage von Rudolf Böhm auf dem „Lutschburger Weingebirge“ kam Kurt-Werner Schulz (kleines Foto) bei einem Handgemenge mit einem ungarischen Soldaten ums Leben. Die österreichisch-ungarische Grenzkommission befand, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat.
LPD Burgenland/Johannes Schafitel

Hunderte DDR-Bürger kamen im Jahr 1989 über das Lutschburger Weingebirge in die ersehnte Freiheit. Wie schon nach dem Ungarischen Volksaufstand 1956 haben auch vor 30 Jahren viele Lutzmannsburger Familien Flüchtlinge aufgenommen und diese mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt, wie der Lutzmannsburger Historiker Oswald Gruber zu berichten weiß.

Die Markt- und Thermengemeinde Lutzmannsburg gestaltet daher anlässlich „30 Jahre DDR-Fluchtbewegung 1989/2019“ am 15. August (17 Uhr) eine Gedenkfeier am Aussichtshügel auf dem Lutschburger Weinberg. Auch ehemalige DDR-Flüchtlinge, die 1989 in Lutzmannsburg im Evangelischen Pfarrhof und bei Gastfamilie aufgenommen wurden, haben laut Gruber, der auch Projektleiter für die Gedenkfeier ist, ihr Kommen zugesagt.

Insbesondere wird im Rahmen der Gedenkfeier auch Kurt-Werner Schulz gedacht werden, der als letztes Todesopfer am Eisernen Vorhang gilt. Der Architekt aus Weimar kam am 21. August am Lutschburger Weingebirge in einem Handgemenge mit einem jungen ungarischen Grenzsoldaten, bei dem sich ein Schuss löste, unglücklich zu Tode.

Er war mit seiner Lebensgefährtin Gundula Schafitel und ihrem gemeinsamen sechsjährigen Sohn Johannes auf der Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik Deutschland gewesen. Mutter und Sohn hatten die Grenze bereits überquert.

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BVZ

Oswald Gruber, der sich seit Jahren mit der DDR-Fluchtbewegung beschäftigt, fand in Répcevis (Heils) Zeitzeugen wie Jenö Kulcs, in dessen Haus Kurt-Werner Schulz und seine Familie aufgenommen worden sind, um sich ausruhen. Laut Kulcs’ Aussagen habe Schulz beim Fernsehen bei einer befreundeten Familie in Budapest vom Paneuropäischen Picknick bei Fertörakos erfahren, wo 661 DDR-Flüchtlinge in die Freiheit gelangt waren und sofort den Entschluss gefasst, nicht wie geplant seinen Urlaub am Plattensee zu verbringen, sondern die Gelegenheit zur Flucht zu nützen. Es sei bereits dessen zweiter Fluchtversuch gewesen, der erste tags zuvor nahe Sopron sei fehlgeschlagen. Im Rahmen der Gedenkfeier am 15. August wird eine Gedenktafel am Aussichtshügel gesegnet werden, die an die Fluchtbewegung und Kurt-Werner Schulz im Besonderen erinnert.