Ende für Kaufhaus "Lex"

Franz Lex führte in vierter Generation mehr als 30 Jahre lang das Kaufhaus in Mitterpullendorf. Jetzt schließt er.

Erstellt am 20. August 2020 | 05:19
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Kaufhaus Lex
Hinter der Theke. Franz Lex führte sein Kaufhaus mehr als 30 Jahre lang.
Foto: Tesch

Wurst, Tee, Essig, Schnaps? Gibt es alles. Waschmittel, Schuhe, Grußkarten, Badekleidung? Auch da. Es ist noch nicht allzu lange her, da gab es im Kaufhaus Lex in Mitterpullendorf sogar Dochte für Petroleumlampen zu kaufen. Das Kaufhaus in der Ungargasse wurde von Franz Lex in vierter Generation geführt. 1984 übernahm er es von seinen Eltern. „Mein Urgroßvater hat das Geschäft 1895 hier im Nebengebäude eröffnet. 1955 haben es meine Eltern erweitert und so ausgebaut, wie es noch heute besteht“, erzählt der Ladenbetreiber. Aber jetzt ist Schluss – nach mehr als hundert Jahren schließt die Gemischtwarenhandlung von Franz Lex.

In seinem Kaufhaus gab es nicht nur alles, was die Menschen im Alltag und in der Landwirtschaft benötigten. Hier wurden auch Feste gefeiert. Eine kleine Sitzecke im Geschäft war der Austragungsort zahlreicher Kartenspielrunden, hier wurde mit Achterln angestoßen und auch Geburtstage feierte man hier. Die vielen Fotos an den Wänden rund um die Sitzecke zeugen davon. Auch vor dem Geschäft war einiges los: Musik, Tanz und gemütliche Tratschrunden fand man hier immer wieder vor. „Meine Kunden waren wie eine große Familie“, erzählt Franz Lex. Nach 36 Jahren als Kaufhausinhaber geht er nun selbst in Pension. Zu erzählen weiß er genug, denn in seiner Gemischtwarenhandlung war stets viel los.

Die richtige Adresse für Reparaturen

Ein wichtiger Geschäftszweig war auch die Werkstatt nebenan. Wenn Franz Lex nicht im Kaufhaus zu tun hatte, reparierte er hier kaputte Rasenmäher. „Der kleine Lex hat alles und kann alles“, steht auf einem kleinen Schild geschrieben, dass in seiner Werkstatt hängt. Das war es, was die Kunden stets über ihn gesagt haben.

Mittlerweile sind die Regale im Kaufhaus halb leer. „Was wir nicht verkaufen, das verbrauchen wir selber. So viel ist es nicht mehr“, sagt Lex. Dass das Geschäft schon lange besteht, erkennt man auch an den vielen Laden hinter der Theke. „Salz“, „Soda“, „Mehl“ und andere Worte sind darauf zu lesen. Diese Laden sind aber schon lange leer, da die Waren längst alle verpackt sind.

„Stammkunden blieben bis zuletzt treu“

Mit Supermärkten kann man sich nicht vergleichen, das war dem Ladenbetreiber lange schon klar. Man könne nicht mit den niedrigen Preisen und dem riesigen Angebot mithalten. „Das hier ist aber unsere größte Konkurrenz“, sagt Franz Lex und holt eine dicke Mappe hervor. Darin ist ein dicker Stapel Patenzettel, angefangen irgendwann im Jahr 1975. In das Kaufhaus Lex sind vor allem Stammkunden gekommen. „Wir wissen, welche Zigaretten jemand raucht. Wir haben auch schon die Waren vorbeigebracht, wenn wir die Kundschaft gut kennen“, erzählt Lex. „Hier ist alles sehr persönlich.“ Er freut sich auch, dass so viele Bekannte bis zum Schluss treue Stammkunden geblieben sind. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Jetzt in der Pension wird ihm aber bestimmt nicht langweilig. Zu tun gibt es im Haus genug. Und auch sein Hobby – Modellflugzeugfliegen – gibt jede Menge Beschäftigung her. Bevor das Kaufhaus Lex am 31. August schließt, wird die letzte Ware auf einem Flohmarkt verkauft. Lange bleibt das Geschäft aber nicht geschlossen. Geplant ist, dass bald die Nichte von Franz Lex mit einem Hundebedarfsgeschäft hier einzieht.