Sanierung der Synagoge Kobersdorf vor Abschluss

Erstellt am 02. März 2022 | 11:10
Lesezeit: 3 Min
Die Sanierungsarbeiten der ehemaligen Synagoge in Kobersdorf stehen vor dem Abschluss.
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2019 wurde es vom Land Burgenland angekauft, Ende April soll das renovierte Gebäude eröffnet und künftig als Veranstaltungsstätte und Wissenschaftszentrum genutzt werden. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) besuchte es am Mittwoch gemeinsam mit IKG-Vizepräsidentin Claudia Prutscher und Peter Adam vom Bundesdenkmalamt.

"Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte hinter sich", verwies Doskozil bei der Besichtigung auf ein Hochwasser und die Zeit des Nationalsozialismus. Der Ankauf durch das Land erfolgte 2019 und um es vor dem Verfall zu retten, wurde es nun rund eineinhalb Jahre renoviert: "Es ist dem Land Burgenland ein großes Anliegen, das jüdische Erbe unseres Bundeslandes zu bewahren. Mit dem Erwerb und der Sanierung der Synagoge sichern wir einen wertvollen und von den Nazis zerstörten Teil der burgenländischen Identität und setzen ein sichtbares Zeichen der Wiedergutmachung."

Die Synagoge sollte nicht nur als Mahnmal belassen werden, sie wurde auch als moderne Veranstaltungsstätte ausgebaut. Dabei habe man sich möglichst am Original von 1860 orientiert. So wurden etwa in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt die Türen restauriert und nicht mehr vorhandene Fenster und Luster nach alten Vorlagen neu angefertigt. Wandbeschriftungen wurden freigelegt und die Wandmalerei um den alten Thorabereich wiederhergestellt. Die Projektkosten beliefen sich auf 3,5 Mio. Euro. Für denkmalpflegerische und restauratorische Maßnahmen werden vom Bundesdenkmalamt voraussichtlich 250.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Synagoge von Kobersdorf wurde nach dem Brand der alten Synagoge 1860 errichtet. Mit rund 600 Juden verzeichnete die Gemeinde in dieser Zeit den Höhepunkt der jüdischen Bevölkerung. Bei einem Hochwasser 1895 stand das Gebäude aber 1,5 Meter unter Wasser und wurde nur notdürftig saniert. Im März 1938 kam es zur Schändung durch die Nazis, das Gebäude wurde ein SA-Heim. Nachdem die Synagoge 1948 an die IKG Wien restituiert worden war, erfolgte 1994 der Verkauf an den Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf, bevor sie 2019 an das Land ging. Aufgrund der Schändung 1938 spricht man heute von einer "ehemaligen" Synagoge.

Neben der anstehenden Inbetriebnahme des Zentrums in Kobersdorf am 26. April kündigte Doskozil für Ende März die Eröffnung der ebenfalls erneuerten Synagoge in Stadtschlaining an. Ende Mai wiederum werde das renovierte Kulturzentrum in Mattersburg eröffnet.

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